Was wir über das Attentat wissen - und was nicht

Sieben Tote, Dutzende Verletzte. Die Täter wurden erschossen, aber noch nicht identifiziert. Die Hintergründe des Attentats sind noch unklar.

Krankenwagen bringen Verletzte von der London Bridge in die umliegenden Krankenhäuser.

Krankenwagen bringen Verletzte von der London Bridge in die umliegenden Krankenhäuser. Bild: AFP / Daniel Sorabji

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Was wir wissen:

Die Tat: Mehrere Männer sind in einem weissen Transporter am Samstagabend kurz nach 22 Uhr Ortszeit (23 Uhr MEZ) über den Fussweg der London Bridge gerast. Sie fuhren dabei gemäss Augenzeugen mit knapp 80 km/h. Dabei haben sie mit dem gemieteten Van mehrere Menschen erfasst. Der erste Notruf ging um 22.08 Uhr Ortszeit bei der Polizei ein.

Die Männer sollen nach der Tat das Fahrzeug verlassen haben und mit Messern bewaffnet auf Verletzte eingeschlagen und auch eingestochen haben, berichteten Augenzeugen der BBC. Sie sind danach offenbar ungehindert zum nahegelegenen Borough Market gefahren, wo sie in einem Restaurant erneut auf Menschen eingestochen haben, teilt die Polizei mit. Eine ausführliche Rekonstruktion der Tat gibt es hier nachzulesen.

Bei einem dritten Vorfall im Londoner Bahnhof Vauxhall, bei dem die Polizei zu einer Messerstecherei gerufen wurde, stellt sich später heraus, dass er nicht mit der Tat auf der London Bridge in Zusammenhang steht.

Die Opfer: Nach Angaben von Rettungsdiensten werden 48 Verletzte in fünf Krankenhäusern der Stadt behandelt, einige von ihnen schweben in Lebensgefahr. Der nationale Gesundheitsdienst teilte mit, dass einige Krankenhäuser zum Schutz der Patienten abgeriegelt worden seien. Sieben Menschen kamen noch am Tatort ums Leben. Einige Menschen mit leichteren Verletzungen wurden vor Ort versorgt.

Unter den Verletzten sind mehrere Polizisten. Ein Polizist der Verkehrsbetriebe soll auf der London Bridge mit einem Messer im Gesicht verletzt worden sein. Er soll nach Angaben des Nachrichtensenders Sky News am Samstagabend als Erster zum Tatort geeilt sein. Er habe sich dann den drei Attentätern in den Weg gestellt.

Offenbar sind auch Touristen verletzt worden, neben Franzosen und Neuseeländern auch Deutsche. Wie aus dem Auswärtigen Amt Deutschlands verlautete, befindet sich darunter eine schwer verletzte Person.

Die Auswirkungen auf den Wahlkampf: Der Anschlag auf der London Bridge fand nur wenige Tage vor den britischen Parlamentswahlen statt. Die Partei der Konservativen hat mitgeteilt, dass sie ihren Wahlkampf auf nationaler Ebene bis Montag unterbrechen will. Die Labour-Partei will aus Respekt vor den Opfern ebenfalls bis am Abend keinen Wahlkampf führen, sagte deren Vorsitzender Jeremy Corbyn.

Premierministerin Theresa May sagte, dass die britischen Unterhauswahlen wie geplant am kommenden Donnerstag stattfinden werden. Man dürfe nicht zulassen, dass Gewalt den demokratischen Prozess aufhalte. May rief die Briten dazu auf, als Gesellschaft geschlossen dem Extremismus den Kampf anzusagen.

Was wir nicht wissen:

Die Täter: Über die drei Männer ist kaum etwas bekannt. Augenzeugen berichteten, die Männer hätten «Dies ist für Allah!» gerufen, nachdem sie das Fahrzeug verlassen hatten. Die Täter wurden nach Angaben der Polizei am Borough Market gestellt und erschossen. Sie trugen Westen, die aussahen, als enthielten sie Sprengstoff. Später stellt sich heraus, dass es sich um Attrappen handelt. Innenministerin Amber Rudd sagte, es handle sich «wahrscheinlich um radikale islamische Terroristen».

Die Chefin der Londoner Polizei, Cressida Dick, sagte, sie gehe davon aus, dass kein Verdächtiger mehr auf der Flucht sei. Allerdings müsse dies noch ganz sichergestellt werden. Die Gegend rund um die Tatorte werde genau untersucht. Auch Innenministerin Rudd sagte, dass die Einsätze fortgesetzt würden. Nach Polizeiangaben wurden im Vorort Barking im Osten von London zwölf Personen im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen.

Die Hintergründe: Premierministerin Theresa May sprach von einem «brutalen Terroranschlag». Dennoch ist unklar, aus welchen Motiven die Attentäter gehandelt haben. Sie sind tot, aber noch nicht identifiziert. Bislang hat sich keine Organisation zu den Anschlägen bekannt.

May sagte, die drei jüngsten Anschläge in Grossbritannien seien nicht direkt miteinander verknüpft. Es gebe aber einen neuen Trend, bei dem Terror noch mehr Terror hervorrufe. Man dürfe deshalb nicht länger so tun, als könne alles so weitergehen wie bisher.

Im März war ein Mann auf der Westminster Bridge mit hohem Tempo in Fussgänger gefahren und tötete sechs Menschen. Ende Mai hat ein Terroranschlag auf ein Popkonzert in Manchester das Land erschüttert. Nach Angaben der Premierministerin hätten Sicherheitskräfte und Geheimdienste seit Ende März fünf Terroranschläge in Grossbritannien vereitelt. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 04.06.2017, 10:50 Uhr

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