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Labels kämpfen um ÜberlebenGemeinsam für die eigene Zukunft

Weil die aktuelle Krise auch Mode- und Designfirmen trifft, haben zwei Züricher das Community-Projekt «Support Small Labels» lanciert.

Eines der «Small Labels»; Studio Osoi.
Eines der «Small Labels»; Studio Osoi.
Bild: Nora Z’Brun

Bereits an Tag 2 des schweizweiten Lockdowns hatten Pauline Treis und Matthias Hachen eine Idee, die sie nur wenig später umsetzten: eine Community-Plattform für unabhängige Mode- und Designlabels schaffen. Oder wie Mitgründerin Treis lachend sagt: «Eine Art Selbsthilfegruppe, um sich gegenseitig zu unterstützen.» Die Designerin und Gründerin des Fair-Fashion-Labels Jungle Folk weiss, wovon sie spricht.

Die Produktion ihrer nächsten Kollektion steht aktuell still. «Vieles ist ungewiss», sagt Treis. Deshalb hat sie zusammen mit Hachen, Gründer der Taschenmarke Park Bags, «Support Small Labels» ins Leben gerufen. Treis war schon zuvor gut vernetzt in der Small-Label-Szene, hat auch schon offline Events organisiert. Nun bringt sie ihr Netzwerk online zusammen.

Auf der bunten, übersichtlichen Website supportsmalllabels.ch sind mittlerweile über 30 unabhängige Schweizer Labels mit Bild und Text aufgelistet. So sollen sie sichtbar bleiben – oder werden. Denn da die Läden zu sind, entdecken (und kaufen) Kundinnen und Kunden nicht einfach mehr so die Produkte.

«Selbstmitleid bringt uns allen nichts.»

Nora Z’Brun, Designerin

Als eine Art Online-Schaufensterbummeln könnte man «Support Small Labels» auch beschreiben. Für die Designerinnen und Designer hingegen geht es um den Fortbestand ihres Unternehmens.

Nora Z’Brun ist Gründerin des jungen Studio Osoi. Sie war eine der ersten Designerinnen, die Teil von «Support Small Labels» war. Für Z’Brun war schnell klar, dass es neue Ideen braucht – und dass es allen mehr nützt, sich zusammenzutun, anstatt dass jeder für sich alleine kämpft. Und die Initiative funktioniert: Sie habe tatsächlich mehr Bestellungen als zuvor, und auch die Zugriffe auf ihre Website seien gestiegen, erzählt Z’Brun.

Ein blinder Aufruf zu unnötigem Konsum will «Support Small Labels» aber nicht sein, auch wenn viele Brands Rabatte gewähren oder gratis Lieferungen anbieten. Die Leute würden sich jetzt, in diesen ungewissen Zeiten kurz vor einer drohenden Rezession, wohl noch mehr überlegen, für wen oder was sie Geld ausgeben, sagt Pauline Treis.

Auch Nora Z’Brun teilt diese Meinung und sagt: «Mit dem Projekt wollen wir auch zeigen, dass die aktuelle Situation für kleine Labels existenziell sein kann.» Doch den Kopf in den Sand stecken will sie nicht, sondern das Beste daraus machen. Denn: «Selbstmitleid bringt uns allen nichts.»

Sechs Lieblingslabels

Hana Kim
Die Schmuckstücke von Nicole Kim sind schlicht, aber nicht langweilig. Gefertigt sind sie aus recyceltem Silber oder fair abgebautem Gold – und sorgen in der internationalen Modewelt für Aufsehen. Wer jetzt ein schönen Schmuck kauft, hat noch einen Grund mehr, sich auf die Normalität, die irgendwann zurückkommt, zu freuen.

Studio Osoi
Angefangen hat die junge Designerin Nora Z’Brun mit Einteilern aus Leinen, mittlerweile hat sie ihr Sortiment um reversible Wickelblusen und Hosen erweitert. Die Stücke sind in dezenten Farben und natürlichen Materialien – und funktionieren deshalb auch bestens als Homeoffice-Outfit.

Edition3000
Wer viel Zeit zu Hause verbringt, der mag vielleicht irgendwann die Bilder, die an den eigenen vier (oder mehr) Wänden hängen, nicht mehr sehen. Abwechslung bringen die hochwertigen Fine-Art-Prints der Onlinegalerie Edition3000: Claude Gasser und Stefan Hofer bieten limitierte und Fine-Art-Drucke von jungen Fotografen an.

Shea Yeah
Trockene Luft und regelmässiges Händedesinfizieren machen im Moment vielen zu schaffen. Für Abhilfe könnten die Naturkosmetikprodukte von Shea Yeah sorgen. Das Zürcher Label kombiniert in seinen Produkten Sheabutter aus Ghana mit Schweizer Kräutern. Wer als Quarantäne-Projekt selber Salben herstellen möchte, der findet im Shop auch reine Sheabutter.

Frottee Di Mare
So oft wie noch selten zuvor verwenden wir aktuell unsere Handtücher. Vielleicht ist deshalb jetzt der perfekte Moment, um in Frottee zu investieren: Die Tücher des Zürcher Labels Frottee di Mare sind nicht nur sehr weich, sondern auch sehr bunt und erinnern mit ihren Namen wie «Rimini» und «Brindisi» an warme Sommertage am Meer, die irgendwann auch wieder kommen.

Fin Projects
Leder ist edel und weich – und wird oft unter problematischen Bedingungen gewonnen. Bei Fin Projects wollte man das ändern und weiss deshalb genau, woher das Leder für die Produkte kommt. Neben Taschen gibt es auch Notizbücher und Agenden – vielleicht, um das Leben post Corona zu planen?