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Grrl Power

Eine Frau, heiraten will, lädt sechs Freundinnen auf Goa ein. Dort reden sie über Familie, Karriere und Sexismus.

Die Fotografin Freida legt sich gern mit Männern an.
Die Fotografin Freida legt sich gern mit Männern an.

Die Fotografin Freida rennt wutentbrannt vom Set, als ihre männliche Entourage sie nicht so arbeiten lässt, wie sie es will. Jo prügelt sich auf dem Filmset, weil der Regisseur sich nur für ihre Kurven statt für ihre Schauspielkünste interessiert. Lakshmi tritt einen Aufdringlichen dorthin, wo es wirklich wehtut.

Jo und Lakshmi gehören zu den sechs Frauen, mit denen Freida ein paar Tage in ihrem Haus auf Goa verbringt. Der Anlass ist eine geheimnisvolle Hochzeit. Die Frauen sprechen über Karriere, Familie und Sex, sie geniessen die Freiheiten, die sie sich hier nehmen können. Je mehr man über ihre Träume und Geheimnisse erfährt, umso interessanter werden diese Figuren.

Nach dem sehr lustigen Auftakt, in dem sich die Frauen rabiat gegen Machos zur Wehr setzen, driftet die Geschichte zwar zunehmend ins Melodramatische ab. Aber das macht nichts, denn was die Komödie im Kern thematisiert, ist so hässlich, dass ein wenig Übertreibung nicht schadet: Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, Stigmatisierung von Homosexualität, ­sexuelle Belästigung, Indiens Vergewaltigungskultur, die unfähige Justiz.

Diese bunte, wilde, fröhliche, traurige und hoffnungsvolle Geschichte schneidet viele Themen an. Das ist gut so, denn die Wut der Frauen beschränkt sich nicht auf einen Missstand. Sie haben all das satt. Der Regisseur Pan Nalin sagte in einem Interview, er habe einen Film machen wollen über «Vertreterinnen des heutigen Indien», in dem endlich kein dominanter Mann der Held sei. «Schliesslich haben wir viele Sagen und Märchen, in denen es um Heldinnen geht.» Ausserdem sässen in keinem anderen Land der Welt so viele Frauen im Parlament wie in Indien. In Unternehmen oder der Kunst seien sie mittlerweile an der Spitze. Nur das Kino habe 60 Jahre gebraucht, um Geschichten von Heldinnen zu erzählen. Sein Film zeigt trotz aller ­Komik, wie tief der Frauenhass in Indiens Kultur verankert ist und wie tief die Vorstellung, Frauen seien selber schuld, dass hilflos ihren Trieben ­ausgelieferte Männer wie Tiere über sie ­herfallen.

Die dramatische Komödie ist laut und turbulent wie andere Exemplare des Genres, «Bridesmaids» oder «The Heat» beispielsweise. Aber anders als die US-Vorbilder kommt «Goddesses» ohne Fäkalhumor und Slapstick aus. Der Film ist aufwühlend und politisch. Die sieben Freundinnen sind nicht einfach hysterisch. Sie sind wütend.

tipp