Juweliere, übernehmt Verantwortung!

Uhrenhersteller auf der Baselworld sollen offenlegen, woher ihr Gold kommt und was sie für den Schutz der Menschenrechte tun.

Eine Aktivistin demonstriert im März 2016 an der Baselworld gegen Menschenrechtsverletzungen beim Abbau von Gold. Foto: Patrick Straub (Keystone)

Eine Aktivistin demonstriert im März 2016 an der Baselworld gegen Menschenrechtsverletzungen beim Abbau von Gold. Foto: Patrick Straub (Keystone)

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Am Donnerstag beginnt die Baselworld, eine der grössten Schmuck- und Uhrenmessen weltweit. Besucher werden viel über neues Design bei Uhren und Schmuck erfahren. Aber wie viel wird über die menschenrechtlichen Bedingungen zu erfahren sein, unter denen Gold und andere Rohstoffe für Schmuck gefördert wurden?

Beim Abbau von Gold kommt es immer wieder zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen. Für Human Rights Watch haben meine Kollegen und ich Missstände in Goldminen in den Philippinen, Papua-Neuguinea, Ghana, Mali, Nigeria, Tansania, Uganda und Eritrea dokumentiert. Wir haben genauer untersucht, was Juweliere und Uhrenfirmen tun, um sicherzustellen, dass sie nicht zu Menschenrechtsverletzungen in ihren Gold- und Diamantenlieferketten beitragen. Dazu haben wir 13 führende Schmuck- und Uhrenhersteller unter die Lupe genommen; gemeinsam haben die Firmen einen Jahresumsatz von 30 Milliarden US Dollar. Unter ihnen sind Bulgari, Chopard, Harry Winston und Rolex.

Keine Prüfung, keine Ahnung

Bei unserer Untersuchung stellte sich heraus, dass die meisten Firmen nicht wissen, woher ihr Gold und ihre Diamanten kommen, und dass sie menschenrechtliche Risiken nicht ausreichend prüfen. Zudem veröffentlichen Schmuck- und Uhrenhersteller – auch Bulgari, Chopard und Harry Winston – meist nur wenige allgemeine Informationen über ihre Lieferketten und Menschenrechtsrisiken. Einige Unternehmen wie zum Beispiel Rolex veröffentlichen sogar überhaupt keine Informationen darüber.

Als wir mit den 13 Unternehmen vor mehr als einem Jahr in Kontakt traten, wiesen viele auf ihre Zertifizierung durch den Responsible Jewellery Council (RJC) hin. Der RJC ist ein industrienaher Verband, der seine mehr als 1000 Mitglieder für die Umsetzung seines «Code of Practices»-Standards zertifiziert. Der Standard ist allgemein und unpräzise und verlangt von den Firmen nicht, dass sie ihre Lieferkette kennen. Der Standard fällt selbst hinter die von der OECD entwickelten Richtlinien zurück.

Der Druck nimmt zu

Alle Schmuck- und Uhrenhersteller haben eine Verantwortung für ihre Lieferketten. Konsumenten drängen zunehmend darauf, dass Firmen diese Verantwortung wahrnehmen. Und nicht nur das – internationale Normen über die Sorgfaltspflicht machen klar, dass Firmen die Risiken für Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten detailliert untersuchen und gegebenenfalls darauf reagieren sollten. Auch Juweliere und Uhrenhersteller sollten daher ihre Wertschöpfungskette kennen und Zulieferer verpflichten, ihnen schriftliche Informationen über alle Schritte bis zurück zur Mine zu geben. Im Interesse der Transparenz sollten die Unternehmen öffentlich darlegen, welche Massnahmen der Sorgfaltspflicht sie ergreifen.

Vermehrt wird in der Schweiz und anderswo darauf gedrängt, dass eine solche Sorgfaltspflicht in Lieferketten für Unternehmen rechtlich bindend wird. Denn freiwillige Standards reichen nicht aus, um die Grosszahl der Unternehmen zum Handeln zu bewegen.

Wenige gute Beispiele

Einige wenige Firmen gehen dennoch mit gutem Beispiel voran. Aus den von uns untersuchten Unternehmen sticht Tiffany & Co. heraus, weil es sein Gold bis zur Mine zurückverfolgen kann und die menschenrechtlichen Auswirkungen seiner Geschäftsaktivitäten umfassend prüft. Und eine wachsende Zahl von Schmuckherstellern bemüht sich darum, Gold aus kleinen Minen zu beziehen, in denen die Menschenrechte gewahrt werden.

Ein Beispiel hierfür ist der «Fairmined»-Standard, der Minen zur Einhaltung arbeitsrechtlicher Standards verpflichtet und diese regelmässig prüft. Interessanterweise bezieht auch Chopard einen kleinen Teil seines Goldes aus diesen Minen – ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist aber enttäuschend, dass Chopard über die Lieferkette für den weitaus grösseren Teil seines Goldes bis jetzt keine Auskunft gibt.

Es wird Zeit, dass alle Juweliere und Uhrenhersteller auf der Baselworld offenlegen, woher ihr Gold kommt und was sie für den Schutz der Menschenrechte in ihren Lieferketten tun.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.03.2018, 11:50 Uhr

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Juliane Kippenberg

Stellvertretende Leiterin der Abteilung Kinderrechte von Human Rights Watch

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