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Kurzfilmtage WinterthurGlück in China, Pech in der Ukraine

Die 24. Ausgabe des Winterthurer Kurzfilmfestivals richtet den Blick gen Ostasien und in die Ukraine. Wegen Corona nur online.

In einem Grosshandelsmarkt bei Shanghai wartet ein Verkäufer auf Kundschaft: «Commodity City».
In einem Grosshandelsmarkt bei Shanghai wartet ein Verkäufer auf Kundschaft: «Commodity City».
Foto: Internationale Kurzfilmtage Winterthur

Die diesjährigen Kurzfilmtage waren von Anfang an als Hybridfestival geplant: Ein Teil des Programms sollte in den Kinos stattfinden, ein Teil davon online. Nun mussten wegen den aktuellen Coronamassnahmen alle Vorstellungen in den Sälen abgesagt werden. Aber immerhin kann man sich auf der Website der Kurzfilmtage die beiden Länderschwerpunkte ansehen.

Festlandchina, Hongkong, Taiwan

Der Fokus liegt auf Ostasien. Unter anderem besuchen wir ein abgelegenes Dorf in Tibet: Ein Fotograf und sein Assistent sind mit einem mobilen Studio angereist und lichten die Leute vor grossformatigen Fototapeten ab. So wählt ein Hochzeitspaar eine Villa als Hintergrund – als der Bürgermeister mit seinem Motorrad vorbeifährt, leiht der Bräutigam das Gefährt aus. Damit wirkt das Paar noch wohlhabender. Oder da posieren drei Buben als Medaillengewinner vor der Abbildung eines Olympiastadions; Baumstümpfe dienen ihnen als Podeste.

«La lampe au beurre de yak» mischt Fiktionales und Dokumentarisches und erzählt davon, was für Wunschbilder die moderne Welt bis ins tibetanische Hinterland trägt. 2015 war der Film für den Kurzfilm-Oscar nominiert.

Ein Beispiel dafür, wie solche Wunschbilder bedient werden, zeigt «Commodity City»: Der Yiwu-Markt ist ein Grosshandelsmarkt südlich von Shanghai. Der Komplex hat gigantische Ausmasse. An Zehntausenden von Ständen werden Kunstblumen, Santa-Claus-Puppen oder Kugelschreiber angeboten – billige Ware, die später in den Ramschläden und Kaufhäusern der ganzen Welt landet.

Die Kurzdoku konzentriert sich auf die Verkäuferinnen und Verkäufer. Sie schlagen die Zeit tot, während sie auf Händler warten, oder feilschen am Telefon. Viele von ihnen sind junge Mütter, die ihre Kinder mitbringen, weil es keine anderen Betreuungsmöglichkeiten gibt. Ein interessanter Blick hinter die Kulissen des globalisierten Kapitalismus.

«La lampe au beurre de yak» im Programmblock «We Are the People». «Commodity City» im Programmblock «Made in China». Stream.

Ukraine

Maryna Vroda stammt aus Kiew und hat dort 2007 ein Regiestudium abgeschlossen – seither hat sie mit ihren Kurzfilmen international viel Aufmerksamkeit erregt. Für «Cross» erhielt sie 2011 in Cannes die Goldene Palme für den besten Kurzfilm. Da gehts um einen Schulausflug in die freie Natur: Sporttag. Bei einem Waldlauf setzen sich ein paar Schüler ab. Einer wird von den anderen gemobbt, geschlagen und allein zurückgelassen.

Im Wald begegnet der Teenager einer Gruppe von Bodybuildern und wird Zeuge eines Raubüberfalls. Das surrealistisch gefärbte Porträt der ukrainischen Jugend. Die Kurzfilmtage widmen Maryna Vroda einen eigenen Programmblock mit all ihren bisherigen Werken. Die 38-Jährige wird zudem für ein Gespräch zugeschaltet.

«Cross» im Programmblock «Maryna Vroda: On Departures and New Beginnings». Stream.