Zum Hauptinhalt springen

Pressekonferenz von Natalie RickliJetzt infizieren sich die 30- bis 40-Jährigen

Ein Corona-Hotspot des Kantons Zürich ist der Bezirk Bülach, und es steckt sich eine andere Altersgruppe übermässig mit dem Virus an als zu Beginn der Pandemie. Wir berichteten live von einer Pressekonferenz des Kantons.

LIVE TICKER BEENDET

Zusammenfassung

Im Kanton Zürich haben sich in den vergangenen Wochen vermehrt Personen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren mit Covid-19 angesteckt. Die meisten Ansteckungen passierten im Umfeld von Familie, Arbeit und Schule.

Zu Beginn der Corona-Epidemie lag der Schwerpunkt der Ansteckungen in der Altersgruppe der über 50-Jährigen. In den vergangenen zwei Wochen hingegen hat sich dieser im Kanton Zürich auf die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen verschoben, wie Stefan Neubert, Verantwortlicher für die Datenanalyse in der Zürcher Gesundheitsdirektion, vor den Medien sagte.

Kurve steigt leicht an

Bei den über 50-Jährigen ist die Zahl der verzeichneten Neuansteckungen unterdurchschnittlich. «Das zeigt, dass diese Altersgruppe sich entsprechend schützt», sagte Neubert. Auch bei den Jugendlichen seien die Zahlen nicht überdurchschnittlich.

Der in den vergangenen rund zwei Wochen festgestellte Trend zu steigenden Fallzahlen sei nicht dramatisch. «Aber es ist sicher richtig, kritisch hinzuschauen.»

Am vergangenen Mittwoch wurden 16 positiv getestete Personen gemeldet. So viele wie seit Anfang Mai nicht mehr. Und auch auf Wochenbasis betrachtet haben sich die Zahlen seit dem Tiefstpunkt, der ungefähr Mitte Juni verzeichnet wurde, wieder erhöht.

Keine Infektionsherde entdeckt

Die Ansteckungen erfolgen gemäss Kantonsärztin Christiane Meier häufig im Umfeld von Familie, Arbeit und Schule. Eigentliche Infektionsherde oder gar einzelne Anlässe, bei der sich sehr viele Leute angesteckt haben, seien keine festgestellt worden. «Solche Häufungen würden wir im Rahmen des Contact Tracing feststellen können.» Im Bezirk Bülach sind derzeit prozentual am meisten Neuinfizierte zu verzeichnen, in den Bezirken Meilen und Hinwil am wenigsten.

Es liegen laut Meier keine Erkenntnisse bezüglich Ansteckungen an den teils grösseren Demonstrationen der vergangenen Wochen vor. «Aber es ist klar, dass solche Demonstrationen grundsätzlich gute Ansteckungsherde und deshalb aus infektiologischer Sicht nicht sinnvoll sind», sagte sie.

Rickli will keine Maskenpflicht im ÖV

Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) äusserte sich wie ihre Regierungsratskollegin Carmen Walker Späh (FDP) ablehnend bezüglich einer Maskenpflicht im ÖV. «Derzeit sehen wir keinen Bedarf dafür. Ich glaube auch nicht, dass die Zürcherinnen und Zürcher angesichts der eher tiefen Fallzahlen mitmachen würden», sagte sie. Man setze diesbezüglich weiterhin auf Eigenverantwortung. Sollten die Zahlen deutlich steigen, müsste man die Situation neu beurteilen.

In den vergangenen Tagen wurden in der Schweiz mehrere Personen, die aus Serbien, Pakistan und einem karibischen Land zurück in die Schweiz gereist sind, positiv getestet. «Mit Blick auf die bevorstehenden Sommerferien bereitet uns das Sorgen», sagte Meier. Laut Rickli steht der Kanton Zürich diesbezüglich in engem Austausch mit dem Bund. (sda/pu)

Ricklis Appell

«Wir sind gut aufgestellt, aber es braucht weiterhin viel eigenverantwortliches Handeln.» So schloss Rickli die Medienveranstaltung.

Frage: Droht eine erneute Schliessung der Clubs?

Auch das sei im Rahmen der Möglichkeiten, sagte Meier. «Musik-Clubs sind mögliche Herde.» Am besten wären aber auch hier ein koordiniertes Vorgehen mit anderen Kantonen.

Frage: Ist Zürich als Flughafenkanton gefährdeter?

Kann sein, sagt Meier. Allerdings reisten viele Eingereiste auch weiter in andere Kantone.

Frage: Wann ist Contact Tracing nicht mehr möglich?

Meier sagt, der Kanton Zürich könne 50 neue Indexfälle bewältigen.

Frage: Was ist mit dem 1. August?

Viele 1.-August-Veranstaltungen wurden abgesagt, sagte Rickli. Etwa jene zwei, an denen sie aufgetreten wäre. Es gebe keine Weisung vom Kanton, das müsse jede Gemeinde selber entscheiden.

Frage: Kommen Einreisebeschränkungen?

Diese Möglichkeiten gibt es, aber das müsste man mit dem Bund koordinieren, sagte Meier.

Frage: Was ist mit den Zürcher Schlachthöfen?

Es gibt bisher keine Fälle in Zürcher Schlachthöfen, sagte Rickli. Hier seien die hygienischen Verhältnisse auch anders als etwa in Nordrhein-Westfalen.

Frage: Wie viele Contact Tracer sind im Einsatz?

Meier sagt, es seien im Zentrum am Flughafen durchschnittlich 11 Contact Tracer im Einsatz. Insgesamt seien knapp 30 Personen entsprechend ausgebildet.

120 Personen seien derzeit in Quarantäne, exklusive der 80 Hort-Kinder aus Kloten.

Frage: Kommt die Maskenpflicht im ÖV?

Gemäss Rickli ist keine Maskenpflicht nötig. «Die Zürcherinnen und Zürcher würden auch nicht mitmachen», mutmasst sie.

Frage: Läuft die Maskenmaschine?

«Es ist im Tun», sagte Rickli. Glücklicherweise würden die FFP2-Masken jetzt nicht akut benötigt. Der Kanton Zürich sei aber auch besser aufgestellt gewesen als andere Kantone.

Der Kauf von zwei Maskenmaschinen für 1,6 Millionen Franken zusammen mit dem Bund war aber kein Flop, betonte Rickli. (Lesen Sie hier mehr dazu) Aber es sei «unschön», dass sie noch nicht laufen, räumte sie ein. «Die Firma hatte es uns schneller versprochen», sagte Rickli.

Frage: Gibt es Zahlen zu Antikörper-Tests?

Gemäss Neubert kann man im Juli dazu etwas sagen.

Contact Tracing

Bei 30 Personen weiss man, wie sie sich angesteckt haben, sagt Meier. Das seien nicht so viele.

Frage: Haben Demos einen Einfluss auf Infiziertenzahl?

Rickli sagt, sie finde die Demonstrationen aus gesundheitlicher Sicht «gar nicht gut», da das Risiko einer Ansteckung höher ist.

Gemäss Meier gibt es keine Hinweise, dass sich jemand an einer der jüngsten Demos angesteckt hat.

Rickli appelliert an die Eigenverantwortung.

Meier setzt auf App

Die Kantonsärztin hat die Hoffnung, dass die Covid-App des Bundes das Contact Tracing entlastet.

Frage: Sollten die Behörden nicht mehr kommunizieren?

Rickli findet, es werde sehr viel kommuniziert, zum Beispiel vom Bund.

Frage: Gibt es eine Ausbreitung unter Kindern?

Meier sagt nein, aber es werde vermehrt getestet. Jetzt gebe es eine Sommergrippe und Pfnüsel, es seien also viele Tropfen «unterwegs».

Wenn es in einer Klasse ein infiziertes Kind gibt, wird nicht die ganze Klasse getestet – in der Regel. Eine Schule habe das gemacht, berichtet Meier.

Frage: Woher kommen die im Ausland Infizierten?

Aus Serbien und zwei weiteren Ländern, sagte Meier. Ein karibisches Land und Pakistan.

Frage: Hat Zürich genügend Material?

Beatmungsgeräte wurden zugekauft, sagte Natalie Rickli. Es sei noch unklar, wie viele die Spitäler nun übernehmen.

Frage: Quarantäne an Schulen

Wenn ein Kind angesteckt ist, muss nicht die gesamte Klasse in Quarantäne. Sind es mehr, müssen alle in Quarantäne, wie etwa in Kloten.