Luka Modric, ein grosser Captain, ein grosser Sportsmann

Der kroatische Spielmacher hätte gegen Dänemark zur tragischen Figur werden können. Er wird zum Helden.

Modric übernimmt Verantwortung und scheitert. 15 Minuten später macht er es besser. Video: SRF

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Luka Modric ist ein ruhiger Mann. Und ein toller Fussballer. Er ist Captain der kroatischen Nationalmannschaft, kein lauter Captain, wie es zum Beispiel Stephan Lichtsteiner oder Sergio Ramos sind. Am Sonntagabend aber, da wird auch Modric laut. Der schmächtige 32-Jährige mit dem unschuldigen Gesicht, der so gar nicht aussieht wie einer, der mit Fussball seine Millionen verdient, schreit nach fast drei Stunden und zehn Penaltys alles raus, was in ihm steckt.

Da muss viel raus bei Modric. Erlösung, Frust, Druck, er hat alle Gefühlswelten erlebt in diesem Spiel gegen Dänemark. Da war das Führungstor der Dänen nach einer Minute, der Ausgleich seiner Kroaten drei Minuten danach und da ist vor allem dieser Penalty vier Minuten vor Spielende, 116 Minuten sind gespielt, die meisten davon werden wir bald wieder vergessen haben.

Von der tragischen Figur zum Helden

Modric läuft also zu diesem Penalty an, er ist ein guter Schütze, hat schon in der Vorrunde gegen Nigeria vom Punkt getroffen, er ist die logische Wahl, als der Däne Jörgensen den Kroaten Rebic – natürlich nach einem Traumpass der Marke Modric – ungestüm am Siegtor hindert. Auf der Linie steht Kasper Schmeichel, Sohn von Peter Schmeichel, er hat drei Möglichkeiten und wählt zwischen rechts, links und stehen bleiben die richtige. Modric, in diesem Moment die tragische Figur des Spiels. «Ich habe den ganzen Vormittag damit verbracht, zu studieren, wie ich gegen Schmeichel am besten schiesse», sagt er nach dem Spiel. Vielleicht war ja genau das das Problem.

Nicht mal fünfzehn Minuten später stehen sich die beiden so ungleichen Spieler wieder gegenüber, wieder trennt sie etwas mehr als elf Meter. Modric wagt es erneut. Schmeichel ist siegessicher, provoziert den Mittelfeldspieler mit der Nummer 10, zeigt auf ihn, «I know you!», ruft er ihm von seiner Linie aus zu, «ich kenne dich!»

Übrigens: So wäre Modric auch beim ersten Mal nicht gescheitert. Video: Tamedia

Rakitic der Entscheider, Modric der Matchwinner

Natürlich hätte Modric sich drücken können, jeder von den anderen zehn Kroaten sollte fähig sein, einen Penalty zu schiessen. Modric zeigt in dieser Situation aber, warum er Captain ist. Nicht weil er am lautesten beim Schiedsrichter reklamiert, sondern weil er Verantwortung übernimmt. Es gibt Spieler, die sich dem Druck nicht aussetzen möchten, nicht auf der grössten Fussballbühne der Welt, Modric tut es. Er tut es gleich zweimal.

Es sind Zentimeter, die entscheiden. Schmeichel hechtet in die gleiche Ecke («Ich kenne dich!»), Modric zielt in die Mitte, knapp am nach rechts fliegenden Fuss des Dänen vorbei ins Tor. Wenn der Fussball die schönen Geschichten schreibt, diesmal jene von Modric im Achtelfinal, dann gehört meist auch eine traurige dazu, Protagonist in dieser ist Schmeichel. Er hält insgesamt drei Penaltys, weil seine Landsmänner aber reihenweise an seinem kroatischen Gegenüber Subasic scheitern, muss er trotzdem nach Hause.

Ivan Rakitic verwandelt den letzten Elfmeter des Abends. Video: SRF

Modric überlässt die Entscheidung Ivan Rakitic, auch er ein Teamleader, der Schweiz-Kroate versenkt den entscheidenden Penalty. Sein Captain beweist auch danach Grösse. Für den provozierenden Schmeichel gibt es eine Umarmung. Das Ausscheiden ist Strafe genug. (mro)

Erstellt: 02.07.2018, 09:36 Uhr

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