Das Schlechteste, was Spaniens Nationalteam passieren konnte

Nationaltrainer Julen Lopetegui wird nach der WM Coach von Real Madrid. Kann das wirklich gut gehen?

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Die Nachricht kommt derart überraschend, dass man auch mit etwas Abstand noch nicht hundertprozentig sicher sein kann, dass sich da nicht einer einen schlechten Scherz erlaubt hat: Julen Lopetegui verlässt nach der Weltmeisterschaft die spanische Nationalmannschaft und übernimmt Real Madrid. Kommuniziert wird das ziemlich genau 48 Stunden vor dem Eröffnungsspiel – drei Tage vor dem wichtigen Startspiel Spaniens gegen Portugal, den nominell härtesten Gegner in der Gruppe B. Das tönt reichlich abenteuerlich.

Nur: Real hat das am Dienstagabend kurz nach 17 Uhr auf seiner Website und via soziale Medien öffentlich gemacht. Sofern die Königlichen nicht Opfer eines besonders dreisten Hackers wurden, stimmt es also. Zidanes Nachfolger ist demnach weder Guti, Mauricio Pochettino, Jürgen Klopp noch Fernando Hierro oder Antonio Conte. Es ist Spaniens aktueller Nationaltrainer. Einer, der vor drei Wochen seinen Vertrag bis nach der EM 2020 verlängert hat. So überraschend die Nachricht kommt, so ärgerlich ist sie für La Roja. Aus diversen Gründen.

Man stelle sich vor, ...

... Barça-Innenverteidiger Gerard Piqué wird gefragt, wie gerne er mit dem künftigen Real-Trainer zusammenarbeitet.
... ein Real-Spieler wird auf die Bank gesetzt – und ein Barça-Spieler vorgezogen.
... ein Real-Spieler wird nicht auf die Bank gesetzt – und einem Barça-Spieler vorgezogen.
... wie viele Fragen bei Medienkonferenzen vom spanischen Nationalteam sich jetzt wohl noch um das Turnier drehen.
... es geht im wilden spanischen Blätterwald das Gerücht um, Real sei an einem spanischen Nationalspieler (Thiago, Odriozola) interessiert.
... das Startspiel gegen Portugal geht verloren.

Mit dem Vertrauensbeweis, noch vor Lopeteguis erstem Turnier als A-Nationaltrainer zu verlängern, wollte der spanische Fussballverband vor allem Ruhe säen. Geerntet hat er einen Sturm mit hohem Zerstörungspotenzial.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2018, 18:04 Uhr

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