Zum Hauptinhalt springen

Coronavirus in der Schweiz+++ 9207 Neuinfektionen – BAG hat Rückstand bei Erfassung +++ Armee setzt Rekrutierung für drei Wochen aus

Innerhalb eines Tages meldet der Bund 52 Corona-Todesfälle und 279 Hospitalisierungen. Neuenburg verbietet Ansammlungen von über fünf Menschen. Nationale Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der Corona-Ansteckungen in der Schweiz steigt stark an.

  • Der Bundesrat empfiehlt deshalb Homeoffice für die ganze Schweiz soweit möglich.

  • Diverse Kantone haben ihre Massnahmen gegen das Virus verschärft.

  • Der Bundesrat hat am Mittwoch neue Massnahmen beschlossen. Hier können Sie die Pressekonferenz in unserem Live-Ticker nachlesen.

LIVE TICKER

Armee setzt Rekrutierung für zunächst drei Wochen aus

Zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus setzt die Armee die Rekrutierung von Stellungspflichtigen per sofort und für voraussichtlich drei Wochen aus. Stellungspflichtige, die ab kommendem Montag in einem der sechs Rekrutierungszentren der Armee zur Rekrutierung aufgeboten seien, würden zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Marschbefehl erhalten, schreibt die Armee in einer Mitteilung vom Freitagabend.

Am Mittwoch hatte die Armee bereits mitgeteilt, dass bis Ende Jahr keine Wiederholungskurse (WK) mehr durchgeführt würden. Ausgenommen seien WK zur möglichen Unterstützung ziviler Behörden bei einer Verschärfung der Covid-19-Pandemie und solche zur Sicherung der Basisleistungen der Armee, hiess es dazu.

In den Rekrutenschulen hatten die Rekruten in den vergangenen zwei Wochen eine Urlaubssperre. Die Rekrutenschulen gingen am Freitag zu Ende. Die nächste RS findet erst im Januar statt, wie ein Sprecher der Armee auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Ende Juni rückten noch 482 junge Menschen in die Sommer-RS in Airolo ein.
Ende Juni rückten noch 482 junge Menschen in die Sommer-RS in Airolo ein.
Foto: Pablo Gianinazzi (Keystone/Ti-Press/29. Juni 2020)
Wallis sorgt im Gesundheitswesen vor

Das Walliser Gesundheitsdepartement kann Gesundheitseinrichtungen und auch Gesundheitspersonal requirieren, wenn es für die Bewältigung der Covid-19-Pandemie vonnöten ist. Das hat die Kantonsregierung entschieden.

Es brauche rasch Lösungen, um eine Überlastung der Spitäler und auch einen Personalmangel zu vermeiden, hiess es in der Mitteilung der Staatskanzlei vom Freitagabend zur Begründung. Die Zahl der Spitaleinweisungen nehme exponentiell zu.

Es bestehe das Risiko, dass das Spital Wallis nicht mehr in der Lage sein werde, alle Patienten aufzunehmen. Das Gesundheitsdepartement hat nun die Kompetenz, Gesundheitseinrichtungen und Fachpersonal ganz oder teilweise zu requirieren und nicht dringende Untersuchungen und Behandlungen einzuschränken oder auszusetzen.

Der Kanton Wallis hat zudem ebenfalls die Armee um Unterstützung gebeten. Bereits im Einsatz sind 140 Personen vom kantonalen Zivilschutz, und die Feuerwehr leistete Verstärkung für die Ambulanzdienste. Diese Ressourcen würden aber nicht reichen, wird die Anfrage nach Bern begründet.

Ein Helikopter der Rega fliegt einen an Covid-19 erkrankten Patienten in ein Walliser Spital.
Ein Helikopter der Rega fliegt einen an Covid-19 erkrankten Patienten in ein Walliser Spital.
Foto: Laurent Gilieron (Keystone/Archiv)
BAG verzeichnet 9207 Neuansteckungen

Dem BAG sind heute 9207 Coronavirus-Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gemeldet worden. Am Freitag vergangener Woche waren es 6634 Fälle. Die Positivitätsrate beträgt 24 Prozent bei 38'211 neu gemeldeten Tests. Zudem meldete das BAG heute 52 neue Todesfälle und 279 Spitaleinweisungen.

Gestern wurden rekordhohe 9386 Neuansteckungen innerhalb eines Tages registriert, am Mittwoch waren es 8616. Am Montag hatte das BAG die Zahlen für das ganze Wochenende bekanntgegeben. Insgesamt waren für diese drei Tage 17’440 neue Ansteckungen gemeldet worden.

Insgesamt gab es dem BAG zufolge seit Beginn der Pandemie 154'251 laborbestätigte Fälle. Seit Anfang der Pandemie mussten 6979 Personen wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden.

Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung waren am Donnerstag nach Angaben des BAG 31'410 Personen in Isolation und 26'333 Personen standen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 7'438 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

Lesen Sie auch zum Thema:

Internationaler Vergleich – Die Schweiz hat jetzt einen der steilsten Anstiege weltweit

Corona in Altersheimen – «Wir sitzen auf einer Zeitbombe»

Corona und Weihnachten – Dürfen wir noch gemeinsam feiern?

Fehlende Grosskonzerte – Für die einen Konzert, für Hunderte Lebensgrundlage

Bundesrat ruft Bevölkerung per Video zur Mithilfe auf

Die sieben Mitglieder des Bundesrates haben in einem gemeinsamen Youtube-Video an die Schweizer Bevölkerung appelliert, die Massnahmen zur weiteren Ausbreitung des Coronavirus zu respektieren. Denn die Situation sei ernst.

Die Ansteckungen mit dem Coronavirus stiegen, «und zwar sehr stark und sehr schnell», sagt Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zu Beginn des rund zweiminütigen Films. «Wir müssen reagieren. Wir wissen, was zu tun ist: Abstand halten und gründlich die Hände waschen», ergänzt Gesundheitsminister Alain Berset.

Und Aussenminister Ignazio Cassis fährt mit den weiteren Massnahmen fort: «Kontakte einschränken, Maske tragen und die neuen Technologien nutzen, um die physischen Kontakte zu ersetzen, die uns fehlen».

Auch sie müssten sich einschränken, erklären mehrere Bundesratsmitglieder. So erzählt Justizministerin Karin Keller-Sutter, dass sie das traditionelle Familientreffen an Allerheiligen abgesagt habe. Verteidigungsminister Viola Amherd würde gerne ihre Freunde wieder einmal sehen und auch Berset musste Apéros und Abendessen auslassen.

Es brauche jetzt einen «soliden Wellenbrecher», «wenn wir nicht untergehen wollen», sagt Amherd. Denn – wie Finanzminister Ueli Maurer es ausdrückt – die zweite Welle habe «uns grad chli verwötscht». Aber wir hätten alle Möglichkeiten und Mittel, um dieser Welle entgegenzutreten, sagt Cassis.

«Gemeinsam können wir es schaffen», sagt Parmelin. «Für unsere Spitäler und für unser Gesundheitssystem, aber auch, um enormen Schaden für unsere Wirtschaft zu verhindern». Je besser wir das machten, desto schneller seien wir wieder im Normalzustand, ergänzte Maurer. «Wir alle möchten das». Deshalb müssten sich die Menschen jetzt an die Massnahmen halten.

Fallzahlen wohl noch höher

Das Bundesamt für Gesundheit hat in den letzten beiden Tagen jeweils über 9000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet: 9386 am Donnerstag und 9207 am Freitag. Es sind Rekordwerte für die Schweiz. Das BAG schreibt allerdings, dass diese Zahlen wohl zu tief seien – wobei das nicht nur an der Dunkelziffer der gar nicht getesteten Infizierten liegt.

Das BAG hat offenbar seit dieser Woche einen Rückstand bei der Erfassung der Zahlen. Im Gegensatz zu den Vortagen wurden die beiden Tagesberichte von Donnerstag und Freitag mit einer Anmerkung versehen: «Aufgrund des starken Anstiegs der Fallzahlen haben viele Kantone, Spitäler und Labors zurzeit Schwierigkeiten bei der raschen Untersuchung von Verdachtsfällen sowie Verzögerungen bei der Meldung. Das BAG hat zudem bei der Erfassung klinischer Befunde einen Rückstand. Folglich wird die Zahl der in diesem Bericht gemeldeten neuen Fälle, Hospitalisationen und Todesfälle in den letzten Tagen tendenziell unterschätzt.»

Luzern erlaubt Besuche

Der Kanton Luzern lockert das Besuchsverbot für Spitäler und Altersheime. Ab Samstag darf jeder Patient und jeder Heimbewohner von zwei sehr engen Bezugspersonen besucht werden

An den weiteren kantonalen Massnahmen, die über die Bestimmungen des Bundes hinausgehen, rüttelte der Regierungsrat nicht. Erotik- und Sexbetriebe bleiben geschlossen, wer mit Personen, mit denen er nicht zusammenlebt, im Auto unterwegs ist, muss eine Maske tragen.

In Luzern gilt weiterhin die Bundesbestimmung, dass nicht mehr als 50 Personen an einer Veranstaltung teilnehmen dürfen. Die Zentralschweizer Gesundheitsdirektoren sprachen sich am letzten Wochenende für eine Grenze von 30 Personen aus, dies aus Rücksicht auf das Contact Tracing in kleinen Kantonen. Obwalden führt die tiefere Grenze am Montag ein, in Schwyz gilt sie seit einer Woche. Der Luzerner Regierungsrat will am Dienstag über die Frage der Versammlungsgrösse befinden.

Im Kanton Luzern hat die Zahl der Neuinfektionen in den letzten Wochen stark zugenommen. Es wurden zuletzt deutlich über 300 Fälle pro Tag registriert.

Neuenburg verbietet Ansammlungen von über fünf Menschen

Der Kanton Neuenburg verschärft die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Die Kantonsregierung hat am Freitag Ansammlungen von mehr als fünf Menschen untersagt, auch im privaten Rahmen. Die Anordnung gilt ab Montag.

Die Beschränkung gilt nicht für Kinder unter zwölf Jahren. Beschlossen hat die Kantonsregierung zudem eine Maskenpflicht für die Oberstufe der obligatorischen Schule.

Jura verhängt kantonalen Ausnahmezustand

Im Kanton Jura werden ab Montag alle Bars und Restaurants sowie weitere öffentliche Einrichtungen von Museen bis Sportzentren geschlossen. Zudem werden Ansammlungen von über fünf Menschen untersagt.

Angesichts der äussert besorgniserregenden Situation im Gesundheitswesen hat der Kanton Jura bis vorerst 15. November einen kantonalen Ausnahmezustand verhängt, wie die jurassische Regierung am Freitag mitteilte. So werden ab Montag öffentliche und private Versammlungen von über fünf Personen untersagt. Als Ausnahme gelten unter anderem gesetzgebende Versammlungen sowie Gottesdienste.

Die Jurassier Spitäler sind am Anschlag, der Kanton verhängt den Ausnahmezustand. Blick auf das Zentrum von Delémont.
Die Jurassier Spitäler sind am Anschlag, der Kanton verhängt den Ausnahmezustand. Blick auf das Zentrum von Delémont.
Foto: Leandre Duggan (Keystone)

Ab Montag müssen im Kanton auch alle Restaurants und Bars sowie öffentliche Einrichtungen im Kultur- und Sportbereich geschlossen bleiben. Für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen der Sekundarstufe 1 wurde eine Maskentragpflicht verfügt.

Die jurassische Regierung sieht sich nach eigenen Angaben zu diesen Massnahmen gezwungen, um einen Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern. Die kantonalen Spitäler seien am Anschlag und hätten erste Patienten aus dem Intensivpflegebereich nach Basel verlegen müssen. In den letzten zwei Wochen seien zudem bereits 19 Covid-19-Todesfälle zu verzeichnen gewesen – fast dreimal so viele wie bei der ersten Welle im Frühling.

Berset erwartet von Kantonen Verschärfungen

Der Bundesrat erwartet laut Gesundheitsminister Alain Berset von den Kantonen, dass sie je nach Situation die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus auf ihrem Gebiet weiter verschärfen. Es sei wichtig, regional differenzierter zu handeln als im März.

Die Unterschiede seien markant, sagte Berset in einem Interview mit der «NZZ» (Freitagausgabe). So habe beispielsweise das Wallis eine mehr als fünf Mal höhere 14-Tages-Inzidenz bei den neuen Fällen als Solothurn. Das zeige sich bei der Situation in den Spitälern, die im Wallis viel angespannter sei als in Solothurn.

Berset verneinte die Frage, ob die Schweiz die Kontrolle über die Pandemie verloren habe. Die Situation sei aber sicher viel schlechter als vor einem Monat. Gleichzeitig hätten die Kantone die Kapazitäten beim Contact Tracing stark erhöht.

Bundesrat Alain Berset spricht während der Medienkonferenz des Bundesrates vom vergangenen Mittwoch. (28. Oktober 2020)
Bundesrat Alain Berset spricht während der Medienkonferenz des Bundesrates vom vergangenen Mittwoch. (28. Oktober 2020)
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Den Vorwurf, der Bundesrat habe zu spät reagiert, weist Berset zurück. «Wir haben reagiert und sind der Planung gefolgt, die wir mit den Kantonen im Sommer vorbereitet haben. Als die Kurve zu steigen begann, haben wir sofort zusätzliche Massnahmen in die Wege geleitet. Ich habe verschiedentlich die Kantone kontaktiert und sie aufgefordert, zu handeln», sagte der Gesundheitsminister weiter.

Bereits im August und September hätten sich die Fälle verdoppelt, allerdings sehr langsam über einen Zeitraum von einem Monat. Im Oktober habe sich die Zeit dann sehr rasch und für alle überraschend auf eine Woche reduziert. Die Task Force Wissenschaft habe ihm diesen raschen Anstieg am 16. Oktober gemeldet. Bereits zwei Tage später habe der Bundesrat Verschärfungen beschlossen.

Obwalden verschärft Bundesvorgabe

In Obwalden sind ab Montag nur noch Veranstaltungen mit höchstens 30 Personen zugelassen. Der Innerschweizer Kanton verschärft damit die Vorgaben des Bundes, der die Höchstzahl auf 50 festgelegt hat.

Der Regierungsrat will mit der Massnahme die Zahl der Ansteckungen mit dem Coronavirus reduzieren und damit das Contact Tracing entlasten, wie er am Freitag mitteilte. Es sei enorm wichtig, dass die Ansteckungsketten rasch unterbrochen würden, erklärte Gesundheitsdirektorin Maya Büchi-Kaiser (FDP) in der Mitteilung.

Die Obwaldner Regierungsrätin Maya Buechi-Kaiser hat eine Verschärfung der Coronamassnahmen bekannt gegeben.
Die Obwaldner Regierungsrätin Maya Buechi-Kaiser hat eine Verschärfung der Coronamassnahmen bekannt gegeben.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Die Obergrenze von 30 Personen hatte die Zentralschweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz (ZGDK) bereits am Wochenende vom Bund gefordert. Nicht unter die Grenze fallen in Obwalden Personen, die bei der Durchführung der Veranstaltung mitarbeiten. Auch für Gemeindeversammlungen oder Kundgebungen gilt die Begrenzung der Teilnehmerzahl nicht.

Kinos warnen vor Schliessungen

Die am Mittwoch festgelegte Obergrenze von 50 Personen setzt nach Ansicht der Kinoverbände das Überleben der Kinos aufs Spiel. Ihrer Meinung nach hätte der Bundesrat in dieser Situation entweder die aktuelle Regelung beibehalten oder die Verantwortung für die Schliessung der Kinos übernehmen sollen.

Die Schutzkonzepte hätten sich bewährt, teilten der Schweizerische Verband für Kino und Filmverleih, der Schweizerische Kino-Verband und Filmdistribution Schweiz am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung mit. Es sei «nachweislich» keine einzige Ansteckung mit dem Coronavirus in einem Kino erfolgt.

Die Lichtspielhäuser könnten mit der Obergrenze wirtschaftlich nicht überleben. Der durchschnittliche Schweizer Kinosaal habe eine Kapazität von 167 Plätzen. Die bundesrätliche Obergrenze reduziere sie auf einen Drittel. Die Branchenverbände verlangen deshalb, dass «beträchtliche Entschädigungen für ihren Verdienstausfall bereitgestellt werden».

Flixbus stellt Betrieb vorübergehend ein

Der Fernreise-Anbieter Flixbus stellt in seinen Betrieb in der Schweiz, Deutschland und in Österreich ab dem 3. November vorübergehend ein. Grund sind die neuen Corona-Kontaktbeschränkungen, teilte das Unternehmen am Freitag mit.

Die Busse verkehren vorerst nicht mehr. Passagiere vor einem «Flixbus» in Berlin.
Die Busse verkehren vorerst nicht mehr. Passagiere vor einem «Flixbus» in Berlin.
Foto: Liesa Johannssen-Koppitz (Getty Images)

Der Mitgründer und Geschäftsführer von FlixMobility, André Schwämmlein, verwies in der «Welt am Sonntag» auf die von der Politik gewünschten Reiseeinschränkungen. «Deswegen fahren wir unseren Bus- und Zugbetrieb jetzt im November auch komplett runter in der Hoffnung, an Weihnachten mit Flixbus für unsere Kunden im Einsatz sein zu können.»

Schon im Frühling hatte Flixbus angesichts der Corona-Auflagen vorübergehend keine Fahrten mehr angeboten. «Im Sommer konnten wir dann wieder etwa die Hälfte unseres Netzes bedienen. Wir folgen dabei sehr stark der Nachfrage», sagte Schwämmlein.

Schon im Oktober habe man aber wieder «eine gebremste Reiselust» gesehen. «Im Moment liegen wir etwa bei 30 Prozent, werden aber wieder komplett reduzieren, weil der politische Wunsch ist, dass man nicht reist», so der Flixbus-Chef.

Taskforce empfiehlt Masken in schlecht belüfteten Innenräumen

Die Wissenschafts-Taskforce des Bundes hat am Donnerstag eine Einschätzung zu den sogenannten Aerosolen publiziert. Aerosole sind kleiner als Tröpfchen und schweben relativ lange in der Luft. Ihre Rolle bei der Ansteckung mit Covid-19 ist noch nicht geklärt. Das Bundesamt für Gesundheit ging bislang davon aus, dass sie keine grosse Rolle spielen.

Anders äussert sich nun die Taskforce. Zwar sei es schwierig zu sagen, wie bedeutend Aerosole generell bei der Übertragung seien. Allerdings zeige sich, dass Aerosole bei Superspreading Events in Innenräumen mit schlechter Belüftung eine wichtige Rolle spielten. «Insbesondere bei Aktivitäten, bei denen viele Aerosole ausgeschieden werden, wie Reden, Singen, Schreien und physischer Aktivität», schreibt die Taskforce.

Sie empfiehlt darum Masken in Innenräumen auch dann zu tragen, wenn der Abstand von 1,5 Meter eigentlich eingehalten werden kann — insbesondere in «schlecht belüfteten Umgebungen und wenn man der Situation über längere Zeit ausgesetzt ist». Also etwa im Büro, auch wenn die Arbeitsplätze weit genug auseinander liegen.

Zudem gibt die Taskforce weitere Empfehlungen ab, um das Risiko von Aerosol-Übertragungen zu reduzieren:

- Häufiges Lüften

- Überfüllte Innenräume vermeiden

- Die Aufenthaltsdauer in schlecht belüfteten Innenräumen reduzieren

- Aktivitäten limitieren oder absagen, die viele Aerosole verursachen

Lesen Sie dazu auch: Coronavirus-Ansteckungen in Innenräumen: Sind Aerosole die Treiber hinter den steigenden Fallzahlen? (Abo)

Tausende Genfer Beamte streiken wegen Lohnabbau

Die Genfer Kantonsregierung rechnet im Budgetentwurf für das Jahr 2021 mit einem gewaltigen Defizit von rund einer halben Milliarde Franken. Sie will darum etwa die Gehälter aller Staatsbediensteten um ein Prozent kürzen. Der Staatsrat rechtfertigt diesen Schritt als eine Solidaritätsanstrengung des öffentlichen Dienstes mit dem Privatsektor, der von der Pandemie-Krise hart getroffen worden sei. Die Gewerkschaften hingegen erachten die «Steuergeschenke, die den Unternehmen und den Reichsten gewährt werden», als Ursprung der Sparübung.

Am Donnerstag demonstrierten erneut mehrere tausend Mitarbeitende des öffentlichen Dienstes gegen den geplanten Lohnabbau. Nach einem Streik nahmen laut Polizei zwischen 4000 und 5000 Menschen an der Kundgebung in der Innenstadt teil.Bereits vor zwei Wochen war es in Genf zu einer grossen Protestaktion mit gegen 6000 Menschen gekommen. Laut den Organisatoren nahmen nun unter anderem wegen der verschärften Corona-Situation weniger Personen teil. Dem Kanton meldeten sich knapp 2200 Beschäftigte im Streik, die überwiegende Mehrheit aus dem Bildungsdepartement.

Das Genfer Staatspersonal ist erneut in grosser Zahl auf die Strasse gegangen, um gegen «Corona»-Lohnkürzungen zu protestieren.
Das Genfer Staatspersonal ist erneut in grosser Zahl auf die Strasse gegangen, um gegen «Corona»-Lohnkürzungen zu protestieren.
Foto: Martial Trezzini (Keystone/29. Oktober 2020)
Aufstockung der Tessiner Intensivstationen

Mehr Beatmungsgeräte und zusätzliches Fachpersonal für die Intensivstationen: Das Tessiner Departement für Gesundheit und Soziales hat am Donnerstag angekündigt, wegen der zweiten Pandemie-Welle die Kapazitäten in den Spitälern zu erhöhen.

Im Tessin stünden 30 zusätzliche auf Intensivstationen spezialisierte Pflegefachpersonen bereit, erklärte Raffele De Rosa, Vorsteher des Departements für Gesundheit und Soziales vor den Medien. Ausserdem könnten die Tessiner Spitäler auf 52 weitere Beatmungsgeräte zurückgreifen.

Eine «unendliche Verstärkung» sei jedoch eine Illusion, mahnte De Rosa. «Die exponentielle Kurve der Ansteckungen steigt viel schneller an, als wir die Spitäler verstärken können.» Eigenverantwortung bleibe deshalb der Kern der momentanen Strategie des Bundesrates.

Das Tessin erhöht die Kapazitäten auf den Intensivstationen.
Das Tessin erhöht die Kapazitäten auf den Intensivstationen.
Foto: Keystone/TI-Press (Symbolbild)
Bundesrat lehnt zusätzliche Unterstützung für Eventbranche ab

Der Bundesrat möchte Unternehmen in der Eventbranche nicht zusätzlich finanziell unterstützen. Die bisher getroffenen Massnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie seien hinreichend.

Dies schreibt der Bundesrat in seiner Antwort auf eine Motion der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N), die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Konkret wird in dem Vorstoss verlangt, dass Eventtechnik-Unternehmen, Eventagenturen, Tribünenbauer, Zeltbauer sowie Eventdienstleister im Bereich Mobiliar und Geschirr mit zusätzlichen finanziellen Beiträgen des Bundes unterstützt werden.

Bei seiner rückblickenden Betrachtung der «ausserordentlichen Lage» gemäss Epidemiengesetz könne der Bundesrat keine Geschäftszweige identifizieren, die vollständig durch die Maschen der umfassenden Unterstützungsmassnahmen fielen. Alle Branchen hätten einen Anspruch geltend machen können.

Mit dem Covid-19-Gesetzes sei auch gesetzliche Grundlage für eine Beteiligung des Bundes an Massnahmen zur Unterstützung von Härtefällen geschaffen worden. Die konkreten Modalitäten einer Beteiligung des Bundes an der Finanzierung solcher Härtefallmassnahmen wird derzeit mit den Kantonen erarbeitet. In Kraft sollen sie Anfang 2021.

Maskenpflicht für Sekundarschüler in den Kantonen Solothurn und Aargau

Der Kanton Solothurn zieht die Schraube im Kampf gegen die Corona-Pandemie weiter an. Ab Montag gilt an den Schulen der Sekundarstufe eine generelle Maskenpflicht. Die Zahl der Intensivbetten in den Spitälern wird von 14 auf 25 erhöht.

Schutzmasken sitzen Schülerinnen eines Gymnasiums in Frankfurt im Unterricht.
Schutzmasken sitzen Schülerinnen eines Gymnasiums in Frankfurt im Unterricht.
Foto: Boris Roessler (Keystone)

Die Lage im Kanton sei ernst, teilte die zuständige Regierungsrätin Susanne Schaffner am Donnerstag mit. Daher geht der Regierungsrat bei den Massnahmen weiter als der Bundesrat: Shishabars, Clubbetriebe sowie Erotik- und Sexbetriebe werden geschlossen.

In Barbetrieben dürfen insgesamt höchstens 30 Gäste anwesend sein. Take-away- und Imbissbetriebe müssen zwischen 23.00 Uhr und 06.00 Uhr geschlossen bleiben. Zudem ist es verboten, Veranstaltungen mit mehr als 30 Personen durchzuführen. Diese Verschärfungen gelten am Freitagmittag bis längstens Ende Januar.

Zusätzliche Massnahmen im Aargau

Auch der Kanton Aargau reagiert: führt an der Sekundarstufe sowie an Mittel- und Berufsfachschulen eine umfassende Maskenpflicht ein. Klassen- und Schullager sind gemäss Verfügung des Regierungsrats verboten.

Damit setze der Aargau die allgemeine Maskenpflicht für Jugendliche über zwölf Jahren im öffentlichen Raum auch im Schulbereich konsequent um, teilte die Staatskanzlei Aargau am Donnerstag mit. Mehrere Kantone machten zuvor den gleichen Schritt.

Der Kanton machte auch den Spitälern zusätzliche Vorgaben. Die Akutspitäler mit Intensivstationen wurden aufgefordert, nur so viele Operationssäle für medizinisch nicht dringend angezeigte Operationen zu betreiben, dass sie bei steigenden Fallzahlen innerhalb von 48 Stunden zusätzliche Kapazitäten zur intensiven Versorgung von Covid-19-Patienten zur Verfügung haben.

Spitäler und Kliniken sowie Alters- und Pflegeheime müssen gemäss Regierungsrat mit einem adäquaten Schutzkonzept sicherstellen, dass besonders gefährdete Personen konsequent geschützt und die Hygiene- und Schutzmassnahmen eingehalten werden. Einschränkungen beim Besuchsrecht würden geprüft.

BAG meldet 9386 Neuinfektionen

Aus der Schweiz und Liechtenstein sind innert 24 Stunden rekordhohe 9386 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Die Zahl der neuen Hospitalisierungen hat sich gemäss den Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) innerhalb eines Tages fast verdoppelt.

Die 9386 gemeldeten Fälle stellen einen Tagesrekord dar. Die Positivitätsrate beträgt 26,6 Prozent bei 35'230 neu gemeldeten Tests.

Am Mittwoch waren noch 8616 Corona-Infektionen bekannt geworden. Noch drastischer fällt die Zunahme der Hospitalisierungen innert Tagesfrist aus: Wurden am Mittwoch dem BAG noch 149 Spitaleinweisungen gemeldet, so waren es am Donnerstag bereits 287 Hospitalisierungen.

Die Zahl der neu gemeldeten Todesfälle erhöhte sich innert eines Tages von 24 auf 31. Die Zahl der Todesfälle wegen einer Covid-19-Erkrankung in der Schweiz und in Liechtenstein stieg damit auf insgesamt 1985 an.Innert 24 Stunden wurden 35'230 Tests durchgeführt. Die Gesamtzahl der Tests klettert damit auf knapp 1,9 Millionen an. Davon waren 8,3 Prozent positiv, also wiesen auf eine Neuansteckung hin. In den vergangenen zwei Wochen war diese sogenannte Positivitätsrate laut den BAG-Angaben auf 22,7 Prozent angestiegen.

Am Donnerstag befanden sich zudem 31'334 Menschen in Isolation und 24'948 Kontakte in Quarantäne. 13'594 Menschen befanden sich zusätzlich in Quarantäne, weil sie aus Risikoländern eingereist waren.

Verdoppelung innert einer Woche

Noch besser Aufschluss über die Entwicklung der Corona-Pandemie gibt neben den täglichen Zahlen der am Donnerstag veröffentlichte Wochenvergleich des BAG. So waren in der vergangenen Woche insgesamt 39'441 neue laborbestätigte Fälle verzeichnet worden. Damit hat sich die Anzahl Fälle im Vergleich zur Vorwoche erneut verdoppelt. Der Anstieg der Fälle sei in allen Kantonen und allen Altersklassen zu verzeichnen, schreibt das BAG.

Weiter wurden 623 neue Hospitalisationen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gemeldet. Gegenüber der Vorwoche stieg die Zahl der Hospitalisationen um 43 Prozent. In fast allen Kantonen sei die Zahl der Hospitalisationen angestiegen. Im Durchschnitt hätten sich 128 Menschen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung auf einer Intensivstation befunden.

Die Zahl der Todesfälle belief sich in der vergangenen Woche auf 89 gegenüber 38 in der Vorwoche. Sie hat sich also mehr als verdoppelt. Wegen verspäteter Datenerfassung könnten sich die Zahlen der Hospitalisationen und der Todesfälle noch erhöhen.Insgesamt wurden in der vergangenen Woche 177'718 Tests durchgeführt. Im Vergleich zur Vorwoche entsprach dies einer Zunahme um 40 Prozent. Der Anteil positiver Tests stieg im Wochenvergleich von 15,4 Prozent auf 22,5 Prozent.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

Lesen Sie auch zum Thema:

Widerstand gegen Einreisequarantäne —«Tausende sassen zu Unrecht in Quarantäne»

Risiko einer Corona-Ansteckung — Superspreader-Event im Bundeshaus? Politiker kritisieren Sondersession

NDB-Direktor Gaudin positiv auf Coronavirus getestet

Das Coronavirus macht vor dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) nicht Halt. Direktor Jean-Philippe Gaudin ist positiv auf Covid-19 getestet worden. Gaudin hat zurzeit keine Symptome und führt die Geschäfte von zuhause aus.

Dies teilte der NDB am Donnerstag mit. Gaudin befindet sich seit Mittwoch in Isolation. Er habe sich nach einem Kontakt mit einer positiv getesteten Person selbst testen lassen, hiess es in der Mitteilung. Er fühle sich gesund und habe derzeit keine Symptome.

Jean-Philippe Gaudin spricht an einer Medienkonferenz in Bern. (24. Mai 2019)
Jean-Philippe Gaudin spricht an einer Medienkonferenz in Bern. (24. Mai 2019)
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)
Bodensee: Kein Rundfahrten mehr und Fährbetrieb ohne Gastro

Die steigenden Corona-Infektionszahlen haben auch Auswirkungen auf den Schiffsbetrieb auf dem Bodensee: Ab kommenden Montag werden keine Rundfahrten mehr angeboten. Auf der Fähre zwischen Romanshorn TG und Friedrichshafen D wird es an Bord keinen Gastronomiebetrieb mehr geben.

Vor zehn Tagen ging die Saison der Schweizerischen Bodensee-Schiffahrtsgesellschaft AG (SBS) zu Ende. «Die Passagierfrequenzen auf der Bodenseefähre und den Kursschiffen sind seit dem Ausbruch von Covid-19 durch den Lockdown und der verordneten Maskenpflicht um 50 Prozent auf 260'000 Passagiere zusammengebrochen», schrieb die SBS in einer Mitteilung.

Es sei vereinzelt zu Entlassungen gekommen. Das Unternehmen hat für das vierte Quartal erneut Kurzarbeit beantragen müssen und rechnet im laufenden Jahr mit einem Verlust von rund zwei Millionen Franken.

Die neuen Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben auch Auswirkungen auf den Schiffsbetrieb auf dem Bodensee.
Die neuen Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben auch Auswirkungen auf den Schiffsbetrieb auf dem Bodensee.
Foto: Keystone

Das ganze Jahr über verkehrt die Bodensee-Fähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen. Die Fähre werde weiter nach Fahrplan fahren, schrieben die Bodensee Schiffsbetriebe (BSB) in Konstanz am Donnerstag in einer Mitteilung. An Bord werde es aber keinen Gastronomiebetrieb geben.

Ab 2. November werden die BSB keine Rundfahrten mehr anbieten. Dies sei eine Folge der Beschlüsse von Bund und Ländern zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Deutschland hat für den Monat November massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen.

sda/reuters/red

7300 Kommentare
    Annakova

    Infosperber:

    "Schickt niemanden, der nicht ansteckend ist, in Quarantäne!"