Zum Hauptinhalt springen

Deutschland siegt dezimiert und in extremis

Boateng fliegt vom Platz und Kroos trifft in der 95. Minute zum 2:1. Der Titelverteidiger bleibt somit im Turnier.

Toni Kroos trifft in der 95. Minute zum 2:1-Endstand. (Video: SRF)

Deutschlands Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung drohten sich am Schwarzen Meer endgültig zu zerschlagen. Doch in der 95. Minute brachte Toni Kroos den Weltmeister mit dem 2:1-Siegtreffer gegen Schweden wieder auf Kurs.

Toni Kroos (r.) feiert seinen Siegtreffer gegen Schweden in der 95. Minute. Der Sieg verhindert ein frühzeitiges Ausscheiden der Deutschen an dieser WM. (Samstag, 23. Juni)
Toni Kroos (r.) feiert seinen Siegtreffer gegen Schweden in der 95. Minute. Der Sieg verhindert ein frühzeitiges Ausscheiden der Deutschen an dieser WM. (Samstag, 23. Juni)
Odd Andersen, AFP
Dabei tuen  sich die Deutschen lange schwer. Grösster Leidtragender einer verknorzten ersten Halbzeit ist Sebastian Rudy, der in der 31. Minute blutend ausgewechselt wird. Dem vorangegangen ist ein unglücklicher Zusammenprall mit Taivonen.
Dabei tuen sich die Deutschen lange schwer. Grösster Leidtragender einer verknorzten ersten Halbzeit ist Sebastian Rudy, der in der 31. Minute blutend ausgewechselt wird. Dem vorangegangen ist ein unglücklicher Zusammenprall mit Taivonen.
Michael Probst, Keystone
Die Freude nach dem Siegtreffer in der Schlussminute ist dann aber grenzenlos. Der Titelverteidiger kann sich so weiter Hoffnungen auf den Achtelfinal machen.
Die Freude nach dem Siegtreffer in der Schlussminute ist dann aber grenzenlos. Der Titelverteidiger kann sich so weiter Hoffnungen auf den Achtelfinal machen.
Michael Steele, Keystone
1 / 9

Eine Steigerung in der zweiten Halbzeit und der erste Treffer im 34. Abschluss an dieser WM verhinderten Deutschlands kolossales und erstmaliges Scheitern in der Gruppenphase vorerst. Hätte die DFB-Elf gegen Schweden nicht gewonnen, wäre sie am nächsten Mittwoch auf Schützenhilfe von Mexiko angewiesen gewesen. Nun sollte ein Sieg gegen Südkorea reichen.

Reus wendet Debakel ab

Marco Reus, der auf Kosten von Mesut Özil in die Startelf rutschte, wendete das Worst-Case-Szenario mit seinem Ausgleichstreffer zu Beginn der zweiten Halbzeit ab. Der Dortmunder, im Mexiko-Match als Joker einer der Lichtblicke, bugsierte eine Hereingabe von Timo Werner mit dem Knie ins Tor. Als der eingewechselte Julian Brandt in den Schlussminuten wie schon gegen Mexiko nur den Pfosten traf, schien der nächste Dämpfer gleichwohl Tatsache. Es ergab sich aber noch einmal eine Standardsituation, mit der Kroos seinen grössten Fehler in diesem Spiel maximal ausbügelte.

Reus' Ausgleich kurz nach Wiederanpfiff. (Video: SRF)

Kroos war nach einer halben Stunde am Ursprung des Gegentreffers gestanden. Der Champions-League-Sieger mit Real Madrid verlor im Spielaufbau den Ball, der das 0:1 einleitete. Viktor Claesson lancierte Ola Toivonen - jenen Toivonen, der aus einer torlosen Ligue-1-Saison beim FC Toulouse zur WM kam -, und der tat, was ihm nicht mehr viele zutrauten: Er überwand Manuel Neuer während seines Laufduells mit Hummels-Stellvertreter Antonio Rüdiger mit einem gefühlvollen Lob. Der Treffer kam mitten in einer fast noch folgenschwereren Schockstarre der zunächst gut gestarteten Deutschen.

Toivonen schockt die Deutschen in der 32. Minute mit dem 1:0. (Video: SRF)

Deutsche Abwehr nach wie vor nicht souverän

In der Folge fehlte nicht viel, und Deutschlands Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung hätten sich in Joachim Löws 100. Spiel als Trainer der DFB-Elf komplett zerschlagen. Nichts, aber auch gar nichts lief zunächst für den Weltmeister. Obwohl die teils haarsträubenden Fehler aus dem Mexiko-Match in den letzten fünf Tagen intensiv aufgearbeitet und ausdiskutiert wurden und Löw mit zwei Personalrochaden korrigierend Eingriff, schien die Mannschaft nicht allzu viel gelernt zu haben. Erneut lief man mehrmals ins offene Messer, wurden die beiden Innenverteidiger sträflich alleingelassen.

Schweden fordert in der 13. Minute einen Penalty. (Video: SRF)

Über einen Penaltypfiff hätten sich die Deutschen in der 13. Minute nicht beschweren dürfen. Boateng, der seiner Form von 2014 seit geraumer Zeit hinterher hinkt, stiess den alleine auf Manuel Neuer zulaufenden Marcus Berg im Moment des Abschlusses leicht, aber entscheidend in den Rücken und berührte ihn zudem am Fuss. Zwei weitere Male tauchten die Schweden gefährlich vor Neuer auf. Nach einer halben Stunde musste sich zudem Sebastian Rudy, der anstelle von Sami Khedira spielte, mit einer blutenden Nase auswechseln lassen.

Jérôme Boateng sieht in der 82. Minute Gelb-Rot. (Video: SRF)

«Gute Moral bewiesen»

Besserung stellte sich erst ein, als sich die Mannschaft in der Pause sammeln konnte und Löw erneut Massnahmen ergriff (mit der Einwechslung von Mario Gomez für Julian Draxler). Nun blieben gefährliche schwedische Konter aus, doch gänzlich konnte der taumelnde Weltmeister die Verunsicherung nicht abstreifen. «Wir taten uns etwas schwer im Abschluss, bewiesen aber eine gute Moral, verloren nie den Glauben und die Ruhe», befand Löw erleichtert.

Deutschland - Schweden 2:1 (0:1)

Sotschi. 44'287 Zuschauer. SR Marciniak (POL).

Tore: 32. Toivonen 0:1. 48. Reus 1:1. 95. Kroos (Freistoss) 2:1.Deutschland: Neuer; Kimmich, Rüdiger, Boateng, Hector (87. Brandt); Rudy (31. Gündogan), Kroos; Müller, Draxler (46. Gomez), Reus; Werner.Schweden: Olsen; Lustig, Lindelöf, Granqvist, Augustinsson; Claesson (74. Durmaz), Larsson, Ekdal, Forsberg; Berg (90. Thelin), Toivonen (78. Guidetti).Bemerkungen: Deutschland ohne Hummels (angeschlagen). 82. Gelb-Rote Karte gegen Boateng (Foul). 92. Pfostenschuss Brandt. Verwarnungen: 8. Ekdal (Foul). 71. Boateng (Foul). 97. Larsson (Foul).Resultate: Deutschland - Mexiko 0:1 (0:1). Schweden - Südkorea 1:0 (0:0). Südkorea - Mexiko 1:2 (0:1). Deutschland - Schweden 2:1 (0:1).

Rangliste: 1. Mexiko 6. 2. Deutschland 3. 3. Schweden 3. 4. Südkorea 0.

SDA/var

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch