Spektakulärer Abbruch in Regensdorf Grösster Bagger Europas zerlegt das Studer-Revox-Gebäude
Vom Gewerbehaus beim Bahnhof Regensdorf, einst Produktionsstätte weltberühmter Tonbandgeräte, steht nur noch das Gerippe. Riesige Bagger zerbröseln den Bau.

Das Spektakel fesselt nicht nur ehemalige Mitarbeitende, die den Abbruch ihrer alten Arbeitsstätte live mitverfolgen. Manche Passantin zückt das Handy, wenn die zwei riesigen Bagger mit ihren Beisszangen in 30 Meter Höhe die Wände anknabbern. Mancher Vater beobachtet mit seinen Kindern, wie der Raupenkran einen Schutzvorhang hochzieht, um die Strasse vor herunterfallenden Brocken zu schützen.
Der Rückbau des Gebäudes mit seinen sieben Stockwerken ist selbst für die Abbruchfirma eine grosse Sache. Polier Stefan Knüsel hat als Baustellenverantwortlicher zwei Gruppen im Einsatz: Drei Personen entkernen die letzten Räume, entfernen also sämtliche Installationen und Einrichtungen. «Alles, was zuerst ins Gebäude reingekommen ist, nehmen wir jetzt zuletzt heraus», bringt Knüsel das Vorgehen auf den Punkt.
Sieben Personen sind es derzeit auf der Baustelle. Ein Kranführer steuert den Riesenbagger, den sogenannten A-Rex, während ein Teamkollege von einer Hebebühne aus die Arbeiten verfolgt, ab und an Anweisungen gibt und den Staub mit Wasser in Schach hält. Ein weiterer Baggerführer arbeitet im zweiten Bagger, immerhin auch ein 200-Tonnen-Koloss, während Kollegen mit kleineren Baggern den Bauschutt wegräumen und die Armierungseisen zu einem Metallberg aufschichten. Knüsel koordiniert die Arbeiten und achtet konzentriert darauf, dass Mensch und Maschine stets in sicherem Abstand sind.
Der Polier ist mit seinem Team seit dem 5. Mai in Regensdorf. Knüsel erklärt kurz den Terminplan: Zuerst kam der Rückbau der Tiefgarage. Dann füllten sie die Grube mit Bauschutt auf, sodass die Bagger darüberfahren können, um möglichst nahe ans Gebäude zu gelangen. Seit Dienstag, 15. Juni, werden nun die sieben Stockwerke von oben her abgerissen. Bis das Gebäude bodeneben weg ist, dauert es nochmals vier Wochen.
Derzeit ist der grösste Rückbaubagger Europas, der 300 Tonnen schwere und 757 PS starke A-Rex, täglich im Einsatz. Der Mann am Steuer – oder eher am Bildschirm – im Hightech-Gerät ist René Rölli.

Der gelernte Landwirt und Maurer ist der einzige Fahrer des Riesenbaggers. «Es ist eine komplexe Maschine. Die Steuerung braucht viel Erfahrung», sagt Rölli. Natürlich sei er stolz, den grössten Bagger Europas steuern zu dürfen, aber dahinter stehe eine enorme Verantwortung. «Jeder Handgriff muss sitzen.» Im Übrigen seien Abbrucharbeiten nur im Team zu bewältigen – auch mit dem weltbesten Bagger. Ein Rückbau bedinge auch, dass sich Maschinisten und Bauarbeiter täglich neu absprechen.
Röllis engster Teamkollege ist Qun Kodraj, mit dem er per Funk immer in Kontakt ist. Wenn Rölli vom A-Rex aus nicht genau sieht, wo die Beisszangen zupacken, erhält er Hilfe von Kodraj. Die beiden bilden ein langjähriges Gespann: «Wir haben noch nie Krach gehabt», sagt Rölli und lacht. «Dabei bin ich mehr Stunden am Tag mit ihm zusammen als mit meiner Frau.»
«Je mehr Platz wir haben, umso einfacher können wir arbeiten.»
Dass Teamwork das A und O beim Abbruch ist, demonstrieren die Maschinenführer, wenn sie nahe bei den Strassen arbeiten. «Je mehr Platz wir haben, umso einfacher können wir arbeiten», so Rölli. Auf der Seite des Ostrings liegen aber nur sechs Meter zwischen dem Gebäude und der Bushaltestelle. Da ist Präzisionsarbeit gefragt.
Rölli ist mit seinem A-Rex noch vier Wochen im Einsatz. Danach gehts zum nächsten Abbruch. Sobald das Gebäude bodeneben abgerissen ist, wird Aregger den zweiten Teil der alten Tiefgarage entfernen und die Baugrube fürs neue Projekt ausheben. Dazu gehört auch die Kanalisation. Diese muss an die Rohre unter der Feldstrasse angeschlossen werden. Das heisst: Ab 21. Juni muss der Verkehr für knapp drei Wochen um die Baustelle kurven. Damit auch Lastwagen durchkommen, wird sogar eine Strasseninsel weggespitzt.
Regensdorfer Tontechnik lebt weiter
Der Rückbau des Firmensitzes und Produktionsstandorts schmälert die Verdienste des Industriepioniers Will Studer und seiner Firmen nicht. Denn die Geschichte bleibt beeindruckend: von den Anfängen mit seinem Vater 1948 in einer kleinen Garage über den Höhepunkt 1986 mit rund 2000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 220 Millionen Franken bis zum Ausverkauf, den Entlassungen und der Zerschlagung der Firmen 1994.
Doch das Vermächtnis der Regensdorfer Firmengruppe lebt weiter. Von der Firma Studer bleibt zwar nur der Name übrig. Neue Besitzerin ist seit Januar 2021 die kanadische Firma Evertz Technologies Limited. Revox besteht indes weiter und produziert komplette Audiosysteme für den Heimgebrauch. Der Firmensitz ist noch immer in Regensdorf, wenige Hundert Meter entfernt an der Wehntalerstrasse. Nur sind die Geräte mittlerweile «made in Germany».
Beatles produzierten Hits mit Studer-Tongeräten
Weltbekannt wurde die Regensdorfer Firma, als die Abbey Road Studios in London in den 1960er-Jahren auf Studer-Geräte umstellten. Dort standen damals acht Maschinen des Typs Studer J37 zur Verfügung, wie auf Studerundrevox.de zu lesen ist. Auch heute gibts in London noch ein Studio mit der Originalausrüstung aus dieser Zeit. Mit der Studer J37 haben die Beatles und Cliff Richard ihre Hits produziert. Im Video (auf Englisch) lässt das Londoner Studio die alten Tonbandmaschinen nochmals aufleben.
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Paul McCartney nutzte das Studiotonbandgerät Studer J37 für seine Aufnahmen mit den Beatles, wie im Video (auf Englisch) schön zu sehen ist.
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