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Modischer SchutzHier finden Sie Stoffmasken «Made in Zurich»

Schutzmasken aus modischen Stoffen werden immer beliebter. Manche lokalen Hersteller versuchen nun antivirale Beschichtungen einzunähen.

Stoffmaske nach Mass: In Zürich haben sich verschiedene Unternehmen auf die Herstellung von Gesichtsschutzmasken spezialisiert. Hier bekommt eine aus dem Nähatelier Sunita Suits den Endschliff.
Stoffmaske nach Mass: In Zürich haben sich verschiedene Unternehmen auf die Herstellung von Gesichtsschutzmasken spezialisiert. Hier bekommt eine aus dem Nähatelier Sunita Suits den Endschliff.
Foto: Urs Jaudas
Garant für Handarbeit: Die Maske bekommt eine Etikette .
Garant für Handarbeit: Die Maske bekommt eine Etikette .
Bild: Urs Jaudas
Jede Naht sitzt: Die Näherin des Ateliers Sunita Suits beim Herstellen einer Gesichtsmaske.
Jede Naht sitzt: Die Näherin des Ateliers Sunita Suits beim Herstellen einer Gesichtsmaske.
Urs Jaudas
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Wegwerfmaske oder Stoffmaske? Die Frage ist nicht trivial. Seit Donnerstag sind Gesichtsschutzmasken in Zürcher Geschäften Pflicht, im öffentlichen Verkehr ist das schon seit Anfang Juli der Fall. Der Mund-Nasen-Schutz prägt unseren Alltag immer stärker.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir ihn sogar noch häufiger werden tragen müssen, wenn die Infektionszahlen weiter steigen – beispielsweise am Arbeitsplatz, in der Schule oder an unterschiedlichsten Veranstaltungen. In Paris etwa muss man schon eine Maske überziehen, sobald man vor die Tür geht, in Italien in jedem öffentlich zugänglichen Raum.

Stoffmasken haben nichts Medizinisches, erinnern nicht auf den ersten Blick an Spital und Krankheit.

Stoffmasken haben den Vorteil, dass sie wiederverwendbar sind, weil man sie reinigen kann. Und sie haben nichts Medizinisches, erinnern nicht auf den ersten Blick an Spital und Krankheit. Sie sind kleidsamer, individueller, sie sind längst zum Modeaccessoire geworden, das man an Outfit oder Stimmung anpassen kann.

Noch vor wenigen Monaten hätte man sich anstrengen müssen, überhaupt eine Maske aus Stoff aufzutreiben. Inzwischen ist die Auswahl kaum mehr überschaubar. Überall werden genähte Masken angeboten: bei der Quartierschneiderin, im Supermarkt, im Designerladen, in der Boutique und natürlich im Internet.

Ersatzeinkommen für Hersteller

Für viele Betriebe, die mit Nähmaschinen ihr Geld verdienen, hat die Herstellung von Masken geradezu existenzielle Bedeutung, weil das übliche Geschäft wegen der Corona-Einschränkungen eingebrochen ist. «Ohne die Masken wären wir nicht so gut durch die schwierige Zeit gekommen», sagt etwa Jasmin Scheidegger von Sunita Suits im Kreis 2. Denn welches Unternehmen wollte schon in Lockdown-Zeiten einen ganzen Satz Anzüge für seine Equipe bestellen? «Wir gehörten zu den Ersten in Zürich, die Masken im Angebot hatten.»

«Wir können an den Verkaufszahlen ablesen, wenn es eine Pressekonferenz der Behörden zum Thema Masken gegeben hat.»

Urs Meier, Geschäftsführer «Luft und Laune»

Auch bei «Luft & Laune» in Schwamendingen werden derzeit nur noch wenige der riesigen aufblasbaren Blumen oder Tiere bestellt, für die die Firma bekannt ist. «Wir sind seit Monaten zu 90 Prozent mit Masken beschäftigt», sagt Geschäftsführer Urs Meier. «Wir können an den Verkaufszahlen ablesen, wenn es eine Pressekonferenz der Behörden zum Thema Masken gegeben hat.» Seit letztem Montag, als die Maskenpflicht in Zürcher Geschäften angekündigt wurde, sei der Absatz gestiegen.

Handarbeit bei der Herstellung einer Maske: Eine Näherin des Ateliers Sunita Suits schneidet den Stoff nach Muster aus.
Handarbeit bei der Herstellung einer Maske: Eine Näherin des Ateliers Sunita Suits schneidet den Stoff nach Muster aus.
Foto: Urs Jaudas

Bei «Luft & Laune» läuft der Verkauf hauptsächlich über Internet und Grossaufträge. Ein Onlineangebot hat auch Alicia Nogueira, Betreiberin des Nähateliers T-Werkstatt in der Roten Fabrik in Wollishofen. «Aber viele wollen die Masken live sehen», sagt sie. «Deshalb läuft der Verkauf in den Geschäften, die meine Produkte anbieten, besonders gut.»

Antivirale oder zertifizierte Masken

Nogueira plant, demnächst auch Masken aus einem Stoff zu nähen, der antivirale Eigenschaften hat. Denn allgemein gilt, dass Stoffmasken für den quasi-medizinischen Gebrauch als Krankheitsschutz nicht zertifiziert sindim Gegensatz zu Hygienemasken aus Filtermaterial zur einmaligen Verwendung. Stoffmasken auch Alltagsmasken, Community Masks oder Bevölkerungsmasken genannt –, verhindern je nach Beschaffenheit zwar eine Verbreitung von Tröpfchen in der Atemluft der Trägerinnen mehr oder weniger gut. In Pflegeeinrichtungen sind sie jedoch nicht erlaubt.

Um den Schutz zu verbessern, arbeitet «Luft und Laune» zusammen mit der Firma HeiQ aus Schlieren, einem Spin-off-Unternehmen der ETH, das auf die Beschichtung von Textilien spezialisiert ist, darunter auch antivirale Stoffe. Die Nahtlos GmbH wiederum, ein Spin-off der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), preist die verbesserte Filterfunktion ihrer besonders eng und nahtlos gestrickten Masken. Und der Verband der Schweizer Textilbranche, Swiss Textiles, hat ein eigenes Prüfverfahren entwickelt, das Testex-Label für Community Masks, das die Einhaltung der Empa-Empfehlungen für solche Masken bescheinigt.

Trotzdem sind all diese Masken nicht staatlich zertifiziert. Aber sie bieten einen wichtigen Schutz für Tragende und ihr Umfeld. Und sehen viel besser aus als die offiziellen Filterfetzen.