Handys und Kameras der Opfer sollen Ju-Absturz klären

Ein Jahr nach dem Unglücksflug einer Ju-52 wird nach wie vor nach der Unfallursache gesucht. Dabei helfen auch Aufnahmen auf den Mobiltelefonen der Passagiere.

Nach wie vor ungeklärte Absturzursache: Das Wrack der Unglücksmaschine.

Nach wie vor ungeklärte Absturzursache: Das Wrack der Unglücksmaschine. Bild: Keystone

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Vor einem Jahr ist eine Maschine der Ju-Air auf halbem Weg zwischen Locarno und Dübendorf in der Nähe des Piz Segnas in den Bündner Alpen abgestürzt. Dabei kamen alle 20 Insassen ums Leben. Zum Jahrestag des Unglücks hat die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) heute Freitag einen Statusbericht veröffentlicht.

Noch sei die Untersuchung nicht abgeschlossen, weshalb keine Teilergebnisse veröffentlicht würden. Die Aufklärung der Absturzursache werde dadurch erschwert, dass das Flugzeug weder mit einem Flugdatenschreiber noch mit einem Sprach- und Geräuschaufzeichnungsgerät ausgerüstet war. Deshalb greife man auf ungewöhnliche Untersuchungsmethoden zurück.

Bild- und Tonaufnahmen aus dem Innern der Ju

So habe sich die Sust in mehreren Aufrufen an die Bevölkerung gewandt und diese gebeten, Foto- und Filmaufnahmen, Flugwegaufzeichnungen und Beschreibungen von früheren Flügen zur Verfügung zu stellen. Es seien mehr als 200 Meldungen zum Unfallflug und zu früheren Flügen eingegangen.

An der Unfallstelle habe man zudem über 40 Mobiltelefone, Digitalkameras, Speicherkarten und andere Komponenten mit allfälligen Datenspeichern sichergestellt. Die meisten Speicher waren stark beschädigt und hätten nicht direkt ausgelesen werden können. Bei einigen sei es gelungen, durch aufwendige Verfahren Bild- und Tonaufnahmen des Unfallfluges und des Fluges am Vortag zu gewinnen.

Bei dieser Rekonstruktion sei man von der französischen Sicherheitsuntersuchungsbehörde Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la sécurité de l’aviation civile (BEA) unterstützt worden. Die Rekonstruktionsversuche an einigen der stark beschädigten Einheiten dauern noch an.

Auswertung der Tonspuren

Weiter sei der Talkessel südwestlich des Piz Segnas mit einem dreidimensionalen Laserscan-Verfahren aufgenommen worden. Damit könnten nun Aufnahmen, die vom Boden aus von der verunfallten Maschine im Flug gemacht wurden, bezüglich des Geländes positioniert und analysiert werden. Auch Aufnahmen aus dem Inneren des Flugzeuges könnten mit diesem Modell für die Flugwegbestimmung ausgewertet werden.

Parallel dazu würden die Tonspuren aus dem vorhandenen Filmmaterial analysiert. Eine Spektralanalyse der aufgenommenen Geräusche werde es möglicherweise erlauben, die Umdrehungszahlen der Motoren zu bestimmen und Rückschlüsse auf den Zustand der Motoren während des Unfallhergangs zu ziehen.

Der Faktor Mensch

Weil Tonaufnahmen aus dem Cockpit fehlen, würde auch die Vorgeschichte der Besatzung rekonstruiert. Dafür suche man nach Angaben aus früheren Tätigkeiten der Crew. Auch die unmittelbare Vorgeschichte, die Flugvorbereitung sowie der Gesundheitszustand der Besatzung würden untersucht.

Die abschliessenden Untersuchungsresultate veröffentlicht die Sust im Schlussbericht zum Unfall, der für das erste Quartal des kommenden Jahres in Aussicht gestellt wird. (hwe)

Erstellt: 02.08.2019, 12:53 Uhr

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