AboHayeks Superbatterie
Die Swatch-Tochter Belenos stellt ab dem Sommer Batterien für E-Bikes, Drohnen und Elektroautos her – in der Schweiz.

Vanadium heisst das Wundermittel, das die Welt der Batterien revolutionieren soll. Nick Hayek schwärmt vom chemischen Element, als handle es sich um eine seiner Uhrenmarken. Die von der Swatch-Tocherfirma Belenos entwickelte Batterie aus Vanadium könne 50 bis 100 Prozent mehr Energie speichern als klassische Batterien gleicher Grösse. Wegen der tieferen Spannung gehe von Belenos-Batterien keine Feuergefahr aus.
Noch in der zweiten Jahreshälfte will Hayek die neuartige Batterie auf den Markt bringen. Sie soll sich für mobile Stromfresser wie Elektrovelos, Elektroscooter oder Drohnen eignen. Zusammengesetzt zu Akkublöcken, soll die Batterie auch Elektroautos antreiben. «Wir haben schon sehr viele Interessenten», sagte der Swatch-Group-Chef am Donnerstag an der Jahresmedienkonferenz. Aus China, wo die Städte unter der Luftverschmutzung leiden, hat das Unternehmen schon Delegationen empfangen. Laut Hayek ist es möglich, dass bereits 2017 Autos mit den Vanadium-Batterien unterwegs sein werden.
Verwaltungsrat George Clooney
Weshalb hat die Swatch-Gruppe, die Uhrenmarken wie Omega, Tissot und Longines im Portfolio hat, überhaupt eine neue Batterie entwickelt? Das Projekt geht auf Nick Hayeks Vater Nicolas zurück. Dieser hat die Tochterfirma Belenos 2007 gegründet, um an ökologischen Technologien wie Brennstoffzellen und Fotovoltaik zu forschen und entsprechende Produkte zu entwickeln. Nachdem Hayek in den 90er-Jahren mit dem geplanten Elektroauto Swatchmobil gescheitert war, sollte sich Belenos auf die Energieträger beschränken. Letztes Jahr verkaufte das Unternehmen seine selbst entwickelte Brennstoffzelle (Wasserstoffantrieb) an die Freiburger Elektrizitätsgesellschaft Groupe E. Belenos wollte sich auf die Entwicklung der Superbatterie konzentrieren.
Mit der ETH Zürich und dem Paul-Scherrer-Institut konnte Belenos zwei potente Entwicklungspartner ins Boot holen. Auch der Verwaltungsrat des Unternehmens ist prominent bestückt: Der Schauspieler George Clooney und der Schweizer Astronaut Claude Nicollier sitzen darin. Verwaltungsratshonorare gibt es laut Belenos-Präsident Hayek keine.
Das Unternehmen ist mit einem Eigenkapital von 63 Millionen Franken gut ausgestattet. Die Aktien am Unternehmen sind wie folgt verteilt: 51 Prozent Swatch Group, 25 Prozent Familie Hayek, 14 Prozent Einzelaktionäre (u. a. Josef Ackermann, George Clooney, ETH Zürich), 10 Prozent Eigenbesitz Belenos.
Börsengang in Hongkong
Von Josef Ackermann stammt die Idee, Belenos an die Börse zu bringen. Hayek, der sonst keine Gelegenheit auslässt, Börsenhändler zu kritisieren, bestätigt das Vorhaben. Er geht von einem Börsenwert von 5 bis 20 Milliarden Franken aus. Die Swatch-Gruppe würde jedoch keine ihrer Aktien verkaufen, um die Kontrolle über die Gesellschaft und deren Patente nicht zu verlieren. Der Börsengang soll in Hongkong geschehen, weil Asien der grösste Markt für Batterien ist und weil Hayek bereits daran denkt, dort eine Fabrik für die Vanadium-Batterie zu bauen. Doch vorerst ist die neue Batterie ein Swiss-made-Produkt. Denn Belenos lässt sie bei einer anderen Swatch-Group-Tochter herstellen: bei der Batterienfabrik Renata in Itingen BL. Renata produziert 800'000 Batterien für Uhren und elektronische Geräte – pro Tag. Nun wird für die grösseren Belenos-Batterien eine eigene Produktionslinie aufgebaut, ab Juli soll serienmässig produziert werden. Dafür sollen 20 bis 30 Stellen geschaffen werden.
Ab nächstem Jahr wird die Swatch-Tochter Renata zudem Vanadium-Batterien im Kleinformat herstellen. Diese sind laut Renata-Chef Stefan Pfrommer ideal für kleine, energieintensive Geräte – etwa für Bluetooth-Headsets, Fitnessbänder oder Uhren mit elektronischen Zusatzfunktionen. Auch entsprechende Uhren der Swatch-Gruppe sollen so länger ohne Batteriewechsel auskommen.
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