Starker WM-Auftakt der Schweizer – ein 1:1 gegen Brasilien

Hammertor von Zuber, gekämpft bis zum Umfallen, Behrami angeschlagen raus: Wie sich die Petkovic-Jungs einen Punkt verdienten.

Der Schweizer Ausgleich: Steven Zuber trifft zum 1:1. Video: Tamedia/SRF

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Was sind das für erste Tage an dieser WM! Argentinien stolpert gegen Island, Deutschland verliert gegen Mexiko, und am Sonntagabend auch noch dies: Mit Brasilien patzert auch noch ein dritter Favorit auf den Titel in Russland. Und das gegen die Schweizer.

Sie brauchen Glück dafür, ganz viele Male sogar, und natürlich können sie nicht verbergen, weniger Klasse als der Gegner zu haben. Nur kämpfen sie ­gerade nach der Pause so beherzt, dass sie sich dieses 1:1 auf ihre Art verdienen.

Das Tor zum Coup gelingt Steven Zuber in der 50. Minute, Shaqiri schlägt einen Corner, Zuber steht in der Mitte frei und lenkt den Ball mit dem Kopf unter die Latte. Das Goal hat aber einen Schönheitsfehler: Den entscheidenden Freiraum verschafft sich Zuber, indem er Miranda kurz in den Rücken stösst. Alisson reklamiert, Neymar ruft nach dem Videoschiedsrichter. Es nützt nichts.


Bilder: Die besten Momente des Schweizer Auftritts gegen Brasilien


Von da an ist es ein langer Weg bis zum Ende, es braucht viel Arbeit, um die Räume zu schliessen und Schüsse zu blocken. Einmal, in der 70. Minute, verlagert Neymar wunderbar das Spiel, Coutinho lässt Lichtsteiner ins Leere laufen, sein Schuss geht deutlich ins Aus. Dann versucht Jesus gegen Akanji einen Elfmeter zu provozieren, er bekommt ihn nicht.

Der Druck lässt nicht nach, Brasilien will diesen Sieg unbedingt und braucht ihn auch, um daheim keine Unruhe aufkommen zu lassen. Die Schweizer halten wild dagegen, sie versuchen sogar selbst immer wieder den Weg in die Offensive, als wären sie mit dem Punkt nicht zufrieden. Weit kommen sie bei ihren Versuchen nicht mehr.


Video: Sommers Parade gegen Firmino

Der Goalie rettet der Schweiz einen Punkt. Video: Tamedia/SRF


Die Uhr tickt für sie nur langsam. Die Chancen des Gegners werden immer grösser. 88. Minute: Kopfball Neymar, Sommer hält. 90.: Kopfball Firmino, diesmal hält Sommer brillant. 91.: Mirandas Schuss fliegt Zentimeter am Tor vorbei. Und dann diese Szene noch, als wäre es nicht schon genug gewesen: Neymar hebt den Ball in die Mitte, ­Renato ­Augusto sieht seinen Schuss schon im Tor. Aber Schär schafft es irgendwo noch, seinen Fuss reinzustellen und zu retten. Die 96. Minute läuft bereits.

Erst danach ist es vorbei mit dem Leiden, mit dem Zittern, mit dem Glück­haben. Das Ergebnis ist sehr wertvoll. Nicht nur, weil es eine Ehrenmeldung gegen Brasilien ist. Sondern weil es verhindert, dass die Schweizer nicht plötzlich Gefahr laufen, schon nach zwei Spielen ausgeschieden zu sein.

Der forsche Trainer

Sie haben einen anderen Anspruch ­angemeldet. Ihr Trainer Vladimir Petkovic hat am Vortag erklärt, mit dem Achtelfinal wären sie nicht zufrieden. Es sollte schon mehr sein, der Viertelfinal also, mindestens. Die Erklärung ist forsch. Sie unterstreicht die Ambitionen dieser Mannschaft, sie betont, dass sie mutig und selbstbewusst sein wollen; und sie ist Ausdruck dafür, dass Petkovic nichts unterlässt, seine Spieler starkzureden.

Er muss wissen, wie gross die Gefahr nun ist, an dieser WM zu scheitern. ­Alles andere als das Erreichen der Runde der letzten acht bedeutet, das Klassenziel verpasst zu haben.


Video: Coutinhos Traumtor zum 1:0

Der Brasilianer schiesst Brasilien in Führung. Video: Tamedia/SRF


Gegen Brasilien beginnen die Schweizer gut, sie lassen den Ball laufen und wollen so beweisen, furchtlos zu sein. Dzemaili hat gleich eine gute Möglichkeit nach Shaqiris Vorarbeit, sein Schuss fliegt vom Schienbein hoch übers Tor. Die gute Phase dauerte aber nicht lange, nur zehn Minuten. Dann übernimmt der Favorit das Kommando, Paulinho vergibt nach Schärs Stolperer die erste grosse Chance. Neymar setzt mit einem Einmeterpass vier Schweizer matt.

Marcelo flankt, Zuber wehrt den Ball ab, aber genau in die Füsse von Coutinho. Einer seiner Klasse lässt es sich nicht entgehen, wenn er 20 Meter vor dem Tor frei zum Abschluss kommt. Sein Ball dreht sich in die entfernte hohe Ecke. Da kann Sommer noch lange fliegen.

Die Schweizer zeigen, abgesehen vom Anfang, alles andere als eine gute erste Halbzeit. Sie bekommen keine Ruhe in ihr Spiel, weil sie die Bälle nicht halten können, weil die Offensive für keine Entlastung sorgt. Sie sehen aus, als wären sie eine Nummer zu klein für den Gegner.

Xhakas schwacher Abend

In einem solchen Moment wäre Granit Xhaka besonders gefordert, doch der Vorzeigespieler dieser Mannschaft hat einen ganz schlechten Abend. Er leistet sich viele Fehler, und statt für Ordnung zu sorgen, provoziert er Unordnung. Es kann auch ein gutes Zeichen sein für die Schweiz, wenn sie es irgendwie verkraftet, dass ihr Chef in einer derartigen Verfassung ist.

Dafür ist ein anderer auf seine alten Tage noch einmal auf dem Höhepunkt seines Schaffens, das ist Valon Behrami, der selbst ernannte Krieger. Einmal läuft er selbst Neymar ab, ja Neymar, ja er, Behrami, der mit seinem Körper manchmal so sehr zu kämpfen hat wie mit den Gegnern. Dass er als Zugabe zwei Haken schlägt, sagt alles über seine Lust, alles zu geben.


Video: Riesenjubel in Winterthur

Beim Public Viewing war nach dem 1:1 Partystimmung. Video: Tamedia/Leserreporter


Am Freitag geht es weiter mit dem Spiel gegen Serbien. Die Serben haben am Nachmittag mit einem 1:0 gegen Costa Rica vorgelegt. Wer diese beiden Mannschaften am Werk sieht, braucht nicht gleich in Ehrfurcht zu erstarren. Sie müssen nicht nur in Reichweite der Schweizer liegen, wenn diese eine Runde weiterkommen wollen, sie tun es auch.

Nur wird es in Kaliningrad und fünf Tage später in Nischni Nowgorod nicht mehr sein wie gegen Brasilien. Dann müssen die Schweizer gewinnen. Petkovic sagt schon einmal: «Das 1:1 ist sicher eine gute Ausgangslage dafür.»

Erstellt: 17.06.2018, 23:26 Uhr

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