Zum Hauptinhalt springen

Kulturgeschichte einer KultfigurFrüher war der Schneemann böse

Wintergeist, Kinderfreund, Motiv in einem Shakespeare-Drama: Er hat ein langes Leben hinter sich, obwohl er nur wenige Tage existiert. Und in Zürich ist der Schneemann sogar die Hauptfigur des Frühlingsfests.

Erstmals nachgewiesen ist er 1511: Der Schneemann.
Erstmals nachgewiesen ist er 1511: Der Schneemann.
Foto: Marc Dahinden 

Sobald der Schnee reichlich fällt, tauchen sie auf: Schneemänner. Dass es selten Schneefrauen sind, hat nicht nur damit zu tun, dass diese komplizierter zu formen sind, sondern auch mit der Geschichte dieser Figur: Sie gilt als personifizierter Winter, der früher streng und bedrohlich war, was gemeinhin als männliche Eigenschaften gelten.

Kaum zu glauben, dass Menschen jeweils keine Schneefiguren gebaut haben. Doch bildlich nachgewiesen ist der Schneemann erstmals in einem Holzstich aus dem Jahr 1511. Der Künstler ist unbekannt.

Holzschnitt eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr 1511.
Holzschnitt eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr 1511.
Foto: PD

Literarisch ein erstes Mal erscheint er in William Shakespeares auf 1597 datiertem Drama «Richard II.», wo sich der Titelheld wünscht: «O!, dass ich ein zum Scherz aus Schnee zusammengeballter König wäre, und hier, vor Bolingbrokes Sonne stehend, in Wassertropfen wegschmelzen möge.» Der Hintergrund dieses suizidalen Wunsches: Sein Rivale Henry IV. Bolingbroke hatte ihn in den Tower geworfen, wo er später ermordet wurde oder verhungerte.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.