Heiraten Sie nicht!

Die Prominenz lässt sich momentan massenhaft scheiden. Eine kleine Warnschrift, damit Ihnen das nicht passiert.

Bald wars aus: Jamie Hince und Kate Moss unmittelbar nach ihrer Trauung am 1. Juli 2011. (Bilder: Keystone)

Bald wars aus: Jamie Hince und Kate Moss unmittelbar nach ihrer Trauung am 1. Juli 2011. (Bilder: Keystone)

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Eventuell tragen Sie sich gerade mit dem Gedanken, sich zu verheiraten. Sie sind wahnsinnig verliebt, und das ist schön, aber sehen Sie, trotz der emotionalen Hochstimmung sollten Sie sich die Schlagzeilen der letzten Wochen vergegenwärtigen: Jennifer Garner und Ben Affleck. Fiona Hefti und Christian Wolfensberger. Kate Moss und Jamie Hince. Gwen Stefani und Gavin Rossdale. Ja sogar Kermit der Frosch und Miss Piggy. Genau: Die lassen sich alle scheiden.

Die waren einst auch wahnsinnig verliebt gewesen. Und oh, wie gerne haben sie damals ihr Glück der ganzen Welt präsentiert! Wie strahlten sie! Wie waren die Bräute schön und die Bräutigame schnittig! Jetzt gibt es keine glamourösen Fotos mehr, sondern nur noch dürre Communiqués.

Das sollten Sie bedenken und sogar sehr konkret in Betracht ziehen, denn die Zahlen sprechen nicht nur bei der Prominenz eine klare Sprache: In der Schweiz kommen auf 100 geschlossene Ehen 42 Scheidungen – wobei jene, die sich nicht zu diesem Schritt durchringen können, aber sich längst nur noch erbittert anschweigen, nicht miteinberechnet sind. Es gibt da sozusagen eine Dunkelziffer, die wahre Quote an desolaten Ehen liegt also noch ­höher.

Die Statistik zeigt weiter, dass Ihr Glück nach durchschnittlich 15 Jahren den Bach runtergehen wird. Richtig, das ist dann, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, wenn es Noah dank unzähliger kostspieliger Nachhilfestunden im dritten Anlauf doch noch ins Gymnasium geschafft hat und Lara endlich wieder normal isst. Dann sitzen Sie sich gegenüber und merken, dass Sie sich nichts mehr zu sagen haben. Damit es nicht so weit kommt, spielen wir hier das Szenario im Zeitraffer durch. Sagen Sie also nicht, Sie seien nicht gewarnt gewesen.

Vor der Hochzeit

Männer: Sie werden Ihre zukünftige Frau nicht wiedererkennen. Sie wird sich in Brautzilla verwandeln und nur noch ein Thema haben: die Verheiratung. Sie müssen über die Schrift auf den Tischkärtchen diskutieren und über zum Kleid passende Sträusse in Pastelltönen, Heulkrämpfe miterleben, weil die Problemzonen trotz Nulldiät nicht weniger werden, und endlos lange Listen mit Verwandten durchkauen. Schon in der Hälfte der Vorbereitungen sind Sie kolossal erschöpft. Bereits da denken Sie zum ersten Mal, dass das womöglich keine so gute Idee war, aber Sie fürchten die Folgen, wenn Sie nun zurückrudern – es gäbe ein Drama mit viel Tränen, und Sie hassen Tränen. Daher sagen Sie sich, dass Sie da durchmüssen. Das ist Ihr erster fataler Fehler.

Ebenfalls getrennt: Ben Affleck und Jennifer Garner.

Frauen: Sie werden mindestens ein halbes Jahr lang vollkommen absorbiert sein und nur ein Thema haben, mit dem Sie allen auf die Nerven gehen, auch wenn es niemand zu sagen wagt. Aber dieser Tag, dieser eine Tag, der soll perfekt werden. Einmal im Leben wollen Sie Prinzessin sein und im Mittelpunkt stehen. Das ist Ihr erster faltaler Fehler. Sie werden diese Abführpillen und -pulver ausprobieren, weil Sie auf den Fotos schlank und rank sein möchten. Die Haare werden Sie sich in Zapfenlocken eindrehen lassen, wie Sie das in den Brautmagazinen gesehen haben, die Sie lesen, seit Sie 14 sind. Dazu Schuhe tragen, in denen Sie nicht gehen können, weil Sie sonst Crocs bevorzugen.

Und das Kleid. Das Kleid! Ein Traum aus Tüll und Taft und Spitze, dazu eine Schleppe und weisse Handschuhe und ein Diadem – oder doch ein Schleier? Jedenfalls werden Sie darin aussehen wie eine Frau, die als Braut verkleidet an die Fasnacht geht, aber auch das wird Ihnen niemand sagen, weil Sie überzeugt sind, Sie sähen aus wie Kate Middleton. Die ist Ihr grosses Vorbild, bloss eine heisse Brautjungfer wie Pippa wollen Sie nicht.

Die Hochzeit

Ist in der Regel so, wie Hochzeiten eben sind. Ein bisschen langweilig und vor allem: teuer. Die Band hatte ein viel beschränkteres Repertoire auf Lager als versprochen – es muss knallhart als unter allem Hund bezeichnet werden –, die künstlerisch zweifelhaften Darbietungen der Kollegen liefen aus dem Ruder, und die Tischreden der beiden Brautpaar-Väter waren ein Graus, wobei es der eine alkoholbedingt fertigbrachte, das Thema zu verfehlen. Das Neonlicht im Sääli war zudem so unfestlich und hatte fatale Auswirkungen auf den Teint. Insgesamt hatten Sie sich das beide deutlich, nun ja, rauschender vorgestellt.

(Männer: Verdammt, die Brautjungfer war heiss. Frauen: Verdammt, die Brautjungfer war dünner als ich.)

Nach der Hochzeit

Männer: Die Idee, dass Sie nach Hause kommen und dort alles tipptopp aufgeräumt ist und der Kühlschrank voll und die Wäsche gewaschen und zusammengefaltet und die Kinder artig am Tisch sitzen, auf dem ein dampfendes Essen steht, gefällt Ihnen ausserordentlich. Es gefällt Ihnen auch, dass Sie das Geld nach Hause bringen, also der Versorger sind, weil irgendwie, trotz aller Aufgeschlossenheit, die Sie gerne an den Tag legen, finden Sie, dass das Ihre genuine Aufgabe als Mann ist. Zudem haben Sie keine Lust auf ­diese zermürbenden Streitigkeiten über die Aufgabenteilung, daher favorisieren Sie eine einfache Lösung: Sie verdienen das Geld, Ihre Frau bleibt daheim. Das ist Ihr zweiter fataler Fehler.

Denn das ist bis zu dem Moment in Ihrem Sinn, in dem Sie sich scheiden lassen wollen. Ab dann profitieren Sie so gar nicht mehr von diesem erstklassigen Service, da das Gericht argumentieren wird, dass zum Schutz der Kinder die Situation möglichst beibehalten werden soll, was wiederum heisst, dass Sie tun, was Sie bisher taten: zahlen. Für alle, inklusive Ihrer Frau, und zwar so lange, bis das jüngste Kind 16 ist – vorher ist ihr ein Vollzeit­erwerb nicht zuzumuten. Rechnen Sie mal.

Es ist vorbei: Gwen Stefani und Gavin Rossdale.

Frauen: Sie leben in einem Staat, der davon ausgeht, dass Sie, sobald verheiratet und Mutter, schwach und bedürftig und recht eigentlich lebensunfähig sind. Also nicht in der Lage, für Ihren Lebensunterhalt aufzukommen, auch dann nicht, wenn Ihnen der Staat eine teure Ausbildung finanziert hat.

Das heisst: Nach dem Ehe-Aus werden Sie von Ihrem Mann durchgefüttert. Sie finden das keineswegs beleidigend, sondern sehr in Ordnung; mit stolzgeschwellter Brust nennen Sie sich Familien­mana­ge­rin, Sie haben schliesslich studiert. Deshalb begrüssen Sie es, dass der Dreckskerl für Sie zahlen muss, erst recht, seit er dauernd auf Facebook Ferienfotos von sich und seiner blutjungen Freundin auf dem Jetski postet. Mit Ihnen reiste er ja nirgends hin, da wollte er höchstens ins Haslital. Dafür soll er bluten. Das können Sie natürlich so sehen. Es wäre Ihr zweiter fataler Fehler.

Denn irgendwann muss er nicht mehr zahlen. Dann sind Sie Mitte 40, und zu Ihrem grossen Erstaunen wartet in der Arbeitswelt niemand auf Sie. Sie mögen eine tadellose Ausbildung haben – aber jetzt ist da eine neue Generation am Drücker. Konkret werden Ihnen schnippische junge Frauen und schneidige junge Männer vor die Nase gesetzt, und das wird Ihnen nicht gefallen.

Auch weil Sie merken, dass Sie weniger verdienen als die – und als Ihre gleichaltrigen Kollegen. Dann wird so etwas wie emanzipatorische Empörung in Ihnen wach, Sie werden bei der Personalabteilung vorstellig und schreien Diskriminierung, verkennend, dass Sie ganz einfach 15 Jahre im Berufsleben verpasst haben und damit selber schuld sind.

Nach der Scheidung

Männer: Jedes zweite Wochen­ende haben Sie die Kinder. Und ein schlechtes Gewissen. Sie möchten Wiedergutmachung leisten, weshalb Sie ihnen alles durchgehen lassen. Das ist Ihr dritter fataler Fehler, denn dadurch entwickelt der Nachwuchs Wesenszüge, die man gemeinhin als unsympathisch und im Fachjargon als therapie­bedürftig bezeichnet. Abgesehen davon führt es zu Friktionen mit Ihrer sehr jugendlichen Freundin, die keine Lust auf Kinderanima­tion hat. Zudem meinen immer alle, sie sei Ihre Tochter, was sich irgendwie ungut anfühlt.

Nicht einmal sie sind noch zusammen: Kermit und Piggy.

Frauen: Sie haben ja zuerst gedacht, Sie würden nie wieder heiraten, es war einfach alles zu schmerzhaft. Aber ach, Sie gucken weiterhin jede royale Hochzeit am Fernsehen und weinen dann ein bisschen, denn geschieden ist einfach kein würdiger Zivilstand. Und Sie haben ja ein Kleid entdeckt. Wenn Sie doch Ihr neuer Partner endlich fragen würde! Dann muss zwar der Ex nicht länger zahlen, aber Sie wären dieses Mal wirklich Kate Middleton. Sie werden es allen zeigen! In!diesem!Kleid! Dieses Mal wird es ­per-fekt! Ihr dritter fataler Fehler – siehe Kapitel «Vor der Hochzeit».

Nennen Sie uns jetzt nicht unromantisch. Wir halten fest: Es soll auch Fälle geben, in denen es gut geht. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 10.08.2015, 11:32 Uhr

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