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Biosimilar-BarometerJährlich sollen 100 Millionen Franken Prämiengelder verschwendet werden

Nachahmerpräparate von bestimmten Medikamenten für Krebs- und Autoimmunerkrankungen bergen massives Sparpotenzial. Zu diesem Schluss kommt das erstmals veröffentlichte Biosimilar-Barometer.

In der Westschweiz und im Tessin werden häufiger Biosimilars eingesetzt als in der Deutschschweiz: In der Apotheke der Intensivpflege im Kantonsspital Freiburg wird ein Medikament abgefüllt.
In der Westschweiz und im Tessin werden häufiger Biosimilars eingesetzt als in der Deutschschweiz: In der Apotheke der Intensivpflege im Kantonsspital Freiburg wird ein Medikament abgefüllt.
Foto: Alessandro della Valle (Keystone) 

Das Sparpotenzial von Nachahmerpräparaten von biotechnologisch hergestellten Medikamenten wird in der Schweiz zu wenig ausgeschöpft. Zu diesem Schluss kommt das erstmals veröffentlichte Biosimilar-Barometer. Jedes Jahr würden so mindestens 100 Millionen Franken Prämiengelder verschwendet.

2020 seien rund 75 Prozent des Kostenanstiegs in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) auf Behandlungen von Krebs- und Autoimmunerkrankungen zurückzuführen, hiess es am Donnerstag in einer Mitteilung des Krankenkassenverbandes Curafutura, der Arbeitsgemeinschaft Biosimilar.ch und des Branchenverbandes Intergenerika.

Zentral bei der Behandlung dieser Krankheiten seien biotechnologisch hergestellte Medikamente, also Biologika. Diese seien komplex und teuer. Biosimilars stellen laut den Verfassern des Biosimilar-Barometers Schweiz 2020 eine kostengünstige und ebenso wirksame Alternative dazu dar. Das Schweizer Gesundheitswesen könnte damit um jährlich rund 100 Millionen Franken entlastet werden, wie die Berechnungen von Intergenerika ergeben haben.

Bereits vor Jahresfrist waren Forschende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in einem Expertenbericht zum Schluss gelangt, durch vermehrten Einsatz von Biosimilars könnten die Arzneimittelkosten jährlich um 17 bis 100 Millionen Franken gesenkt werden.

Falsche Anreize

Im heutigen System würden Apotheker und Ärzte umso mehr verdienen, je höher der Preis des Medikamentes sei, wird in der Mitteilung beklagt. Deshalb müsse das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rasch handeln und Fehlanreize wie das aktuelle Margensystem ausschalten, fordern Curafutura, Biosimilar und Intergenerika. Das beste Gegenmittel sei, die Vertriebsmargen anreizneutral auszugestalten. Andernfalls würden weiterhin Prämiengelder verschwendet.

Das Barometer deckt zudem «grosse, medizinisch nicht erklärbare Unterschiede zwischen den Regionen der Schweiz» auf. In der Westschweiz und im Tessin werden demnach deutlich häufiger Biosimilars eingesetzt als in der Deutschschweiz. Hier sehen die Urheber der Berechnungen die Spitäler und kantonalen Gesundheitsdirektionen in der Pflicht.

Das künftige Einsparpotenzial durch konsequenteren Einsatz von Nachahmerpräparaten ist gemäss Mitteilung sogar noch grösser, weil die Patente von umsatzstarken Biologika bald ablaufen. Entsprechende Biosimilars seien in Entwicklung.

Biosimilars sind den Originalpräparaten nicht komplett identisch, aber sehr ähnlich und müssen vergleichbare Wirksamkeit und Sicherheit aufweisen. Dabei sind sie aber bis zu 25 Prozent günstiger.

SDA

10 Kommentare
    Erika

    Diejenigen die das behaupten sind der Krankenkassenverband Curafutura, die Arbeitsgemeinschaft Biosimilar.ch und der Branchenverband Intergenerika. Die Krankenkassen möchten natürlich sparen und Biosimilar und Intergenerika möchten mit ihren Produkten mehr Umsatz machen. Für mich sind die drei alle nicht glaubwürdig.