Real-Satire um Spaniens Nationalteam

Zwei Tage vor dem Startspiel gegen Portugal entlässt Spanien seinen Trainer. Der Entscheid ist mutig, aber konsequent.

Julen Lopetegui wurde als Nationaltrainer entlassen. Video: Tamedia

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Sie sind nicht zu beneiden, die Kollegen von «Marca». Als Hausorgan von Real Madrid ist das Blatt grundsätzlich bestens informiert, was beim Team vor sich geht, das dreimal in Serie die Champions League gewonnen hat. Nun, irgendwo scheint derzeit der Kommunikationsweg blockiert. Mit dem Zidane-Rücktritt wurden die Journalisten auf dem falschen Fuss erwischt, als Nachfolger hatten sie nahezu jeden auf dem Zettel, der eine Taktiktafel halten kann, ausser Julen Lopetegui – und Minuten bevor Verbandspräsident Luis Rubiales eine Medienkonferenz geben wollte, vermeldete «Marca», dass Lopetegui Nationaltrainer bleibt.

Stellvertretend steht die Zeitung für das Chaos, das im spanischen Fussball losgetreten wurde. Ein Chaos historischen Ausmasses, das durch Rubiales’ Ausführungen noch groteskere Züge annahm. Als er am Dienstag kurz vor 17 Uhr erstmals informiert wurde, dass Real Madrid mit dem spanischen Nationaltrainer verhandelt, hatte er nur eine Bitte: «Wartet damit, es publik zu machen.» Sofort sei er in den Flieger gestiegen, wohl wissend, dass er damit seine Stimme zur WM-Vergabe 2026 nicht abgeben kann. Fünf Minuten später ging bei Real Madrid die Medienmitteilung raus: «Julen Lopetegui ist neuer Trainer von Real Madrid.» Es ist verdammt schwierig, seinen Chef noch deutlicher blosszustellen.

Rubiales hatte zwei Möglichkeiten:

a) Zu ignorieren und angesichts des kurz bevorstehenden Spiels gegen Portugal diese Demütigung über sich ergehen zu lassen. Zu riskieren, auch gegenüber den Spielern das Gesicht zu verlieren – schliesslich wurden diejenigen mit unsicherer Zukunft dringendst angehalten, nicht während der WM Verhandlungen zu führen. In Kauf zu nehmen, dass Lopetegui nicht hundertprozentig bei der Sache ist, weil es auch gilt, die Baustellen bei Real Madrid anzugehen. Kurz: mit dem Trainer die WM zu bestreiten.

oder

b) Zwei Tage vor dem WM-Start ohne Nationaltrainer dazustehen. Und das der versammelten Weltpresse des Fussballs so zu sagen.

Kein einfacher Entscheid. Dass Rubiales Option b wählte, spricht für seinen Mut und seine Linie. Und mit Fernando Hierro fand er kurze Zeit später die bestmögliche Lösung. Dass dieser Hierro wenige Tage zuvor bei «Marca» als Topfavorit auf die Nachfolge von Zidane galt, macht die Real-Satire perfekt.

Video: Rubiales ist enttäuscht

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2018, 20:17 Uhr

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