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Herbst-PhänomenDarum leuchtet das Herbstlaub jetzt so golden

Leuchtet das farbige Herbstlaub dieses Jahr besonders intensiv? Ja – und es gibt auch eine Erklärung dafür: Das Laub hatte gute Wachstumsbedingungen und kann sich nun ungestört verfärben.

Im Herbst zerlegen die Laubbäume das Blattgrün in seine Einzelteile – nun kommen andere Farben zur Geltung.
Im Herbst zerlegen die Laubbäume das Blattgrün in seine Einzelteile – nun kommen andere Farben zur Geltung.
Foto: Raphael Moser

Die Wetterfrösche waren im Oktober oft traurig, weil die Wetteraussichten selten nach «goldenem Herbst» aussahen. Doch bei Waldspaziergängen vergoldeten das helle Gelb der Ahorne und die warmen Ocker-, Orange- und Rottöne der Buchen und wilden Kirschen selbst den trübsten Regentag – zumindest in den Regionen, in denen der Wald nicht wie in der Nordwestschweiz noch mit den Spätfolgen der trockenen Sommer 2018/19 zu kämpfen hat.

Aber stimmt es, dass das Herbstlaub diesen Herbst besonders schön gefärbt ist? «Ja», sagt Madeleine Günthardt-Goerg, die an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) die chemischen und biologischen Antworten der Bäume auf Umwelteinflüsse untersucht. Und sie kann auch erklären, warum.

Ohne Blattgrün wirds gelb

Das Chlorophyll, mit dem die Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und CO2 Biomasse und damit die Nahrungsgrundlage fast aller Lebewesen produzieren, verleiht den Blättern die grüne Farbe. Im Herbst zerlegen die Laubbäume dieses wertvolle Blattgrün in seine Bestandteile, die im Stamm und in den Wurzeln eingelagert und für den nächsten Frühling bereitgehalten werden.

Drohnenaufnahme mit Herbswald  beim Felsenauwehr in Bern.
Drohnenaufnahme mit Herbswald beim Felsenauwehr in Bern.
Foto: Raphael Moser

In den Blättern kommen nun die anderen Farben zur Geltung, die sonst vom Blattgrün überstrahlt werden, vor allem Carotinoide in vielerlei Gelb- und Orangetönen. Manche Arten wie etwa Birnbäume bilden auch neue Pigmente: die roten, violetten oder blauen Anthocyane. «Dabei handelt es sich eigentlich um Schutzstoffe», sagt Madeleine Günthardt-Goerg. «Das Herbstlaub braucht sie allerdings nicht mehr.» Warum der Baum sie dennoch bildet, wissen die Forschenden nicht. «Es ist einfach schön.» Manche Bäume wie etwa die Eschen werfen auch grüne Blätter ab.

Hat der Baum das Blattgrün aus den Blättern abgezogen, verschliesst er die Wasserversorgung. Manche Arten wie etwa die Buchen bilden dafür ein Trenngewebe, andere verstopfen die Wasserleitungen mit speziellen Zellen. So verliert der Baum kein Wasser mehr, und seine Wurzeln müssen auch kein Wasser mehr aus dem Boden ziehen. Dort, wo der Boden gefriert, bewahrt diese Winterruhe den Baum vor dem Verdursten – eine Gefahr, der wintergrüne Nadelbäume ständig ausgesetzt sind, obwohl auch sie im Winter ihren Wasserverbrauch möglichst reduzieren.

Goldenes Herbstlaub liegt im Berner Marzili.
Goldenes Herbstlaub liegt im Berner Marzili.
Foto: Raphael Moser

Keine Schäden

Ist die Wasserversorgung gekappt, sterben die Blätter, werden braun und fallen ab. «In manchen Jahren werden Blätter aber schon viel früher braun», sagt Madeleine Günthardt-Goerg. So verursachen etwa Ozonschäden oder in besonders nassen Jahren auch Pilzschäden unregelmässige Verfärbungen. Ozonschäden oder Trockenheit können auch dazu führen, dass die Blätter schon im September braun werden oder sogar noch grün abgeworfen werden, weil das Wasser für die normalen Prozesse fehlt.

«Dieses Jahr war aber für die Bäume ideal, und es gab nur sehr wenig Schäden an den Blättern», stellt die Forscherin fest. «Der Frühling war warm und feucht genug, sodass das Laub üppig austrieb. Der Sommer war nicht zu heiss und brachte genug Niederschlag. Und auch im Herbst waren die Bäume mit genügend Wasser versorgt. Das Resultat dieses idealen Waldjahres ist die wunderbare Herbstfärbung.»

Nach einem freundlichen «Waldjahr» zeigen sich die Bäume (hier beim Eichholz) in besonders prächtigen Herbstfarben.
Nach einem freundlichen «Waldjahr» zeigen sich die Bäume (hier beim Eichholz) in besonders prächtigen Herbstfarben.
Foto: Raphael Moser
5 Kommentare
    C. F. Abel

    'in denen der Wald nicht wie in der Nordwestschweiz noch mit den Spätfolgen der trockenen Sommer 2018/19 zu kämpfen hat' Kann ich nicht bestätigen. Ich machte letzthin Touren auf der Hochebene von BL, im Luzern- und Bernbiet und fand den Wald hier am schönsten, weil vorwiegend Laubbäume und hoher Waldanteil und sonnig und ideal geformte Landschaft.