Zeitspiel? «Ich mache das häufiger»

Frankreichs Verteidiger Lucas Hernández gibt offen zu, dass ihm jedes Mittel recht ist, um seiner Mannschaft zu helfen.

Die Schauspieleinlage von Hernández gegen Australien. (Video: SRF)

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Die Nachspielzeit war just angebrochen, da lag er auf dem Boden und hielt sich den Hinterkopf, das Gesicht schmerzverzerrt. Sein Gebaren legte die Vermutung nahe, dass er hart getroffen worden war. War es der Ellbogen des Australiers Joshua Risdon gewesen? Es verging eine halbe Minute, da erhob sich Lucas Hernández, rieb sich noch einmal die betroffene Stelle und trottete davon. Alles gut, der Linksverteidiger trug keine bleibenden Schäden davon, Fussball-Frankreich atmete auf.

Wobei, so ganz richtig ist das nicht. Das kollektive Aufatmen hätte zumindest einen Moment erhöhter Anspannung vorausgesetzt, davon waren die französischen Fans in dieser Szene jedoch ein gutes Stück entfernt. Einerseits, weil sich Hernández schon zuvor das eine oder andere Mal als Laienschauspieler versucht hatte, andererseits, weil ihn die Zeitlupe sofort entlarvte: Risdon hatte ihn nicht am Kopf berührt.

Simeone ermutigte ihn

Das allein wäre höchstens eine Randnotiz wert, schliesslich lernen Fussballer früh, was man auf dem Platz so alles anstellen kann, um der eigenen Mannschaft zu helfen. Bemerkenswerter ist, mit welch erfrischender Offenheit Hernández nun über sein Verhalten sprach. «Wie man gegen Australien gesehen hat, gab es Momente, in denen ich ein bisschen übertrieben habe», räumte der 22-Jährige von Atlético Madrid ein. Zu seiner Einlage in den letzten Minuten der Partie – Frankreich führte 2:1 – sagte er: «Das ist Teil der Show und des Spiels, ich mache das häufiger. Das hilft der Mannschaft, etwas Zeit zu gewinnen.»

Der aufstrebende Abwehrspezialist, der in dieser Saison den Durchbruch schaffte und im Auftaktspiel Manchester Citys Benjamin Mendy auf die Bank verdrängte, hat bei seinem Club einen guten Lehrmeister. In seinen Worten: «Diego Simeone hat mich dazu ermutigt, mein feuriges Temperament auf dem Platz zu nutzen.»

Er wollte für Spanien spielen

Hernández, geboren in Marseille, durchlief die Jugendabteilung der Madrilenen, am Montag verlängerte er seinen Vertrag bis 2024. Im Frühjahr hatte er noch signalisiert, lieber für Spanien zu spielen, obwohl er für die französischen Nachwuchsauswahlen aufgelaufen war. Während er jedoch auf den Pass wartete, bot ihn Didier Deschamps im März erstmals für Länderspiele der Équipe Tricolore auf. Und da Hernández ohnehin nicht wusste, ob es noch vor der WM mit der Einbürgerung klappen würde, folgte er Deschamps Ruf. Die Australier hätten gut auf ihn verzichten können. (kai)

Erstellt: 19.06.2018, 12:21 Uhr

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