Alles Müller oder Milinkovic-Savic?

Südkorea hat noch Chancen auf den Achtelfinal. Oder legen die Deutschen nun richtig los? Die wichtigsten Zahlen und Fakten zum 14. WM-Tag.

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Am Mittwoch wird sich weisen, ob die Schweizer Nationalmannschaft nicht nur den Achtelfinal-Einzug schafft, sondern sogar als Gruppenerster in die K.-o.-Runde einzieht. Zudem besteht die Möglichkeit, dass Deutschland, der Titelverteidiger, erstmals in der WM-Geschichte bereits in der Gruppenphase scheitert.

Wer spielt heute?

In der Gruppe F kommt es ab 16 Uhr zu den Duellen Südkorea - Deutschland und Mexiko - Schweden. Ab 20 Uhr fällt die Entscheidung in der Gruppe E mit Schweiz - Costa Rica und Serbien - Brasilien.

Sogar Südkorea könnte noch weiterkommen

Zwei Spiele, zwei Niederlagen, letzter Platz in der Gruppe F. Es spricht nicht viel dafür, dass die Südkoreaner noch weiterkommen. Zumal der amtierende Weltmeister wartet. Dreimal durften sich die Asiaten bereits mit dem vierfachen Titelträger messen – es schaute sogar ein Sieg heraus, 2004 in einem Testspiel (3:1). Wenn es aber hart auf hart kommt, siegen die Deutschen. So geschehen an der WM 1994 in den USA in der Gruppenphase (3:2) und acht Jahre später im Halbfinal (1:0).

Erstmaliges Scheitern in der Gruppenphase droht

Apropos amtierender Weltmeister: Dieser hatte in den vergangenen Jahren immer hartes Brot zu beissen. 1998 holte sich Frankreich an der Heim-WM den Titel, vier Jahre später schieden Les Bleus sang- und klanglos in der Gruppenphase aus. Dasselbe Schicksal teilten Italien und Spanien (siehe Tweet unten).

Nun droht den Deutschen dasselbe Horrorszenario. Aber: Das DFB-Team hat ausser 1930 (die Reise nach Südamerika war zu weit) und 1950 (nach kriegsbedingtem Ausschluss war die Mannschaft nicht wieder zugelassen) keine Fussball-Weltmeisterschaft verpasst und ist zudem noch nie in der Gruppenphase gescheitert. Einzig 1938 schied Deutschland frühzeitig aus, damals begann die WM in Frankreich aber gleich mit den Achtelfinals. Und das Deutsche Reich scheiterte ... an der Schweiz. Nachdem die erste Partie 1:1 geendet hatte und auch aus der Verlängerung kein Sieger hervorgegangen war – das Penaltyschiessen wird erst seit 1970 durchgeführt –, gewann die Schweiz das Wiederholungsspiel fünf Tage später 4:2.

Kroos liefert, Müller enttäuscht

Dass Deutschland noch nicht gescheitert ist, hat es Toni Kroos zu verdanken, der Schweden mit seinem herrlichen Freistosstreffer in der Nachspielzeit besiegt hatte (siehe Video unten). Da jubelten die Medien: «Deutschland stirbt nie!»

(Video: SRF)

Dieses Tor und der späte Sieg können aber nicht davon ablenken, dass es der DFB-Equipe in der Offensive überhaupt nicht läuft. Stürmer Thomas Müller, der bereits zehn WM-Tore (je fünf 2010 und 2014) erzielt hat, steht komplett neben sich. Der 28-Jährige war gegen Mexiko und Schweden ein Totalausfall. Deswegen lässt Müller den Kopf nicht hängen. Der Sieg gegen Schweden könne ein entscheidender Wendepunkt sein, so der stets gut gelaunte Müller. Ob ihn Bundestrainer Jogi Löw, der ihm bisher immer das Vertrauen ausgesprochen hat, auch gegen Südkorea wieder in die Startelf nimmt, steht noch nicht fest.

Das Spiel ihres Lebens

Der Schweizer Nationalmannschaft reicht gegen Costa Rica ein Remis, um weiterzukommen. Serbien hat sein Schicksal ebenfalls selbst in der Hand. Die Aufgabe der Serben ist jedoch um einiges diffiziler: Wollen sie ihren Ausgang nicht von der Partie Schweiz - Costa Rica abhängig machen, müssen sie den fünffachen Weltmeister Brasilien besiegen.

Gegen die Seleção trat Serbien bisher erst einmal an, 2014 in einem Testspiel vor der WM in Brasilien. Der Gastgeber siegte knapp 1:0, dank eines Tores von Fred. Am Mittwoch ist es kein Test, dann geht es ans Eingemachte. «Wir müssen einfach alles um uns herum vergessen und das Spiel unseres Lebens abliefern», sagt Sergej Milinkovic-Savic, der nächste mögliche Superstar der Serben. Der 23-Jährige, dessen Marktwert aktuell bei 90 Millionen Euro liegt, gehört mittlerweile zu den begehrtesten Mittelfeldspielern der Welt.

Weniger Fokus auf die Abwehr

Milinkovic-Savic gewann 2015 mit der U-20 Serbiens sensationell den WM-Final gegen Brasilien. Nun ist er heiss auf ein Highlight auf höchster Stufe. «Man bekommt nicht so oft die Gelegenheit, gegen Brasilien zu spielen. Ich habe in Neuseeland gegen die Brasilianer gespielt. Aber das hier ist etwas anderes, ein anderes Niveau.»

Der Serbe weiss, dass auch die Seleção um Superstar Neymar ihre Schwachpunkte hat. «Wenn es uns gelingt, zu einem Konter anzusetzen, stehen viele ihrer Spieler noch sehr hoch, denn das ist die Spielweise der Brasilianer.» Milinkovic-Savic kennt sich aus, er spielt bei Lazio Rom mit den Brasilianern Luiz Felipe, Wallace, Lucas Leiva und Felipe Anderson zusammen. «Jeder will mit nach vorn gehen und ein Tor machen. Auf die Abwehr achten sie dabei weniger. Das könnte unsere Chance sein.»

Die Serben werden gegen Brasilien viel laufen müssen. Das sind sie sich gewohnt, haben sie nach zwei Spieltagen doch im Schnitt die zweitgrösste Distanz pro Spieler zurückgelegt mit 8,327 Kilometern. Mehr gelaufen sind nur die Russen mit 8,328 km pro Spieler. Milinkovic-Savic ist mit 12,027 km pro Spiel der viertbeste Läufer der gesamten WM. Die Liste führt der Russe Golovin mit 12,580 km an. (hua)

Erstellt: 27.06.2018, 07:13 Uhr

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