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Diese 10 Gründe sprechen für die Schweiz

Mit einem Fels und acht Torschützen. Die Schweiz hat viele Qualitäten, um es in den WM-Achtelfinal zu schaffen.

Die Schweiz mit Captain Stephan Lichsteiner möchte wieder jubeln, dieses Mal nur nicht mehr mit dem Doppeladler.
Die Schweiz mit Captain Stephan Lichsteiner möchte wieder jubeln, dieses Mal nur nicht mehr mit dem Doppeladler.
Keystone

Sie hat auf Rückstände reagiert. Sie hat Glück gehabt mit den Schiedsrichtern. Sie hat Resultate geliefert. Nach dem 1:1 gegen Brasilien und dem 2:1 gegen Serbien spielt die Schweiz heute Abend ihr letztes Gruppenspiel gegen Costa Rica. Und es gibt 10 gute Gründe dafür, dass sie den Einzug in den Achtelfinal schafft.

Die Ausgangslage

Nach vier Punkten aus zwei Spielen ist die Ausgangslage vorzüglich. Im besten Fall gehört die Schweiz selbst mit einer Niederlage gegen Costa Rica zu den besten 16 Mannschaften dieser WM – in diesem Fall müsste allerdings im Parallelspiel Brasilien die Serben besiegen. Sicher im Achtelfinal steht die Schweiz, wenn sie gegen Costa Rica einen Punkt holt. Die Chance auf den Gruppensieg ist ebenfalls gut. Derzeit steht Brasilien nur dank des Torverhältnisses auf Rang 1 (3:1 gegenüber 3:2 der Schweiz). Die Schweiz steht am Ende ganz oben, wenn sie gegen Costa Rica gewinnt und Brasilien Punkte abgibt. Wenn sie um zwei Tore höher siegt als die Brasilianer. Wenn sie um ein Tor höher siegt und dabei mehr Treffer erzielt als Brasilien. Die Frage ist nur, ob es überhaupt gut ist, Gruppensieger zu werden. Am wahrscheinlichsten ist, dass der Erstplatzierte im Achtelfinal auf Deutschland trifft. Und der Zweitplatzierte gegen Mexiko spielt.

Der innere und der äussere Antrieb...

Vladimir Petkovic redet schon seit einiger Zeit davon, dass ihm der Achtelfinal nicht genügt. Die Spieler glauben ohnehin schon lange, dass sie reif sind für einen Viertelfinal. Und der frühere Schweizer Nationalspieler und österreichische Nationaltrainer Marcel Koller urteilte nach den Eindrücken aus den ersten beiden WM-Partien: «Der Viertelfinal ist auf jeden Fall möglich.»

...die Leidenschaft

Die Schweizer werden also angetrieben vom Hunger auf einen Erfolg, wie sie ihn noch nie hatten (für die drei Viertelfinals an den Weltmeisterschaften bis 1954 brauchten sie wesentlich weniger Siege als heutzutage). Und sie leben von ihrer Leidenschaft. Im ersten Match legte Valon Behrami mit seinem zermürbenden Abwehrspiel gegen Neymar und die anderen brasilianischen Künstler die Basis für einen Punktgewinn. Im zweiten Match wendeten die albanischstämmigen Xhaka und Shaqiri die Partie gegen das von ihnen ungeliebte Serbien mit ihren Toren zum 1:1 und 2:1.

...und das Glück

Zuber konnte gegen Brasilien das punktbringende 1:1 köpfeln, weil sein Schupfer gegen Brasiliens Verteidiger Miranda ungestraft blieb und auch der VAR in Moskau nicht eingriff. Schiedsrichter-Dusel hatten die Schweizer auch gegen Serbien, der Deutsche Felix Brych sah in der Aktion von Schär und Lichtsteiner gegen Mitrovic kein Foul, obwohl das Abwehrverhalten eher ans Eidgenössische denn an Fussball-WM erinnerte.

Der Charakter

0:1 gegen Spanien, 0:1 gegen Brasilien, 0:1 gegen Serbien. Dreimal lag die Schweiz in den jüngsten vier Spielen zurück – verloren hat sie trotzdem nie. Die Mannschaft lebt auch vom Selbstverständnis, das sie sich in den vergangenen Jahren erarbeitet hat. Sie kollabierte nicht mehr nach Rückständen wie noch an der WM 2014 in Brasilien, als sie gegen Frankreich 2:5 unterging, zwischenzeitlich hatte es 0:5 gestanden. Der Aufschwung begann mit der EM 2016. Im Frühling hatte die Mannschaft noch ein unschönes Bild abgegeben, war in Testspielen miserabel aufgetreten und bereitete sich unter kritischer Beobachtung auf das Turnier in Frankreich vor. Nun hat sie seit Mai 2016 nur eines von 24 Spielen vor Ende der normalen Spielzeit verloren – auswärts in der WM-Qualifikation gegen Portugal – und 17-mal gewonnen.

Der Goalie

Es hat einen Grund, weshalb Yann Sommer auf dem Transferzettel des FC Liverpool stehen soll. Der Goalie war herausragend gegen Brasilien. Er war stark gegen Serbien. Es gibt keinen Grund, weshalb das heute anders sein sollte.

Die Unberechenbarkeit

In den Spielen dieses Jahres trafen für die Schweiz: Dzemaili, Dzemaili, Xhaka, Embolo, Zuber, Gavranovic, Frei, Rodriguez, Rodriguez, Seferovic, Zuber, Xhaka und Shaqiri. Fabian Frei ist nicht in Russland dabei, doch es bleiben immer noch acht verschiedene Torschützen. Wer so viele Varianten hat, ist ein unangenehmer Gegner. Und wenn nun auch noch die treffen, die an der WM bisher vor allem mit ihrem Unglück aufgefallen sind (wie Dzemaili), und andere wieder Tore erzielen wie in der Qualifikation (wie Lichtsteiner oder Seferovic, 3 und 4 Treffer), dann wirds für die Schweiz noch heiterer.

Die Breite

Lichtsteiner, Schär, Behrami und Shaqiri sind mit Gelben Karten vorbelastet, mit einer weiteren Verwarnung gegen Costa Rica würden sie den möglichen Achtelfinal verpassen, die Karten werden erst nach dem Viertelfinal gelöscht. Trainer Petkovic sagt zwar, er könne bei der Aufstellung fürs dritte Gruppenspiel keine Rücksicht auf solche Vorgeschichten nehmen. Aber natürlich spielt er trotzdem mit dem Gedanken, den einen oder anderen wegen der drohenden Gelbsperre auf die Bank zu setzen – mit dem angenehmen Nebeneffekt, ihnen damit auch etwas mehr Ruhezeit zu verschaffen. Das wäre zwar sportlich gewagt, allerdings ist es nicht so, dass die Schweiz keine Alternativen hätte auf den verschiedensten Positionen. Die Breite im Kader ist eine Stärke dieser Schweiz. Für Aufsteiger wie YB-Aussenverteidiger Kevin Mbabu hatte es nicht einmal Platz im 23er-Kader. In Nischni Nowgorod könnte Lang für Lichtsteiner spielen, Zakaria Behrami ersetzen und Embolo statt Shaqiri stürmen. Mit diesen Wechseln sind die Risiken überschaubar, im Notfall liesse sich mit Shaqiri Offensivschwung einwechseln. Grösser wäre das Risiko, in der Innenverteidigung Schär durch Djourou zu ersetzen.

Der Fels

Eine gute Fussballmannschaft besteht aus einer starken Achse vom Goalie bis zum Mittelstürmer, heisst es in der Theorie. Die Schweiz hatte bisher Schwierigkeiten auf den Positionen ganz vorne, im Sturmzentrum und im offensiven Mittelfeld. Aber was sie kaum hatte, waren Sorgen in der Defensive. Das liegt an Sommer. Das liegt an Behrami im defensiven Zentrum. Und das liegt an Manuel Akanji, der alles mitbringt, um der beste Schweizer Innenverteidiger seit Jahren zu werden. Gegen Brasilien war der 22-jährige Wiesendanger stark, gegen Serbien war er ein Fels.

Die Doppeladler-Gemeinschaft

In anderen Tagen hätte der Doppeladler-Jubel die Schweizer Gemeinschaft vielleicht auseinandergerissen. In anderen Tagen wie 2015, als Stephan Lichtsteiner die Debatte um «richtige» und «andere» Schweizer lancierte und darauf hinwies, dass das Nationalteam nicht nur Shaqiris und Xhakas nötig habe, sondern als Identifikationsfiguren fürs Publikum auch Schweglers und Barnettas. «Es ist ein heikles Thema, das weiss ich. Es ist aber auch ein Thema, vor dem wir uns nicht verschliessen dürfen», sagte der Rechtsverteidiger damals. Mittlerweile ist Lichtsteiner Captain. Und wie wichtig ihm eine funktionierende Gemeinschaft in der Multikulti-Nationalmannschaft ist, demonstrierte er gegen Serbien, als er das 2:1 selbst mit dem Doppeladler feierte. Das war politisch nicht die klügste Aktion seiner Karriere, steht nun aber als starkes Symbol für die verschworene Einheit.

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