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Kommentar zu den ImpfpreisenGigantische Gewinne mit Covid-Impfstoffen sind ethisch unzulässig

Die Pharmabranche muss in der Pandemie von ihrem Geschäftsmodell abrücken. Alles andere wäre Erpressung.

In der Corona-Pandemie müssen weltweit Milliarden Menschen geimpft werden. Der Impfstoff muss für alle bezahlbar sein.
In der Corona-Pandemie müssen weltweit Milliarden Menschen geimpft werden. Der Impfstoff muss für alle bezahlbar sein.
Foto: Murad Sezer (Reuters)

Der Preis der Pandemie: Dieser Satz ist bislang nur im Zusammenhang mit Staatshilfen gefallen. Mit der Aussicht auf das erste Vakzin von Pfizer/Biontech muss er nun auch mit Bezug auf die Pharmaindustrie verstanden werden: Wie hoch darf der Preis sein, den Pharmakonzerne für Impfstoffe gegen die Pandemie verlangen? Wird darüber nicht öffentlich verhandelt, könnte er fast höher ausfallen als die Milliarden, die die Schweiz und andere Staaten an Corona-Hilfen bereitstellen.

Die Margen der Pharmaindustrie sind so hoch wie in kaum einer anderen Branche, fast jeder dritte Franken an Umsatz bleibt an Reingewinn bei den Konzernen. Dieses Geschäftsmodell auch bei Pandemietherapien aufrechtzuerhalten, käme einem Raubzug gleich. Denn mit dem Covid-Vakzin lassen sich dank Masseneffekt selbst bei kleinsten Margen riesige Gewinne machen.

Das Geschäftsmodell der Pharmakonzerne auch bei Pandemietherapien aufrechtzuerhalten, käme einem Raubzug gleich.

Einige Firmenchefs haben schon im Sommer publik gemacht, dass sie an der Corona-Krise nichts verdienen wollen – oder fast nichts. Allerdings kann sich das ändern: Pfizer/Biontech etwa haben nicht damit gerechnet, dass ihr Impfstoff mit einem Schutz von 90 Prozent derart wirksam ausfallen dürfte. Das könnte nun den Preis treiben.

Der Markt darf genau jetzt aber nicht spielen. Natürlich werden die Impfungen mit dem besten Wirkprofil die begehrtesten sein. Gigantische Gewinne mit Impfstoffen sind während einer Pandemie jedoch unethisch; sie wären Erpressung. Selbst Finanzanalysten von Banken, die Pharmakonzerne sonst meist nur danach beurteilen, wie viel Wachstum sie erzielen, sträuben sich die Haare.

Hohe Gewinne auf Covid-Vakzine liessen zudem arme Staaten auf der Strecke. Das wäre nicht nur unethisch, sondern auch unökonomisch. Die Beratungsfirma Boston Consulting konstatiert: «In einer globalisierten Welt kann die Wirtschaft nur wiederhergestellt werden, wenn in allen Staaten die Pandemie besiegt wird.»

116 Kommentare
    Hemmi Hans

    Wieso hier nach offenbar erfolgreicher Forschung und Testphase der markt nicht spielen dürfte ist mir auch nach diesem Artikel nicht klar. Kein einziges Argument, weder künftiger Preis noch die Produktionskosten für Aufbau und Verteilung, wobei die Verteilungslogistik das größte Problem darstellt, sind weder bekannt noch erwähnt.

    Was ist ein ethischer Preis? Haarschneiden für 100CHF oder 50CHF für eine Impfung? Alles relativ und für die reiche Schweiz unerheblich. Wichtiger dürfte die notwendige triage auch hier werden: „Wer hat als erste Zugang?“ Hoffentlich nicht wir pensionierten Ü70er und Mehrfachvorerkrankten.

    Krampfartikel einer Schreibtischtäterin. Hilft weder den Infizierten, noch den ärmeren, noch nicht, Infizierten.

    Die schnellen Resultate kamen nur dank der freien Konkurrenz in der Wirtschaft zu Stande. Von den Vakzinen der Totalitären in Russland und China haben wir nichts mehr gehört.