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Gastkommentar zur AbstimmungFür unsere Sicherheit brauchen wir Kampfflugzeuge

Ohne Luftwaffe gibt es keinen ganzheitlichen Schutz der Bevölkerung. An dieser Tatsache ändert auch Corona nichts.

Der Luftraum muss so gut verteidigt werden wie der Cyberraum. F/A-18 der Schweizer Luftwaffe.
Der Luftraum muss so gut verteidigt werden wie der Cyberraum. F/A-18 der Schweizer Luftwaffe.
Foto: PD

Rudolf Strahm hat in seiner Tagi-Kolumne die üblichen Argumente der Gegner der Erneuerung unserer Luftwaffe aufgezählt: Kampfjets würden weder vor Viren noch vor Cybergefahren schützen. Das alles wie gewohnt gut gewürzt mit polemischen Seitenhieben.

Die Argumentation ist undifferenziert und kurzsichtig: Unterschiedliche Bedrohungen und Risiken können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Um einen umfassenden Schutz der Bevölkerung sicherzustellen, braucht es ein funktionierendes Gesamtsystem und langfristige Massnahmen. Die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge ist ausgelegt auf die Nutzung ab 2030 für drei bis vier Jahrzehnte.

Ohne funktionierende Luftverteidigung würde die Schweiz riskieren, dass sie die Bevölkerung vor Angriffen aus der Luft nicht schützen kann.

Dass Kampfflugzeuge weder in der Schweiz noch in anderen Ländern gegen das Coronavirus zum Einsatz kommen, ist eine banale Erkenntnis. SP-Mitglied Strahm blendet aus, dass die Luftwaffe auch während des Lockdown den Luftpolizeidienst sicherstellen musste. Sie erfüllt ihre Aufgabe zumeist in Kooperation mit unseren Nachbarländern. Kooperation bedingt aber, dass die Schweiz ihren Teil beiträgt und mithilft, den europäischen Luftraum zu schützen.

Ohne funktionierende Luftverteidigung würde die Schweiz aber auch riskieren, dass sie in einer heute noch undenkbaren Krise oder bei Bedrohungen die Bevölkerung vor Angriffen aus der Luft nicht schützen kann. Die Planungen zur Zukunft der Luftverteidigung und der Bodentruppen sind Grundlagen für heute zu treffende, aber erst in ein paar Jahren aktuelle Beschaffungsentscheide. An diesen Grundlagen und an den daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen ändert das Coronavirus nichts.

Strahm argumentiert weiter, statt Kampfflugzeuge zu beschaffen, würde die Schweiz besser in die Cyberabwehr investieren. Klar ist: Dass wir eine wirksame Cyberabwehr gegen Hackerangriffe auf unsere Netzwerke benötigen, ist unbestritten. Die Fähigkeiten für die Cyberabwehr werden in der Schweiz denn auch massiv ausgebaut.

Ein Cyberkommando wird voraussichtlich 2024 einsatzbereit sein. Seit 2018 führt die Armee Cyberlehrgänge durch. Die Milizanteil der Cyberabwehr wird auf bis zu 600 Angehörige ausgebaut. Das Schweizer System erlaubt dank der Wehrpflicht auch in diesem Bereich die ideale Bündelung von Wissen aus Privatwirtschaft, Wissenschaft und Militär.

Die Armee ist ein Gesamtsystem. Dessen Teilsysteme von der Luftverteidigung über die Cyberabwehr bis zur Infanterie müssen aufeinander abgestimmt sein. Es gibt nicht ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Wie der Cyberraum ist auch der Luftraum von strategischer Bedeutung und muss jederzeit geschützt werden können. Kein Land schafft seine Luftwaffe ab und konzentriert sich nur noch auf Cyberabwehr.

Wir müssen in allen Dimensionen unserer Sicherheit stark sein.

Ein Blick in die Welt zeigt: Konflikte finden parallel und gleichzeitig mit Cyberangriffen, als Propagandakrieg, am Boden, zu Wasser und in der Luft statt. Der koordinierte Einsatz ist gerade die Kernfähigkeit der von der Schweiz evaluierten Kampfflugzeuge. Sie sind als Multifunktionsplattformen hochgradig vernetzt. Sie sind gegen elektronische Angriffe geschützt, stören den Gegner in der Luft und am Boden, liefern mit leistungsfähigen Sensoren Informationen für andere Flugzeuge und die Bodentruppen und können deren Waffenwirkung verbessern.

Im Verbund mit Systemen der bodengestützten Luftverteidigung können die neuen Jets rasch grössere Räume aufklären, überwachen und ihre Waffen präzise und auf grosse Distanzen gegen Luft- und Bodenziele einsetzen. Wir brauchen sie, um eigene kritische Infrastrukturen zu schützen – und ohne diese funktioniert auch keine Cyberabwehr.

Wir müssen in allen Dimensionen unserer Sicherheit stark sein. Aber gegenwärtig zeichnet sich im Luftraum eine klaffende Sicherheitslücke ab. Es wäre nicht zu verantworten, wenn unser Land unsere Bevölkerung vor Angriffen aus der Luft nicht mehr schützen könnte.

65 Kommentare
    Corina Dettwiler

    Beim genauen Lesen der Mehrheit der Kommentare fällt auf, dass es hier nur so von selbsternannten Experten mit Halbwissen wimmelt. Mich würde interessieren, wie viele dieser Kritiker des Schutzes des Luftraumes und somit auch des Schutzes unserer Bevölkerung überhaupt Militärdienst geleistet haben und wie viele Tage. Um den Kritikern noch etwas vorweg zu nehmen, bei mir sind es über 1300 Tage. Ich ahne schon was jetzt kommt....diese Tage hätte man doch auch für Selbstverwirklichung und Egotrips einsetzen können...hätte man können JA...aber hat nicht schon John F. Kennedy gesagt: Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage, was DU für dein Land tun kannst. In dem Sinne wünsche ich mir von den Kritikern mehr Fachkenntnisse, mehr Weitsicht und weniger Egoismus. Es ist nie zu spät an seiner Persönlichkeit zu arbeiten.