Deutschland siegt dezimiert und in extremis

Boateng fliegt vom Platz und Kroos trifft in der 95. Minute zum 2:1. Der Titelverteidiger bleibt somit im Turnier.

Toni Kroos trifft in der 95. Minute zum 2:1-Endstand. (Video: SRF)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Deutschlands Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung drohten sich am Schwarzen Meer endgültig zu zerschlagen. Doch in der 95. Minute brachte Toni Kroos den Weltmeister mit dem 2:1-Siegtreffer gegen Schweden wieder auf Kurs.

Eine Steigerung in der zweiten Halbzeit und der erste Treffer im 34. Abschluss an dieser WM verhinderten Deutschlands kolossales und erstmaliges Scheitern in der Gruppenphase vorerst. Hätte die DFB-Elf gegen Schweden nicht gewonnen, wäre sie am nächsten Mittwoch auf Schützenhilfe von Mexiko angewiesen gewesen. Nun sollte ein Sieg gegen Südkorea reichen.

Reus wendet Debakel ab

Marco Reus, der auf Kosten von Mesut Özil in die Startelf rutschte, wendete das Worst-Case-Szenario mit seinem Ausgleichstreffer zu Beginn der zweiten Halbzeit ab. Der Dortmunder, im Mexiko-Match als Joker einer der Lichtblicke, bugsierte eine Hereingabe von Timo Werner mit dem Knie ins Tor. Als der eingewechselte Julian Brandt in den Schlussminuten wie schon gegen Mexiko nur den Pfosten traf, schien der nächste Dämpfer gleichwohl Tatsache. Es ergab sich aber noch einmal eine Standardsituation, mit der Kroos seinen grössten Fehler in diesem Spiel maximal ausbügelte.

Reus' Ausgleich kurz nach Wiederanpfiff. (Video: SRF)

Kroos war nach einer halben Stunde am Ursprung des Gegentreffers gestanden. Der Champions-League-Sieger mit Real Madrid verlor im Spielaufbau den Ball, der das 0:1 einleitete. Viktor Claesson lancierte Ola Toivonen - jenen Toivonen, der aus einer torlosen Ligue-1-Saison beim FC Toulouse zur WM kam -, und der tat, was ihm nicht mehr viele zutrauten: Er überwand Manuel Neuer während seines Laufduells mit Hummels-Stellvertreter Antonio Rüdiger mit einem gefühlvollen Lob. Der Treffer kam mitten in einer fast noch folgenschwereren Schockstarre der zunächst gut gestarteten Deutschen.

Toivonen schockt die Deutschen in der 32. Minute mit dem 1:0. (Video: SRF)

Deutsche Abwehr nach wie vor nicht souverän

In der Folge fehlte nicht viel, und Deutschlands Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung hätten sich in Joachim Löws 100. Spiel als Trainer der DFB-Elf komplett zerschlagen. Nichts, aber auch gar nichts lief zunächst für den Weltmeister. Obwohl die teils haarsträubenden Fehler aus dem Mexiko-Match in den letzten fünf Tagen intensiv aufgearbeitet und ausdiskutiert wurden und Löw mit zwei Personalrochaden korrigierend Eingriff, schien die Mannschaft nicht allzu viel gelernt zu haben. Erneut lief man mehrmals ins offene Messer, wurden die beiden Innenverteidiger sträflich alleingelassen.

Schweden fordert in der 13. Minute einen Penalty. (Video: SRF)

Über einen Penaltypfiff hätten sich die Deutschen in der 13. Minute nicht beschweren dürfen. Boateng, der seiner Form von 2014 seit geraumer Zeit hinterher hinkt, stiess den alleine auf Manuel Neuer zulaufenden Marcus Berg im Moment des Abschlusses leicht, aber entscheidend in den Rücken und berührte ihn zudem am Fuss. Zwei weitere Male tauchten die Schweden gefährlich vor Neuer auf. Nach einer halben Stunde musste sich zudem Sebastian Rudy, der anstelle von Sami Khedira spielte, mit einer blutenden Nase auswechseln lassen.

Jérôme Boateng sieht in der 82. Minute Gelb-Rot. (Video: SRF)

«Gute Moral bewiesen»

Besserung stellte sich erst ein, als sich die Mannschaft in der Pause sammeln konnte und Löw erneut Massnahmen ergriff (mit der Einwechslung von Mario Gomez für Julian Draxler). Nun blieben gefährliche schwedische Konter aus, doch gänzlich konnte der taumelnde Weltmeister die Verunsicherung nicht abstreifen. «Wir taten uns etwas schwer im Abschluss, bewiesen aber eine gute Moral, verloren nie den Glauben und die Ruhe», befand Löw erleichtert.

Deutschland - Schweden 2:1 (0:1)
Sotschi. 44'287 Zuschauer. SR Marciniak (POL).

Tore: 32. Toivonen 0:1. 48. Reus 1:1. 95. Kroos (Freistoss) 2:1.
Deutschland: Neuer; Kimmich, Rüdiger, Boateng, Hector (87. Brandt); Rudy (31. Gündogan), Kroos; Müller, Draxler (46. Gomez), Reus; Werner.
Schweden: Olsen; Lustig, Lindelöf, Granqvist, Augustinsson; Claesson (74. Durmaz), Larsson, Ekdal, Forsberg; Berg (90. Thelin), Toivonen (78. Guidetti).
Bemerkungen: Deutschland ohne Hummels (angeschlagen). 82. Gelb-Rote Karte gegen Boateng (Foul). 92. Pfostenschuss Brandt.
Verwarnungen: 8. Ekdal (Foul). 71. Boateng (Foul). 97. Larsson (Foul).
Resultate: Deutschland - Mexiko 0:1 (0:1). Schweden - Südkorea 1:0 (0:0). Südkorea - Mexiko 1:2 (0:1). Deutschland - Schweden 2:1 (0:1).

Rangliste: 1. Mexiko 6. 2. Deutschland 3. 3. Schweden 3. 4. Südkorea 0. (var/sda)

Erstellt: 23.06.2018, 19:37 Uhr

Artikel zum Thema

Fifa leitet Verfahren gegen Shaqiri und Xhaka ein

Nach dem Doppeladler-Jubel drohen Folgen: Die Fifa prüft eine Sanktion gegen die Schweizer Nationalspieler. Mehr...

Deutschlands Wirtschaft leidet mit

+++ Kolumbianer sind um Schlüsselspieler besorgt +++ Lag Marcelo auf einer zu weichen Matratze? +++ Trump ist grosser Fan von «Christian» +++ Nigerias Coach erhält Geschenke +++ Mehr...

Gelassen wie ein Yogi

Vor dem wichtigen Spiel gegen Schweden stärkt Bundestrainer Joachim Löw die deutschen Führungsspieler. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Nichts wie weg: Ein Känguru flieht vor den Flammen in Colo Heights, Australien, die bereits 80'000 Hektaren Wald zerstört haben (15. November 2019).
(Bild: Hemmings/Getty Images) Mehr...