Die Copains und die nigerianischen Hühner

Was Sie vom «Super-Saturday» mit vier WM-Spielen in Russland wissen müssen. Eines ist klar: Der TV-Zuschauer ist gefordert.

Einer für alle, alle für einen: Didier Deschamps und die Equipe Tricolore zeigen sich als einige Truppe. (15. Juni 2018)

Einer für alle, alle für einen: Didier Deschamps und die Equipe Tricolore zeigen sich als einige Truppe. (15. Juni 2018) Bild: Franck Fife/AFP

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Der Samstag bringt eine geballte Ladung Fussball mit prominenter Beteiligung. Gleich vier Spiele stehen auf dem Programm, und wer will, kann um 12 Uhr seinen sportlichen TV-Tag mit Frankreich gegen Australien lancieren und ihn ab 21 Uhr mit Kroatien gegen Nigeria ausklingen lassen. Dazwischen duellieren sich Argentinien und Island sowie Peru und Dänemark.

FrankreichLes Bleus beschwören den Teamgeist

Es ist so eine Sache mit den Franzosen. Wer ihr Kader nüchtern betrachtet und die 23 Namen auf sich wirken lässt, kann nur zu einem Schluss kommen: Diese Mannschaft wird im Kampf um den WM-Pokal ein gewichtiges Wort mitreden. Aber heisst es das nicht meistens bei der Equipe Tricolore? Der Skandal von 2010, als sich die Mannschaft in Südafrika gegen Trainer Raymond Domenech auflehnte und sich in der Vorrunde blamierte, hallt bis heute nach. Umso mehr ist Didier Deschamps darum bemüht, die Gruppe zu disziplinieren. In der Vorbereitung schien das zu funktionieren, zumindest beim 3:1 gegen Italien. Das 1:1 gegen die USA war weniger berauschend. Aber eben: Wer Pogba, Dembélé, Griezmann, Mbappé, und wie sie alle heissen, in seinen Reihen hat, der sollte gegen Australien keine Mühe haben.

PeruDer Dopingsünder stürmt mit

Paolo Guerrero ist die grosse Figur bei Peru. Und doch war lange nicht klar gewesen, ob der Stürmer dabei sein wird. Der 34-Jährige musste bis vors Schweizer Bundesgericht, um eine provisorische Aussetzung seiner 14-monatigen Dopingsperre zu erwirken. Ende Mai folgte nach monatelangem Rechtsstreit voller Kehrtwenden die Erlösung: Guerrero darf mittun. Er ist der Captain, der Rekordtorschütze seines Landes (35 Tore), der Hoffnungsträger einer ganzen Nation. Ein WM-Tor fehlt ihm noch, schliesslich war Peru letztmals 1982 an der Endrunde. Um 18 Uhr endet die 36-jährige Wartezeit, dann treffen die Südamerikaner auf Dänemark.

AustralienDer Evergreen

Auch Tim Cahill ist ein Spezialfall. Ganze 157 Minuten kam er diese Saison in der heimischen A-League für Melbourne City und in der zweiten englischen Liga für Millwall zum Einsatz, er hat seinen Zenit mit 38 längst überschritten. Aber er ist eben der beste Goalgetter in der Geschichte Australiens (50 Tore), er hat 2006 die ersten beiden WM-Tore überhaupt für sein Land erzielt, er hat 2010 und 2014 wieder getroffen. Sollte ihm das Kunststück erneut gelingen, zöge er mit Pelé und anderen gleich, die an vier Endrunden erfolgreich waren. Cahill sagt: «Ich habe die ganze Saison auf drei Spiele hingearbeitet.» Wenn die Socceroos am Mittag auf Frankreich treffen, dürfte er vorerst aber nur Reservist sein.


Tim Cahill schiesst an der WM 2014 für Australien den 1:1-Ausgleich gegen Holland. (Video: SRF/Tamedia)


IslandDie Premiere gegen den Besten

Island ist klein, 350’000 Einwohner zählt der Inselstaat, weniger als Zürich. Jüngst haben die Wikinger aber mächtig für Furore gesorgt. Die Erinnerungen an den Viertelfinal-Vorstoss an der EM 2016 sind frisch, nun folgt die Premiere auf allerhöchster Stufe. Die Testspiele in diesem Jahr verheissen wenig Gutes: vier Partien, kein Sieg, Niederlagen gegen Mexiko, Peru und Norwegen. Die erste WM-Aufgabe um 15 Uhr dürfte nicht einfacher werden. Klein ist zwar auch Lionel Messi, der unbestrittene Leader der Argentinier, fussballerisch gibt es in diesen Tagen aber keinen Grösseren. Der Superstar vom FC Barcelona nimmt noch einmal Anlauf, er will endlich seinen ersten bedeutenden Titel mit dem Nationalteam erobern. Dass ihm Angreifer wie Agüero, Dybala und Higuaín zur Seite stehen, schadet dieser Mission sicher nicht.

NigeriaDie Sache mit den Hühnern

Zum krönenden Abschluss des «Super-Saturdays» mit vier WM-Partien trifft Nigeria auf Kroatien. Im Vorfeld machten besonders die Supporter des Teams aus Afrika von sich reden. Die Fans der Super Eagles wollten Hühner als Glücksbringer ins Stadion mitnehmen, weil es sich um ein traditionelles Ritual in Afrika handelt. Diesem Wunsch entsprachen die russischen Behörden nicht, mit einem deutlichen «Njet» machten sie klar, dass sie dieses Ritual im Stadion nicht dulden würden. «Fans von Nigeria haben gefragt, ob sie mit einem Huhn ins Stadion kommen dürfen. Wir sagten ihnen, dass das nicht erlaubt sei», erklärte ein Sprecher des Kulturministeriums.

Die Russen zeigen sich aber in diesen Tagen fürwahr von ihrer netten Seite. So fügte der Sprecher des Ministeriums an, dass man den nigerianischen Fans Plätze zeigen wolle, wo sie die Spiele ihres Teams auch mit Huhn verfolgen können.

Die sportliche Frage zu diesem Duell zwischen Kroaten und Nigerianern wird ebenfalls beantwortet: Wer legt wem ein faules Ei ins Tor?

(kai/fal)

Erstellt: 16.06.2018, 08:18 Uhr

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