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Coronavirus in der Schweiz+++ Briten-Mutation erreicht Schaffhausen +++ 4320 Neuinfektionen +++ SVP will offene «Beizen für Büezer»

Die Fallzahlen in der Schweiz sind nach einem leichtem Abflauen Mitte Januar wieder etwas angestiegen. Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Seit dem 18. Januar ist die Schweiz im zweiten Lockdown. Die neuen Massnahmen gelten bis zum 28. Februar.

  • Die Zahlen zu den Corona-Mutationen aus Grossbritannien und Südafrika steigen rasch an. Gesamthaft sinken die Fallzahlen aber seit Tagen leicht.

  • Alle Kantone haben mit dem Impfen von gefährdeten Personen begonnen.

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LIVE TICKER

Briten-Mutation erreicht Schaffhausen

Die Virusvariante B 1.1.7 aus Grossbritannien hat nun auch den Kanton Schaffhausen erreicht. Am Sonntag wurde dort erstmals eine Ansteckung mit dieser Mutation des Corona-Virus nachgewiesen.

Die positiv getestete Person befindet sich bereits seit Samstag in Isolation, wie das Schaffhauser Gesundheitsamt am Montag mitteilte. Der Ansteckungshergang ist unbekannt.

Die Corona-Mutation hat den Kanton Schaffhausen erreicht. Blick auf den winterlichen Rheinfall in Neuhausen. (Archivbild)
Die Corona-Mutation hat den Kanton Schaffhausen erreicht. Blick auf den winterlichen Rheinfall in Neuhausen. (Archivbild)
Foto: Melanie Duchene (Keystone)

Angesichts der hohen Übertragbarkeit der neuen Variante wurde Contact Tracing in einer erweiterten Form durchgeführt, um Infektionsketten möglichst schnell zu unterbrechen.

Eine Quarantäne wurde nicht nur für alle engen Kontaktpersonen der positiv getesteten Person angeordnet, sonder wiederum auch für enge Kontakte dieser Personen. Die Kontakte wurden im Zeitraum von fünf Tagen vor Symptombeginn der positiv getesteten Person ermittelt.

Das erweiterte Contact Tracing wird im Kanton Schaffhausen ab sofort bei jedem bestätigten Fall einer Virusmutation aus England oder Südafrika erweitert durchgeführt.

Basel-Stadt lehnt Vorschlag für härteres Grenzregime ab

Der Kanton Basel-Stadt lehnt das von den Parteichefs in einem offenen Brief an den Bundesrat geforderte schärfere Grenzregime ab. Das meldet der Regierungsrat in einer Medienmitteilung. Die Umsetzung angesichts von 35'000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger sei «nicht praktikabel» und würde ausserdem die «regionale Wirtschaft schwer treffen», heisst es im Schreiben. Das Verhältnis zu den Nachbarländern würde durch die einseitige Massnahme belastest, das regionale Gesundheitswesen geschwächt.

Die Sonntagszeitung hatte berichtet, dass die Parteipräsidentinnen und -präsidenten von SVP, SP, Mitte, FDP, Grünen und GLP neue Massnahmen an der Grenze fordern. So sollten praktische alle Einreisenden fünf Tage in Quarantäne – auch wenn ein negativer Corona-Test vorliegt. Mit diesen Massnahmen «gegen den Import von Viren» könnten die Risiken im Inland markant reduziert werden, so die Parteichefs.

SVP lanciert Petition «Beizen für Büezer»

Tausende von Berufsleuten müssen auch bei Kälte draussen arbeiten. Da wegen der Covid-19-Pandemie die Restaurants geschlossen sind, können sich viele von ihnen über Mittag nicht aufwärmen. Die SVP lanciert eine Petition, die Restaurants ab sofort als «Kantinen» zu öffnen.

Von der Petition «Beizen für Büezer» sollen all jene profitieren, die über Mittag weder in eine geheizte Kantine mit Strom und Toilette noch nach Hause können, teilte die Partei am Montag mit. Mit der Restaurantöffnung hätten sie wieder eine Gelegenheit zu einer warmen Mahlzeit sowie zum Aufwärmen.

Gerade bei grosser Kälte braucht der Körper Erholungspausen, vor allem bei körperlichen Tätigkeiten, wie die SVP schreibt. Das Aufwärmen reduziere zudem das Risiko von Betriebsunfällen. Wenn das Bundeshausrestaurant während der Session zur Kantine werde, müsse das auch für jedes Restaurant befristet möglich sein.

BAG meldet 4320 Neuinfektionen

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem BAG am Montag innerhalb von 72 Stunden 4320 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden, gegenüber 4703 am Montag vor einer Woche. Gleichzeitig registrierte das BAG 85 neue Todesfälle und 129 Spitaleinweisungen.

Die Positivitätsrate für die vergangenen zwei Wochen lag bei 10,5 Prozent, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) weiter mitteilte. Im gleichen Zeitraum wurden pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner 328,83 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet.

Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, lag vor rund zehn Tagen bei 0,93.

Seit Beginn der Pandemie wurden in der Schweiz und in Liechtenstein 4'190'785 Tests auf Sars-CoV-2 durchgeführt, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19. Insgesamt gab es 513'599 laborbestätigte Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus.

21'358 Personen mussten bisher wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung belief sich auf 8430.

Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung befanden sich laut Angaben des BAG 16'974 Menschen in Isolation und 26'072 Menschen in Quarantäne. Zusätzlich befanden sich 2917 Personen in Quarantäne, die aus einem Risikoland heimgekehrt waren.

Nächste Impfstoff-Lieferung sollte in den kommenden Tagen kommen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erwartet in den kommenden Tagen die nächste Lieferung des Impfstoffs von Pfizer/Biontech. Die Herstellerfirmen haben derzeit mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen.

Pfizer habe aktuell in ganz Europa Lieferverzögerungen, weil das Unternehmen die Produktionskapazitäten ausbaue, teilte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Es handle sich aber um eine Verlangsamung und nicht um einen Lieferstopp. Das BAG gehe davon aus, dass diese Lieferverzögerungen im ersten Trimester ausgeglichen sein werden. In den kommenden Tagen sollten die nächsten Dosen eintreffen.

Mutation auch im Kanton Luzern – Schnelltests in Heimen

Im Kanton Luzern sind vier Fälle des mutierten britischen Coronavirus nachgewiesen worden. In zehn weiteren Fällen trat eine unspezifische Mutation auf. Darum führt der Kanton in Alters- und Pflegeheimen ab Montag Schnelltests ein.

Die Schnelltests in den Heimen sind freiwillig, wie der Kanton mitteilte. Die Erfahrungen mit den Tests sollen nach einer Woche ausgewertet werden, anschliessend entscheiden die Behörden über das weitere Vorgehen.

Ein Besucher aus Grossbritannien steckte in einer Landgemeinde drei Verwandte mit der britischen Mutation (B.1.1.7) an. Eine weitere Person, ebenfalls in einer Landgemeinde, steckte sich mit grosser Wahrscheinlichkeit in St. Moritz mit B.1.1.7 an. Ihr Ehepartner wies beim Test eine andere Mutation auf. In allen Fällen traf der Kantonsarzt Roger Harstall die notwendigen Vorkehrungen gegen die Ausbreitung der Mutationen.

Über drei Viertel der Führungskräfte 2021 ohne Lohnerhöhung

Aufgrund der Pandemie werden viele Schweizer Führungskräfte dieses Jahr bei der Lohnrunde leer ausgehen. Das zeigt eine Lohnstudie des Beratungsunternehmens Robert Walters. Demnach kann sich weniger als jeder vierte auf eine Lohnerhöhung freuen.

Dennoch blickten 65 Prozent der Führungskräfte mit Zuversicht in die Zukunft ihres brancheneigenen Arbeitsmarktes, schreibt Robert Walters in einer Mitteilung vom Montag. Das Personalberatungsunternehmen hat für seine Lohnstudie Daten aus Personalvermittlungsgesprächen 2020 sowie aus einer Online-befragung von 300 Führungskräften in der Schweiz zusammengetragen.

Zu den Glücklichen, deren Lohn steigen dürfte, gehören etwa Mitarbeitende mit juristischer Verantwortung wie Compliance Officer. Ihr Lohn könnte je nach beruflicher Erfahrung zwischen 7 bis 17 Prozent steigen. Auch im Technologiebereich winken Lohnerhöhungen, zum Beispiel für Software Engineers (+13%). Aber auch Führungskräfte, die Warenflüsse optimieren und kontrollieren wie Head of Supply Chain oder Planning Director (jeweils +10%), sind nun gefragt ebenso wie Finanzchefs (+8%).

Mutiertes Virus an der Schule: Massentests in Wangen an der Aare

Der Kanton Bern lässt Corona-Massentests in Wangen an der Aare durchführen. Das teilte er am Montag mit. Er will so klären, ob in dem Ort im Oberaargau tatsächlich eine Häufung des mutierten Virus aus Grossbritannien aufgetreten ist.

Testen will der Kanton sämtliche Schülerinnen und Schüler, alle Lehrpersonen und allenfalls auch das administrative Personal. Die Tests seien wie immer freiwillig, sagte Gundekar Giebel, Sprecher der bernischen Gesundheitsdirektion, auf Anfrage.

Italiener werden im Tessin kremiert

In den Tessiner Krematorien in Lugano und Chiasso hat sich die durch die Corona-Pandemie bedingte Übersterblichkeit deutlich bemerkbar gemacht. 2019 wurden 1650 Feuerbestattungen durchgeführt, 2020 waren es bereits 2400, berichtet CH Media am Montag.

in Sarg fährt im Krematorium in den Einäscherungsofen. (Symbolbild)
in Sarg fährt im Krematorium in den Einäscherungsofen. (Symbolbild)
Foto: Keystone

Eingeäschert werden demnach nicht nur einheimische Todesfälle, kremiert werden im Tessin auch Leichnamen aus Italien. Italienische Bestattungsunternehmen bringen die Särge in die Südschweiz und einen Tag später die Urnen zurück nach Italien.

In einem normalen Jahr werden in Lugano und Chiasso rund 120 Personen aus Italien eingeäschert; 2020 waren es zirka 600.

Grund für die Zunahme ist auch die bedingte Kapazität des Krematoriums von Como. Nachdem es zuvor jahrelang geschlossen war, hat es im Mai 2020 den Betrieb wieder aufgenommen; maximal sechs Kremationen pro Tag sind möglich.

Dagegen sind in den Krematorien von Chiasso und Lugano zusammen täglich bis zu 24 Einäscherungen möglich, weshalb viele Familien aus dem Raum Como auf die Tessiner Krematorien ausweichten, schreibt CH Media weiter. Zudem sei trotz Gebühren eine Feuerbestattung mit Beisetzung in Urnenwänden wesentlich günstiger als eine Erdbestattung mit der Miete eines Grabes. Der Betreiber der Krematorien ist deshalb überzeugt, dass beim Entscheid der Bestattungsart die Kostenfrage fast immer ausschlaggebend ist.

Schwangere mit Zusatzrisiken sollen sich impfen lassen können

Schwangere mit Zusatzrisiken sollen sich impfen lassen können, wenn sie dies wünschen. Darauf haben sich die Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) geeinigt.

«Zunächst hat das BAG mitgeteilt, dass Schwangere sich gar nicht impfen lassen können. Nun haben wir uns aber so geeinigt, dass Schwangere, wenn sie Zusatzrisiken haben, eine Impfung haben können – nach Abwägung von Vor- und Nachteilen der Impfung» sagte Daniel Surbek, Vorstandsmitglied de Fachgesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) und Chefarzt für Gynäkologie am Berner Inselspital, am Montag gegenüber Radio SRF.

Demnach gilt die Impfempfehlung nur für Schwangere mit Zusatzrisiken. Die Zurückhaltung kommt daher, dass es kaum Daten zu möglichen Nebenwirkungen der neuen Impfung gegen das Coronavirus gibt. Bis im Frühling erhofft sich Surbek verlässliche Daten zur Wirkung des Impfstoffes bei Schwangere. «Wenn diese Daten keine Hinweise zeigen auf unerwünschte Nebenwirkungen, dass sollten auch alle Schwangeren die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen», sagte Surbek.

Jeder dritte Schweizer wünscht sich schärfere Corona-Massnahmen

Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung spricht sich laut einer Umfrage für strengere Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus aus. Gut ein Drittel (38 Prozent) gibt an, die aktuellen Massnahmen des Bundes und der Kantone gingen zu wenig weit.

Für ein weiteres Drittel sind sie gerade richtig, während das verbleibende Drittel findet, die Massnahmen seien zu strikt. Das geht aus einer Umfrage von Tamedia und «20 Minuten» hervor, die diese Medien am Montag veröffentlicht haben.

Sollte sich die epidemiologische Lage verschlechtern, ist gut die Hälfte der befragen Personen bereit, die Skigebiete zu schliessen. Eine knappe Mehrheit befürwortet PCR-Tests für Personen, die in die Schweiz einreisen wollen.

Sollte sich die Lage verschlechtern, befürwortet jeder zweite Schweizer eine Schliessung der Skigebiete: Ein «Covid Angel» in Anzere am 24. Januar 2021.
Sollte sich die Lage verschlechtern, befürwortet jeder zweite Schweizer eine Schliessung der Skigebiete: Ein «Covid Angel» in Anzere am 24. Januar 2021.
Keystone

Andere Massnahmen wie Grenzschliessungen (39 Prozent), Schulschliessungen (35 Prozent) oder eine Maskenpflicht im Freien (21 Prozent) finden weniger Zustimmung. Uneinig sind sich die Befragten, ob die Einschränkungen für geimpfte Personen gelockert werden sollten. 47 Prozent lehnen dies ab, 49 Prozent können sich das vorstellen.

Tamedia und «20 Minuten» haben in der Zeit vom 18. und 19. Januar gut 15'000 Personen online befragen lassen. Die Fehlerquote liegt bei +/- 1,3 Prozent.

Mutiertes Virus: In Wangen an der Aare BE schliesst ganze Schule

In Wangen an der Aare BE schliesst wegen des Coronavirus die ganze Schule mit 350 Kindern. Grund dafür sind mehrere Ansteckungen mit dem Coronavirus, darunter auch solche mit dem mutierten Virus aus Grossbritannien.

Wie Schulleiter Andreas Oetliker am Sonntagabend auf Anfrage sagte, hat das bernische Kantonsarztamt drei Klassen in Quarantäne geschickt, aber auch die Schliessung der ganzen Schule angeordnet. Die Massnahme gilt bis zum kommenden Samstag.

Am Montag entfällt der Unterricht für die Schülerinnen und Schüler. Dieser soll ab Dienstag im Fernunterricht wieder aufgenommen werden. Laut der Schulleitung sind die Schülerinnen und Schüler nicht verpflichtet, einen Coronatest zu absolvieren.

Die «Berner Zeitung» machte am Sonntagabend auf ihrer Internetseite auf die neuste Entwicklung in Wangen an der Aare aufmerksam. Bereits am Donnerstag hatte die Schulleitung bekannt gegeben, dass mehrere Schülerinnen und Schüler positiv getestet worden seien. Am Freitag wurde bekannt, dass auch eine Lehrperson infiziert ist.

Grossandrang in Freiburger und Waadtländer Skigebieten

Wegen des wetterbedingt grossen Andrangs hat Freiburg am Sonntag mehrere Zufahrten zu den Skigebieten des Kantons teilweise gesperrt. Auch die Waadt sperrte Zufahrtsstrecken. Betroffen waren in Freiburg die Gebiete Moléson, Les Paccots, Rathvel, Schwarzsee, La Chia und Villarlod sowie in der Waadt Mollendruz.

Die Sperren wurden in Absprache mit den Gemeinden und Skistationen von Verkehrsdiensten, Feuerwehren, Gemeindepolizeien und Sicherheitsfirmen errichtet, wie die Freiburger Kantonspolizei mitteilte. Langsam brachten diese Dienste den Verkehr wieder ins Fliessen. Die Kantonspolizei sorgte für freie Zufahrt der Rettungsdienste.

Zu Zwischenfällen kam es nicht. Die Zufahrtsstrassen wurden zwischen 14.30 und 15.30 Uhr wieder geöffnet. Die Polizei rät, sich ein nächstes Mal in den Medien über die Verkehrssituation zu informieren.

In der Waadt haben die Wintersportorte sowohl in den Alpen als auch im Jura einen nie gesehenen Ansturm erlebt, wie Jean-Christophe Sauterel sagte, der Kommunikationschef des kantonalen Verkehrsstabs. Der Parkplatz in Mollendruz war bereits um 10 Uhr früh voll. Rund tausend Autos mussten wieder umkehren.

Zwischen Mont-la-Ville und der Vallée de Joux wurde der Verkehr einspurig geführt. Von Mont-la-Ville bis zur Passhöhe des Mollendruz gab es sechs Kilometer Stau.

St-Georges, normalerweise nicht für seine Massen bekannt, wurde am Sonntag buchstäblich überschwemmt. Sie etwas habe er noch nie erlebt, sagte Sauterel. Die Parkplätze der Langlauf-Loipen von Rasses, Cluds und der Station Mauborget im Neuenburger Jura waren ebenfalls bereits ab 10 Uhr voll. In den Waadtländer Alpen in Villars, Les Diablerets, Leysin und am Col des Mosses sah es nicht anders aus.

Parteichefs fordern Tests und Quarantäne für alle Einreisenden

Praktisch alle Einreisenden in die Schweiz sollen fünf Tage in Quarantäne – auch wenn ein negativer Corona-Test vorliegt. Das schlagen sechs Parteichefs dem Bundesrat vor.

Mit Massnahmen «gegen den Import von Viren» könnten die Risiken im Inland markant reduziert werden, schreiben die Parteipräsidentinnen und -präsidenten von SVP, SP, Mitte, FDP, Grünen und GLP in dem Brief, der der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorliegt Darüber berichtete als Erste die «Sonntagszeitung».

«Wenn wir in den vergangenen Wochen etwas gelernt haben, ist es, dass wir uns noch so Mühe geben können mit eigenen Massnahmen – wenn ein paar Touristen wieder Viren in die Schweiz tragen, dann breiten sich diese im ganzen Land rasant aus», sagte GLP-Präsident und Nationalrat (BE) Jürg Grossen am Sonntag zu Keystone-SDA.

Praktisch alle Einreisenden sollen in Quarantäne, auch wenn ein negativer Test vorliegt.
Praktisch alle Einreisenden sollen in Quarantäne, auch wenn ein negativer Test vorliegt.
Keystone

Gemäss dem Konzept sollen Einreisende in die Schweiz – je nach Risikosituation im Herkunftsland – einen validierten PCR-Test vorweisen müssen. Bei Einreisen an Flughäfen könnte auch ein Antigentest auf Selbstkosten angeboten werden.

Fünf Tage später soll im Minimum ein weiterer Antigentest verlangt werden. Bis dahin sollten die Personen in Quarantäne gehen müssen. Auch diese Massnahme wäre abhängig von der epidemiologischen Lage. Bei der Einreise über den Landweg wäre eine Selbstdeklaration denkbar.

Grossen räumte ein, dass damit Ferien für ausländische Touristen deutlich erschwert würden – ausser nach einer Quarantäne. Tagestourismus – zum Beispiel zum Skifahren – wäre mit einem negativen Corona-Test noch möglich. So würde sichergestellt, dass kein Superspreader ins Land komme, sagte Grossen. Und Fälle wie Wengen und St. Moritz könnten praktisch ausgeschlossen werden.

R-Wert steigt wieder auf fast 0,9

Die Corona-Pandemie in der Schweiz hat sich nach leichtem Abflauen Mitte Januar wieder verstärkt. Nachdem das BAG am Freitag für den 12. Januar einen Reproduktionswert (R-Wert) von 0,79 gemeldet hatte, gab es am Sonntag einen Wert von 0,89 für den 14. Januar bekannt.

Dies ist der Internetseite des Bundesamts für Gesundheit zu entnehmen. Damit zerschlägt sich die noch am Freitag geäusserte Hoffnung, die Fallzahlen alle zwei Wochen halbieren zu können.

Letztmals unter 0,8 gesunken war der R-Wert zwischen dem 6. und 12. November. Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Demnach steckten am 14. Januar 100 Infizierte 89 weitere Leute an.

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GDK-Präsident kritisiert Thurgauer: «Corona-Impfung ist nicht käuflich»

Es ist das Schelmenstück der Woche: Johann Rupert, der reichste Mann Südafrikas, liess sich im Thurgau gegen Covid-19 impfen (zum Artikel). Er bekam das Vakzin noch vor allen Einheimischen, sogar früher als Alte und Kranke. «Die Empörung ist nachvollziehbar», sagt Lukas Engelberger, Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) im Gespräch mit SonntagsBlick: «Die Corona-Impfung ist nicht käuflich.» Es sei entscheidend, das Vertrauen der Bevölkerung zu schützen und sicherzustellen, dass die Prioritätenfolge bei den Impfungen eingehalten werde. Wer beim Anmeldeprozess auf Hürden stosse oder zu einer Gruppe gehöre, die noch warten müsse, sollte sich darauf verlassen können, nicht übervorteilt zu werden.

Der GDK-Präsident spart nicht mit Kritik in Richtung Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin: «Die politischen Verantwortungsträger sind dafür verantwortlich, dass die Impfregeln eingehalten werden.» Deshalb müssten sich Unternehmen mit solchen Aufträgen an die Vorgaben halten und dies dokumentieren. Es sei aber, so Engelberger, der einzige derartige Fall, den er kenne.

Schlusslicht bei Impfungen, aber Milliardär kommt zum Handkuss

Die Hirslanden-Gruppe betreibt auch in Baar ZG ein Impfzentrum. Und kommende Woche eröffnet sie in Genf einen weiteren Ableger, wie das Klinik-Unternehmen gegenüber SonntagsBlick bestätigt. Weitere Verhandlungen seien im Gange. Möglich wurde dies, weil der Thurgau das Corona-Impfwesen an die Hirslanden-Gruppe delegiert hat. Das Unternehmen hatte vor dem offiziellen Impfstart zwei Ampullen für die Testphase erhalten. Auflagen des Kantons, wer damit geimpft werden soll, gab es nicht. Die Privatklinikgruppe Hirslanden ist der frühere Arbeitgeber Martins. Er beteuert, nicht gewusst zu haben, dass Rupert unter den Testpersonen sei. Ende Woche wurde zudem bekannt, dass kein anderer Kanton weniger Menschen pro 100 Einwohner geimpft hat als der Thurgau. Dafür kam ausgerechnet ein Milliardär zum Handkuss.

Lesetipp: Interview mit Johann Rupert – «Das war ein Fehler, aber es war legal»

Polizei löst Kundgebung vor Bundeshaus auf

Die Berner Kantonspolizei hat am Samstagnachmittag in Bern eine Kundgebung von Gegnern der Corona-Massnahmen aufgelöst. Mehrere Personen, welche der Aufforderung der Polizei nicht nachkamen, den Ort zu verlassen, wurden kontrolliert und verzeigt.

Eine Demonstrantin, die sich der Polizei widersetzte, wird abgeführt.
Eine Demonstrantin, die sich der Polizei widersetzte, wird abgeführt.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Schätzungsweise hundert Personen waren einem in sozialen Medien verbreiteten Aufruf gefolgt, für ein «Ende aller unbegründeten Massnahmen» zu demonstrieren, wie es im Aufruf hiess.

Die Polizei forderte sie per Lautsprecher dazu auf, den Platz zu verlassen, und rief das Kundgebungsverbot ab fünf Personen in Erinnerung, das in Bern gilt. Zuerst verliessen in einer ersten Phase viele den Bundesplatz, als Polizistinnen und Polizisten den Bundesplatz mit Absperrgittern abriegelten.

Polizisten sperren den Bundesplatz mit Gittern ab.
Polizisten sperren den Bundesplatz mit Gittern ab.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Viele blieben dann aber in der Umgebung stehen. Die meisten Kundgebungsteilnehmer trugen keine Gesichtsmasken. Als Kundgebungsteilnehmer durch die Stadt zogen, folgten ihnen Polizisten und kontrollierten auch an anderen Orten der Innenstadt Teilnehmer.

Die Verzeigung von Kundgebungsteilnehmern vermeldete die Berner Kantonspolizei auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Die meisten Kundgebungsteilnehmer trugen keine Gesichtsmasken.
Die meisten Kundgebungsteilnehmer trugen keine Gesichtsmasken.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Tests in allen Hotels in St. Moritz

Alle Hotels in St. Moritz und Celerina testen ihr Personal auf das Coronavirus. Ebenfalls zum Test müssen sämtliche Ski- und Schneesportlehrerinnen und -lehrer, die in den Skigebieten Corviglia und Corvatsch tätig sind. Das teilte die Staatskanzlei am Samstag mit.

Diese erweiterte Untersuchung sei eine Sicherheitsmassnahme, um neuen Ansteckungen und damit Betriebsunterbrüchen vorzubeugen, heisst es in einer Medienmitteilung. Von den Tests ausgenommen seien Personen, die bereits ein negatives PCR-Testresultat vorweisen könnten oder nachweislich an Covid-19 erkrankt gewesen seien.

Weniger Passagiere bei Postauto

Postauto hat im letzten Jahr einen Einbruch im Personenverkehr von rund 25 Prozent verzeichnet. Der Rückgang sei vor allem in den Frühlingsmonaten massiv gewesen.

Wie Postauto mitteilte, ging die Nachfrage (Einsteiger und Personenkilometer) 2020 im Durchschnitt um ungefähr 25 Prozent zurück. Regional gebe es jedoch Unterschiede, die noch ausgearbeitet werden müssten.

Am Freitag hatte Postauto erstmals den Verlust beziffert, der dem Unternehmen durch die Corona-Pandemie im letzten Jahr entstanden war: Und zwar geht Postauto von einem Verlust von 50 Millionen Franken aus. Dieser soll mit den Reserven gedeckt werden.

CEO des Kinderspitals beider Basel wurde bereits geimpft

Marco Fischer, CEO am Basler Kinderspital (UKBB) wurde bereits gegen das Coronavirus geimpft, berichtet das Newsportal bzbasel.ch. Vorgesehen war jedoch, dass zuerst die Mediziner und Pflegemitarbeitenden auf der Notfallstation und der Intensivpflegestation geimpft werden sollten. Dafür erhielt das UKBB diese Woche vom Kanton 100 Impfdosen zugeteilt. Aus dem zugeteilten Impfstoff hätten insgesamt 110 Dosen gewonnen werden können, so Fischer.

Fischer zähle zur Kategorie von systemrelevanten Mitarbeitern, sagte er gegenüber der bz. Er habe sich von einer der überschüssigen Dosen spontan impfen lassen können. Vorrecht habe er damit keines genossen, so der CEO. Neben ihm seien noch weitere Personen aus Führungs- und Fachkreisen geimpft worden.

sda/reuters/red

3193 Kommentare
    Markus Roth

    Jetzt sind auch die offiziellen Daten der Kantone zum grossen Teil da. An jedem Tag wurden weniger Fälle gemeldet als an den entsprechenden Tagen letzte Woche und diese war auf dem tiefsten Stand seit der Woche vom 12.10. Der 7-Tagesschnitt liegt bei ca 1800-1900 (nach Hochrechnung, siehe unten), Sonntag vor einer Woche lag er noch bei 2256.

    Di: 2374

    Mi: 2457

    Do: 2110

    Fr: 2088

    Sa: 1553 (eine Handvoll kleinerer Kantone fehlt noch, diese werden nach Hochrechnungen noch max. 150 Fälle liefern, als ca. 1700

    So: 892 (dito oben, aber da generell weniger Fälle gemeldet wurden in allen Kantonen, könnten wir zum erstem Mal seit dem 6.10. wieder mit unter 1000 Fälle an einem Tag rechnen)

    Mo: 16 Kantone ausgezählt (inkl, einiger grossen wie ZH, BE oder beide Basel): 620.