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Tenniskrimi in New YorkGouverneur Cuomo wollte nicht mit Djokovic reden

Wegen politischer Ränkelspiele wurde der Franzose Adrian Mannarino beinahe vom US Open ausgeschlossen. Wie das Tennisturnier zur Staatsaffäre wurde.

Spielt er? Spielt er nicht? Adrian Mannarino musste Stunden auf seinen Einsatz warten.
Spielt er? Spielt er nicht? Adrian Mannarino musste Stunden auf seinen Einsatz warten.
Foto: Keystone

Alexander Zverev mag ab und zu einen Doppelfehler produzieren. Doch wenn der Deutsche mit russischen Wurzeln nicht gerade einen zweiten Aufschlag machen muss, ist er ziemlich entspannt. Das wurde ihm während der Pandemie auch schon vorgeworfen, weil er kurz nach der streitbaren Adria-Tour, an der sich diverse Spieler mit Covid-19 angesteckt hatten, auf einer Party auftauchte, obschon er eigentlich hätte in Quarantäne sein sollen. Aber diese Entspanntheit hat durchaus auch ihre positive Seiten. Zum Beispiel, wenn man ein Drittrundenspiel am US Open bestreiten sollte, dieses aber wegen politischer Streitigkeiten auf der Kippe steht.

Zverev und Adrian Mannarino hätten am Freitag eigentlich um 14.30 Uhr Ortszeit auf dem Court sollen, doch in letzter Minute wurde der Franzose davon abgehalten. Mannarino gehört ja zu den «Paire Eleven», zur Gruppe, die mit dem auf Covid-19 positiv getesteten Benoît Paire Kontakt gehabt hatte. Trotzdem durfte er seine Matches spielen, das segnete die Stadt New York ab. Doch am Freitag griff der Staat New York ein und verbot ihm das Tennisspielen.

Ein Konflikt also zwischen Bill de Blasio, dem Bürgermeister New Yorks, und Andrew Cuomo, dem Gouverneur des Bundestaats New York? Beide Demokraten, übrigens. Cuomo, ein erklärter Trump-Gegner, hatte sich jüngst ja dafür feiern lassen, dass er die Austragung des US Open zu Coronazeiten möglich machte. Wieso nun also diese Kehrtwende?

Zverev, der Entspannte, nahm zur Kenntnis, dass sein Spiel offenbar noch nicht stattfinden könne, begab sich in seine Loge im Arthur Ashe Stadium und sonnte sich mit nacktem Oberkörper. Die Bilder davon verbreiteten sich auf den sozialen Medien wie ein Lauffeuer, und natürlich auch die Frage: Was ist los? Ist nun auch Mannarino positiv getestet worden? Luka Mladenovic, der Bruder von Kristina, der Französin, die lautstark die Bedingungen am US Open kritisiert hatte, geklagt, sie werde behandelt «wie eine Gefangene oder Kriminelle», schrieb derweil auf Twitter: «Wenn ihr nur wüsstet, was hier alles vor sich geht. Das wäre Stoff für eine Netflix-Serie, ich schwöre es. Ihr wisst nur von zehn Prozent.»

Novak Djokovic, der selbsternannte Retter des Tennis, der erst am Abend spielen sollte, bekam derweil Wind vom Fall Mannarino und versuchte, Gouverneur Andrew Cuomo zu kontaktieren. Doch der hatte offenbar keine Zeit oder Lust, sich mit dem Serben zu unterhalten. Irgendwann kam dann die Meldung, Mannarino dürfe nun doch spielen. Also zog Zverev sein T-Shirt wieder an und begab sich nach unten auf den Platz. Da spielte er zwei Sätze lang wie jemand, der gerade ein Sonnenbad genommen und sich dann entschieden hat, noch etwas Tennis zu spielen. Er bog die Partie dann aber noch um und gewann in vier Sätzen.

Der US-Tennisverband verschickte zur Affäre eine nichtssagende Medienmitteilung mit dem Hinweis, man könne nicht in die Details gehen. Fakt ist: Durch das Einlenken des Staates New York, möglicherweise durch einen Fingerzeig Cuomos, konnte in letzter Minute ein Fiasko fürs Turnier abgewendet werden. Was Mannarino betrifft: Er bestätigte, dass er, obschon ausgeschieden und stets negativ getestet, bis am nächsten Freitag in seinem Hotelzimmer bleiben muss. Gemäss der Quarantänevorschriften des US Open.

Mladenovic nun ausgeschlossen

Es soll, so heisst es, indes diplomatische Bemühungen Frankreichs geben, die mehrheitlich französischen Spieler der «Paire Eleven» schon früher «freizubekommen». Diese wollen so schnell wie möglich nach Hause. Am Samstag nahm das Ganze nun eine weitere Wendung: Kristina Mladenovic, im Doppel zusammen mit Timea Babos als Nummer 1 gesetzt und in der zweiten Runde, wurde vom Bezirk Nassau, in dem das Spielerhotel liegt, vom Turnier (in Queens) ausgeschlossen. Wegen ihres Kontakts mit Benoît Paire. Ein Schelm, der denkt, das sei die Retourkutsche für ihre vernichtende Kritik.

Die Spielregeln scheinen sich inzwischen täglich zu ändern. Das US Open 2020 ist längst weit mehr als ein Tenniskrimi. Für diesen Stoff könnte sich nicht nur Netflix, sondern auch John Le Carré interessieren.

3 Kommentare
    Yve Delaquis

    Könnte jemand Simon Graf, der in der Tennis- und Turnierterminologie sichtbar... punktet, ein Paar Stunden (Privat-?)unterricht in... deutscher Grammatik erteilen? Dort würde man nämlich öfters „out!“ rufen...