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Mindestens einen Punkt gegen Costa Rica

Achtelfinals in Sicht: Die Nationalspieler haben die Adler-Episode ad acta gelegt und konzentrieren sich auf das heutige Spiel.

Wollen keine Zeit damit verschwenden, sich mit störenden Einflüssen zu beschäftigen: Die Schweizer Mannschaft beim Training.
Wollen keine Zeit damit verschwenden, sich mit störenden Einflüssen zu beschäftigen: Die Schweizer Mannschaft beim Training.
Dimitar Dilkoff, AFP

Die Reise durch Russland geht immer weiter. Jetzt sind die Schweizer Fussballer in Nischni Nowgorod gelandet, dem früheren Gorki. Ihr Arbeitsplatz von heute Abend ist wunderbar. Das Stadion liegt am Ufer der Wolga und ist ein Meisterwerk der Architektur. Um höheren Beistand können die Gäste zur Not im Tempel des Stadtheiligen Alexander Newski bitten, der liegt gleich daneben.

Der dritte Spielort der Schweiz an der WM in Russland. (Video: sda)

Einen Punkt braucht die Schweizer Mannschaft heute gegen Costa Rica, um aus eigener Kraft die Achtelfinals zu erreichen. Es ist ihr Mindestziel für den Moment. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass Vladimir Petkovic Spieler, die mit einer gelben Karte vorbelastet sind, zur Sicherheit nicht einsetzt. Etwa Stephan Lichtsteiner, Valon Behrami und Xherdan Shaqiri.

Die Schweizer sind in einem Modus, den sie noch nie gehabt haben. Sie leben wie in einem Tunnel, wollen keine Zeit damit verschwenden, sich mit störenden Einflüssen zu beschäftigen, und sind beseelt von der eigenen Stärke. Sie erschrecken nicht, wenn der Trainer öffentlich erklärt, mit dem Achtelfinal nicht zufrieden zu sein. Vielmehr sagen sie: Kein Problem, wir sind an der WM, wir haben unsere Ambitionen.

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Das hat mit Resultaten und Ereignissen zu tun. Die Resultate: Das sind diese 24 Partien seit Mai 2016 mit nur einer Niederlage nach normaler Spielzeit, dafür mit 17 Siegen und 43:13 Toren. Dass nicht jeder Gegner hochkarätig war, dass sich Andorra und San Marino darunter befanden, spielt für sie keine Rolle. Sie bauen sich an ihrem Leistungsausweis in den letzten zwei Jahren auf.

Die Ereignisse: Hier geht es zuerst einmal um die Stunden seit Freitagabend und dem Ausbruch der Doppeladler-Geschichte. In der Mannschaft haben sie das Gefühl, dadurch noch geeinter zu sein, noch geschlossener. Sie sagen das auch wie Valon Behrami am Tag vor dem Spiel: «Wir haben viel Zeit zum Reden gehabt. Wir sind noch stärker.»

Ein Team auf einer Mission

Sie vermitteln das Bild einer Mannschaft, die auf einer Mission ist. Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri haben erfahren, dass sich die Teamkollegen nicht von ihnen absetzen, nur weil sie mit ihrem provokativen Jubel gegen Serbien für Aufregung gesorgt haben. Sie spüren das Gefühl der Solidarität, bei keinem mehr als bei Stephan Lichtsteiner. Gegen Serbien feierte der Captain mit, als wäre er selbst Albaner und nicht Adligenswiler.

Das Thema soll für die Beteiligten nun aber auch erledigt sein. «Was passiert ist, ist passiert, und wir müssen alle zusammen daraus lernen und uns die restliche Zeit der WM auf Fussball konzentrieren», sagt Petkovic. Und Behrami: «Das kommt nicht mehr vor, weil es kein spezielles Spiel mehr wie dieses geben wird.»

Derweil erinnert sich Verbandspräsident Peter Gilliéron an den Tag der Anstellung Petkovics als Coach. Was ihm an Petkovic am meisten imponiere, wurde er gefragt. «Ich sagte: ‹die Sozialkompetenz.› Heute sehen wir, dass er sie eingesetzt hat, um diese Gruppe zu formen.»

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Die Spieler kennen ihren Trainer nach vier gemeinsamen Jahren sehr gut. Sie spüren, wenn er nicht zufrieden ist, da braucht er gar nichts zu sagen, sie wissen, wann sie seriös sein müssen und wann sie lachen dürfen. «Das ist eine neue Beziehung mit ihm», berichtet Behrami, «die Regeln sind fix, wir kennen sie. Die Disziplin ist da, weil wir mehr Freiheiten haben, und wenn du mehr Freiheiten hast, fühlst du dich zum Beispiel verantwortlich, pünktlich zu sein.»

Es gibt aber nicht nur dieses gewachsene Verhältnis mit dem Trainer, das diese Mannschaft prägt. Es geht auch darum, dass viele nicht zum ersten Mal an einer WM sind. Rekordmann Behrami ist es bereits zum vierten Mal, Lichtsteiner wie Shaqiri, Djourou oder Fernandes zum dritten Mal in Folge, Dzemaili war 2006 und 2014 dabei, Sommer, Xhaka, Schär, Rodriguez, Seferovic, Drmic und Gavranovic gehörten vor vier Jahren in Brasilien zum Kader. Sie alle bringen wertvolle Erfahrungswerte ein. Davon können sie profitieren, wenn es auf dem Platz nicht so läuft, wie sie sich das vorgenommen haben. Wenn Mario Gavranovic nun feststellt, diese Mannschaft habe im Vergleich zur letzten WM «viel, viel mehr Qualität im Kopf» und «viel, viel mehr Selbstvertrauen», macht sich das genau in den heiklen Momenten bemerkbar. «Wir bleiben ruhig und solidarisch», meldet Behrami in Nischni Nowgorod. Sie können sich auf sich selbst verlassen, auf ihr Wissen, dass sie in Rücklage nicht gleich geschlagen sind.

Sie lagen zuletzt in Spanien, gegen Brasilien und gegen Serbien im Rückstand, trotzdem verloren sie nie, gegen Serbien gewannen sie gar noch 2:1. Es ist das Zeichen von Reife und von guter Mentalität, reagieren zu können. Xherdan Shaqiri glaubt, das hätten sie vor ein paar Jahren noch nicht geschafft.

Die individuellen Baissen

Nur ist auch die Frage: Warum liegen sie immer wieder zurück? Gerade gegen Serbien waren sie am Anfang überhaupt nicht präsent. Am Video erkannten sie, welche Fehler sie machten, «das war nicht akzeptabel», betont Behrami. Die Einsicht ist bei Petkovic darum gereift: «Wir dürfen solche Situation nicht zu oft provozieren.» Gelson Fernandes redet vom «Spiel mit dem Feuer».

Die Schwächephasen an der WM haben auch mit individuellen Baissen zu tun. Gegen Brasilien galt das für Seferovic, Dzemaili, Xhaka, Schär und zumindest eine Halbzeit lang auch für Shaqiri, gegen Serbien wieder für Seferovic, Dzemaili, Schär und Zuber, auch Lichtsteiner war nicht auf dem Höhepunkt seines Schaffens.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass die Schweiz trotzdem einen Schritt vor dem Achtelfinal steht. Was ist denn erst möglich, sollten einmal alle elf gleichzeitig in bester Verfassung sein?

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