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Kolumne von Markus SommGenie der Selbstzerstörung

US-Präsident Donald Trump hat sich oft nicht im Griff, wenn es ums Reden geht. So hat er hat es geschafft, den ganzen Zorn einer aufgebrachten Nation auf sich zu ziehen.

Wo er Trost und Versöhnung hätte spenden sollen, rieb er Salz in die Wunden: Donald Trump hält vor der St. John’s Church in Washington eine Bibel hoch (1. Juni 2020).
Wo er Trost und Versöhnung hätte spenden sollen, rieb er Salz in die Wunden: Donald Trump hält vor der St. John’s Church in Washington eine Bibel hoch (1. Juni 2020).
Foto: Patrick Semansky (Keystone)

Vielleicht war es das. Hat Donald Trump seine Wiederwahl endgültig verspielt? Seit Derek Chauvin, ein weisser, offensichtlich krimineller Polizist, George Floyd, einen schwarzen Mann, mit einer seltenen Brutalität umgebracht hat, schwankt Trump, der Präsident der USA, zwischen Wahnsinn und Methode. Zuerst fand er den richtigen Ton nicht; wo er Trost und Versöhnung hätte spenden sollen, rieb er Salz in die Wunden, dann versteckte er sich im Weissen Haus vor den Demonstranten, und als man ihn einen Feigling zu nennen begann, marschierte er unter Polizeischutz zu einer Kirche und hielt eine Bibel in die Höhe, während etwas betreten seine Entourage um ihn herum stand, man wusste nicht, litten sie nur oder wären sie lieber vom Erdboden verschwunden. Wenige Tage später kritisierte Jim Mattis, ein brillanter General und einstiger Verteidigungsminister von Trump, seinen ehemaligen Chef: Er hielt ihm vor, das Land zu spalten statt es zu einen, sprach von «unreifer Führung». Aber was wohl schlimmer war: Trump warf sogleich eine Atombombe zurück: «Bin froh, dass er weg ist.» So infantil, so niederträchtig. Es war Trump, das Original, wie ihn so viele nicht ausstehen können, es war Trump, das Genie der Selbstzerstörung. Was immer er an Gutem tut – und das ist so vieles mehr, als seine Kritiker je zugeben könnten – er sprengt es selbst in die Luft, weil er, so scheint es, nicht anders kann.

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