Heidi geht fremd

Unterdessen in Flumserberg SG: Das geplante Heidi-Resort im sankt-gallischen Flumserberg sorgt für böses Blut in Graubünden.

Im Flumserberger Erlebnispark darf der Gast künftig «für einen Tag Heidi sein»: Blick auf die Alp Tannenboden, dahinter die Churfirsten. Foto: Flums.ch

Im Flumserberger Erlebnispark darf der Gast künftig «für einen Tag Heidi sein»: Blick auf die Alp Tannenboden, dahinter die Churfirsten. Foto: Flums.ch

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Ungeheuerliches spielt sich zurzeit im Sarganserland ab. Vermutlich dreht sich gar Johanna Spyri im Grab um. Ende Januar wurde bekannt, dass in Flumserberg hoch über dem Walensee 100 Millionen Franken in die touristische Infrastruktur investiert werden. Geplant sind ein Hotel, eine Gondelbahn – und das «Heidi-Alperlebnis Flumserberg».

Heidi-Fans wissen, dass Spyris weltberühmter Roman nicht im sankt-gallischen Flumserberg, sondern auf einer Alp oberhalb von Maienfeld in der Bündner Herrschaft spielt: «Vom freundlich gelegenen, alten Städtchen Maienfeld aus führt ein Fussweg durch grüne, baumreiche Fluren bis zum Fusse der Höhen, die von dieser Seite gross und ernst auf das Tal herniederschauen», heisst es im ersten Kapitel des Kinderbuchs. Hier in der Heidialp spielte das Waisenkind mit den Geissen Schwänli und Bärli, es sass bei Kerzenschein bei seinem lieben Alpöhi und freute sich auf die Ankunft Geissenpeters.

Im Flumserberger Erlebnispark darf der Gast künftig «für einen Tag Heidi sein». Ein zwölfköpfiges Schauspielerensemble, eine Eisenbahn, ein Alpbetrieb und ein nachgebauter Frankfurter Stadtteil lassen ihn in die Welt von damals eintauchen. Der Besucher kann überdies Brot backen oder unter der Anleitung des Alpöhi einen Holzschemel zimmern. «Die St. Galler krallen sich Heidi und verpflanzen das arme Ding, eine Bündnerin durch und durch, kurzerhand nach Flumserberg in einen Erlebnispark», stichelte die «Thurgauer Zeitung».

«Die Erlebniswelt versteht sich als Ergänzung zum Heididorf in Maienfeld.»Amt für Wirtschaft und Arbeit St. Gallen

«Die Heidi-Erlebniswelt versteht sich nicht als Konkurrentin, sondern als Ergänzung zum bereits bestehenden Heididorf in Maienfeld», hält hingegen das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen fest und brachte damit das Fass zum Überlaufen. Vor fast 20 Jahren begannen die Maienfelder nämlich mit der Eröffnung des Heidi-Museums, das Kinderbuch zu vermarkten. Daraus wurde später die Heididorf AG, ein Tourismusmagnet, der mittlerweile jährlich 150'000 Besucher anzieht.

Doch parallel dazu begannen die St. Galler, ennet des Rheins ihre Heidi zu verkaufen. Ermöglicht hat dies der St. Moritzer Kurverein, der den Begriff «Heidiland» 1979 schützen liess – und fleissig Heidi-Lizenzen verkaufte. So auch an Urs Kamber, früherer Kurdirektor von Bad Ragaz und Vater des St. Galler Heidilandes. Es wurde Ende der 90er als touristische Offensive des Sarganserlandes ins Leben gerufen.

Seitdem gibt es zwei Heidialpen, zwei Heidiwege, zwei Hobby-Alpöhi – und jede Menge böses Blut. Und nun entsteht auf St. Galler Boden ein millionenteurer Erlebnispark, während man in Graubünden «gerade mal so weit ist, dass den Behörden ein touristischer Richtplan im Entwurf vorliegt», empörte sich der Verwaltungsrat der Maienfelder Heididorf AG kürzlich in der Bündner «Südostschweiz». Das Fazit der Zeitung: «St. Gallen handelt, Graubünden verwaltet.»

Erstellt: 24.02.2017, 10:30 Uhr

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