Geniessen und gewinnen

Ottmar Hitzfeld will sich nicht zu sehr unter Druck setzen – aber heute mit dem ersten WM-Spiel gegen Ecuador beginnt für die Schweiz die Zeit der Bestätigungen.

Ab heute gilt es ernst: Ottmar Hitzfeld will an seiner letzten WM für positive Resutate mit der Schweiz sorgen.

Ab heute gilt es ernst: Ottmar Hitzfeld will an seiner letzten WM für positive Resutate mit der Schweiz sorgen. Bild: Keystone

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Das Rundherum zählt nicht, das Gesichtslose der Reissbrettstadt Brasília. Das Stadion ist wichtig, das Estadio Nacional, mit den steilen Tribünen, den 70'000 rot leuchtenden Schalensitzen, mit einem Rasen, der so Grün leuchtet, als wäre er angestrichen.

«Ich kann nicht warten, bis es losgeht», sagt Valon Behrami im Stadionbauch. Er hätte auch sagen können: endlich. Acht Monate nach der sicher gestellten Qualifikation, nach dreiwöchiger Vorbereitung in Weggis und Porto Seguro geht es nicht mehr um die Vorfreude, nicht mehr bloss um Worte und Parolen; es geht darum, dass die Schweizer bestätigen, was sie angekündigt haben.

Immer wieder haben sie in den letzten Tagen gesagt, wie gut sie trainiert hätten, wie intensiv, Ottmar Hitzfeld hat sogar den Begriff von «unglaublich intensiv» gebraucht. «Wir sind bereit für die Mission», meldet Captain Gökhan Inler. Auch bereit für den Achtelfinal?

Das ist das Minimalziel, «die Pflicht», wie Hitzfeld sagt. Gerade für ihn ist das von Bedeutung. Das frühe Ausscheiden vor vier Jahren in Südafrika empfand er als «persönliche Niederlage». Und Niederlagen machen sich in seinem Palmares nicht gut, schon gar nicht, wenn die Karriere mit diesem Turnier endet und danach keine Möglichkeit mehr zu einer Korrektur besteht.

Träume sind da, um sie zu verwirklichen

Hitzfeld bemüht sich wohl, sich entspannt zu geben, «ich muss mich nicht so unter Druck setzen», sagt er, «ich kann gelassen in das Turnier geben». Jeden Tag will er geniessen, jedes Training, jedes Spiel, solange er noch ein Trainer ist. Und er sagt: «Ich hoffe auch, dass ich das letzte Spiel geniessen kann.»

Um das zu können, müsste es weiter gehen als nur bis in den Achtelfinal, mindestens eine Runde weiter. Das ist sein Traum, und Träume seien da, um sie zu verwirklichen. Aber dafür muss seine Mannschaft zuerst einmal die Gruppenspiele erfolgreich überstehen, «die Finals», sagt Hitzfeld.

Da ist heute Sonntag einmal Ecuador: für Hitzfeld eine sehr starke Mannschaft mit guten Individualisten, mit einem effizienten Umschaltspiel und gefährlichen Kontern, mit Spielern, die Antonio und Enner Valencia heissen, Caicedo, Montero oder Noboa heissen. Und natürlich mit einer hervorragenden Organisation, weil für ihn alle Gegner immer hervorragend organisiert sind,

Am Freitag in Salvador ist Frankreich. Hitzfeld macht ihn nicht mehr zum alleinigen Gruppenfavoriten, kurz vor dem Start wird er offensiv. «Beide Mannschaften sind Favorit», erklärt er, Frankreich und die Schweiz.

In zehn Tagen schliesslich, am 25. in Manaus, ist Honduras. Über diesen Gegner sagt Hitzfeld noch nicht viel, er zieht es vor, über die eigene Mannschaft zu reden und ihre Entwicklung in den vergangenen dreieinhalb Jahren, in denen sie nur vier von dreissig Spielen verlor. Er schwärmt von der Mischung mit guten jungen und jungen erfahrenen Spielern, von einer grösseren offensiven Kreativität, einer unverändert stabilen Defensive. «Wir passen menschlich besser zusammen», fügt er bei, was doch ein bemerkenswerter Hinweis darauf ist, dass früher doch nicht alles so gut, wie es gemacht wurde. Und in der Zusammenfassung heisst das: «Darum bin ich mir sicher, dass wir den Achtelfinal erreichen.»

Djourou, Xhaka oder das Hoffen auf Hitzfelds Intuition

Drei optimale Leistungen sind gefragt und eine glückliche Hand Hitzfelds bei seinen Entscheiden. Alles deutet darauf hin, dass er Johan Djourou in der Innenverteidigung die Chance gibt, dem fehlerhaften, unbeständigen Schlaks. Und im Offensivzentrum baut er weiterhin auf Granit Xhaka, trotz dessen problembeladener Rückrunde im Verein. Heute wäre für beide eine ganz gute Möglichkeit zu zeigen, dass sie das Vertrauen ihres Chef wirklich verdienen.

«Über unsere Schwächen muss sich der gegnerische Trainer Gedanken machen», hat Hitzfeld noch gesagt und angefügt: «Er wird wenig finden.»

Erstellt: 15.06.2014, 08:39 Uhr

Shaqiri vor dem ersten WM-Auftritt

Die SchweizerAufstellung/Liveticker

Tor: Benaglio.
Verteidigung: Lichtsteiner, Djourou, Von Bergen, Rodriguez.
Mittelfeld: Behrami, Inler,
Shaqiri, Xhaka, Stocker.
Sturm: Drmic

Ersatzbank: Sommer/Bürki; Lang, Senderos, Ziegler, Schär; Barnetta, Dzemaili, Gelson Fernandes, Mehmedi; Gavranovic, Seferovic.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live ab 18 Uhr MEZ.

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