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Held der Schweizer, Buhmann der Brasilianer

Valon Behrami war der beste Schweizer beim 1:1. Er überrascht damit seine Tochter und verärgert die gegnerischen Fans.

Valon Behrami im Duell mit Neymar. Behrami gewinnt es.
Valon Behrami im Duell mit Neymar. Behrami gewinnt es.
Keystone

Vielleicht muss man mit Lara Gut beginnen, um die Leistung von Valon Behrami einschätzen zu können. Also: Die Skifahrerin teilte dem Social-Media-Universum noch am Sonntagmorgen mit Emojis mit, was sie an diesem Tag so alles tun wird. Kaffee trinken, nach Russland fliegen, ein Fussballspiel schauen, dann stehen da ein Herz und zwei Liebende und, als ob es nicht schon klar wäre, der Verweis auf Valon Behrami, ihren Schatz, Nationalspieler der Schweiz. Dieser wiederum antwortet seiner Principessa mit einem Herz.

So, nun genug der Liebe, nun läuft das Spiel gegen Brasilien, nun schalten sich im Dialog die Brasilianer ein. Diese antworten auf die schätzelnden Nettigkeiten mit weniger netten Phrasen und Bildern. Aus Frust wird bald einmal Hass. Da ist ein Mr. Bean mit seinem Mittelfinger, da sind viele «du Sohn einer wasauchimmer»-Sätze und immer wieder der Verweis auf Neymar, den Spieler mit dem grossen Talent und der sonderbaren Frisur.

Behrami, der Vorkämpfer

Auch auf Instagram zeigten sich die Brasilianer aktiv, rund 117'000 meist hämische Kommentare liest man bei Behramis letzten Eintrag, 300 ist der Schnitt. Man muss die Kommentare als Kompliment lesen. Behrami hat den Brasilianern und vor allem Neymar zugesetzt. Mit seiner Härte, mit seinem Willen, mit seiner Kampfkraft. Behrami war in der eigenen Platzhälfte überall, er war der Schwerarbeiter im Schweizer Maschinenraum, trieb die Verteidigungslinien an, stellte sich dem Gegner in den Weg, und immer wieder suchte er das Duell gegen Neymar. Das Einzige, was dem Schweizer dabei Mühe machte, war die stupende Theatralik von Neymar. Es brauchte einen Hauch von Behramis Präsenz – und Neymar fiel. Der Schweizer sagt dazu: «Ich sehe den Fussball etwas anderes als er. Er mag es, zu zeigen, dass er berührt worden ist. Wenn du ihn nur ein wenig berührst, dann lässt er es aussehen, als ob es viel schlimmer gewesen wäre.»

Behrami sieht Gelb, Neymar krümmt sich, Behrami lacht, Schär auch. Quelle: Keystone
Behrami sieht Gelb, Neymar krümmt sich, Behrami lacht, Schär auch. Quelle: Keystone

Es gab diese Szene in der ersten Halbzeit, sie war symptomatisch für Behramis Leistung, auf der rechten Abwehrseite der Schweiz war es. Behrami lief Neymar an der Seitenlinie den Ball ab. Ohne Halten, ohne Foul – der 33-Jährige war schlicht schneller. Man rieb sich verwundert die Augen.

Das muss auch seine Tochter überrascht haben. Sie sagte ihrem Vater noch vor der WM: «Der Neymar ist zu stark für dich!» Sie hat sich geirrt. Die Schweizer Zeitungen lobten ihn, er selbst übte sich in Zurückhaltung. Eben, welche Noten würde er sich geben? «Eine 6 nicht gerade», antwortet der Mittelfeldspieler und lacht. Schliesslich habe er in der Offensive ja nicht viel geleistet. «Eine 5.»

Video – «Für mich zählt an dieser WM jeder Moment»

Vor dem Russland-Spiel gibt sich der 33-jährige Tessiner optimistisch. (Video: SDA)

So war nicht ein verlorener Zweikampf der Schreckmoment in Behramis Spiel, sondern die Sekunde, als er am Boden lag und sein Knie hielt. Oder als er wenig später die Adduktoren abtastete. Oder als er eine harte Gelbe Karte sah, die ihn plötzlich mit Rot in Verbindung brachte.

Um Schlimmeres abzuwenden, wechselte ihn Nationaltrainer Petkovic nach 70 Minuten aus, das nächste Spiel gegen Serbien soll aber nicht in Gefahr sein, die Blessur an den Adduktoren sei wohl nicht so gravierend, sagte Behrami nach der Partie.

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