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Geldblog: AnlagerisikoGehe ich bei einem Konkurs von Swissquote leer aus?

Während ETF und Indexfonds zum Sondervermögen zählen, trägt man bei Zertifikaten ein Gegenparteienrisiko – am Grössten ist meist aber das eigentliche Anlagerisiko.

Geringes Konkursrisiko dank Einlagesicherung: Auch die Bank Swissquote wird von der Finma streng beaufsichtigt.
Geringes Konkursrisiko dank Einlagesicherung: Auch die Bank Swissquote wird von der Finma streng beaufsichtigt.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich bin in ETF und Zertifikaten von Swissquote investiert. Wenn nun Swissquote Konkurs ging: Bei ETF, so glaube ich, gehörten die investierten Aktien mir, bei den Zertifikaten ginge ich aber leer aus. Stimmt meine Vermutung oder liege ich daneben?

Leserfrage von J.E.

Ihren Zeilen entnehme ich, dass Sie in erster Linie passiv anlegen. Dafür eignen sich die von Ihnen erwähnten Exchange Traded Funds (ETF) und Zertifikate, ebenso aber Indexfonds. ETFs werden an der Börse gehandelt, Indexfonds in der Regel indes nicht. Beide aber haben den Pluspunkt, dass sie zum Sondervermögen zählen. Sowohl klassische Indexfonds als auch ETFs bieten im Konkursfall hohe Sicherheit: Weil sie dem Sondervermögen zugeordnet werden, wären sie von einem Konkurs des Fonds- oder ETF-Anbieters oder der Depotbank nicht betroffen. Aufgrund der Zugehörigkeit zum Sondervermögen würde das Fondsvermögen von diesen Instrumenten bei einer Insolvenz des Anbieters nicht in die Konkursmasse einbezogen.

Anders ist die Situation bei Zertifikaten: Indexzertifikate, wie Sie sie im Depot haben, werden als Schuldverschreibungen eingestuft. Wenn nun die Firma, welche das Indexzertifikat herausgegeben hat, zahlungsunfähig würde, müssten Sie damit rechnen, dass Sie Ihr Geld verlieren. Indexzertifikate werden als Schuldverschreibungen eben anders als Indexfonds und ETFs nicht dem Sondervermögen zugeordnet. Eine Einschränkung punkto Gegenparteirisiko gibt es noch bei den synthetischen ETF. ETFs erwerben entweder die Wertpapiere des Index, den sie abbilden oder aber sie bilden den Index indirekt über Tauschgeschäft ab. Man spricht von ETFs mit direkter physischer Replikation und ETFs mit indirekter synthetischer Replikation.

«Investoren, die ETFs halten, unterschätzen oft die Währungsrisiken.»

Bei der physischen Replikation hat der Fonds tatsächlich die im Index enthaltenen Wertpapiere. Weil bei der synthetischen Reproduktion die Indexnachbildung über Tauschgeschäfte mit Banken erfolgt, entsteht hier ein Gegenparteienrisiko. Daher würde ich, um auch dieses Risiko auszuschliessen, möglichst nur ETFs nutzen mit physischer Replikation. Und wenn wir schon bei den Risiken sind: Ein solches sehe ich auch bei der Wertpapierleihe. Diese nutzen viele ETFs, die eine an sich gute und sichere physische Replikation bieten, um zusätzliche Erträge zu erwirtschaften. Falls aber die Gegenpartei des ETF seiner Pflicht, die geliehenen Papiere zurückzugeben, nicht mehr nachkommen kann, weil sie insolvent ist, muss man mit möglichen Verlusten rechnen. Deshalb würde ich ETFs vorziehen, die keine Wertpapierleihe vornehmen.

Alles in allem stufe ich aber gerade ETFs und Indexfonds punkto Konkursrisiko als recht sicher ein. Weit höher als das Konkursrisiko stufe ich bei solchen Instrumenten das eigentliche Anlagerisiko ein. Wenn der Index, an den der von Ihnen gehaltene ETF oder Indexfonds gekoppelt ist, taucht, schlägt dies direkt auf Ihr Depot durch. Oft unterschätzt werden bei Investoren, die ETFs halten, auch Währungsrisiken. Die Schwäche des US-Dollars zeigt, dass man auf seinen Wertpapieren, die in US-Dollar herausgegeben wurden, plötzlich empfindliche Währungsverluste einfahren kann. Da kann es vorkommen, dass der Index, an den das Instrument gekoppelt ist, zwar steigt, aber die sinkende Währung dafür sorgt, dass man unter dem Strich dann doch auf Buchverlusten sitzt.

Geringes Konkursrisiko bei Swissquote

Zum Schluss noch ein Wort zur Swissquote, die Sie in Ihrer Frage konkret ansprechen: Dabei handelt es sich nicht nur um die grösste Online-Handelsplattform der Schweiz, sondern auch um eine Bank, die wie alle in unserem Land tätigen Banken von der Eidgenössischen Finanzmarktaufischt (Finma) streng beaufsichtigt wird. Das Konkursrisiko stufe ich bei der an der Schweizer Börse kotierten Firma als gering ein. Bei liquiden Mitteln würde zudem die gesetzliche Einlagesicherung greifen, dank der liquide Mittel bis maximal 100’000 Franken je Kunde und Bank geschützt sind.

11 Kommentare
    Michael Walter

    "Falls aber die Gegenpartei des ETF seiner Pflicht, die geliehenen Papiere zurückzugeben, nicht mehr nachkommen kann, weil sie insolvent ist, muss man mit möglichen Verlusten rechnen. Deshalb würde ich ETFs vorziehen, die keine Wertpapierleihe vornehmen."

    Herr Spieler, können Sie ein Beispiel nennen wo dieser Fall bei einem ETF eingetroffen ist?

    Weshalb praktizieren eine sehr grosse Mehrzahl der ETFs Wertpapierleihe, wenn dieses "Risiko" von solch grosser Bedeutung ist?

    Sind sie mit den Regulierungen und Vorschriften vetraut, die von UCITS Fonds eingehalten werden müssen, um Wertpapierleihe zu betreiben?

    Ich möchte Ihnen nicht zu Nahe treten, aber Ihre Aussagen bzgl. Wertpapierleihe sind nicht nur oberflächlich sondern auch falsch bzw. irreführend.

    Es ist ein bekanntes Phänomen, die Wertpapierleihe bei ETFs als "Risiko" zu erwähnen. Jedoch wird Wertpapierleihe auch von vielen aktiv verwalteten Anlagefonds praktiziert.