Zum Hauptinhalt springen

«Ich wusste, dass ich stark bin»Hirschis Flucht wird belohnt, er holt sich den Etappensieg

Zweimal probierte es der Berner schon, zweimal scheiterte er knapp. Doch nun reüssierte er endlich – und das gleich bei der längsten Etappe der diesjährigen Tour.

Der Berner darf sich freuen. Er gewinnt die 12. Etappe der diesjährigen Tour de France.
Video: SRF

Endlich hatte er es geschafft. Endlich gelang ihm die Flucht bis zum Ende, bis zum Ziel. Nachdem er es schon zweimal probiert hatte und zweimal äusserst knapp gescheitert war – durfte er sich nun freuen. Wer? Marc Hirschi. Der 22-jährige Berner gewann nach einer Soloflucht die längste Etappe an der diesjährigen Tour de France.

Hirschis Sieg ist historisch. Er ist nämlich der erste Schweizer seit 8 Jahren, der eine Etappe an der wichtigsten Radrundfahrt der Welt gewinnt. Fabian Cancellara gelang 2012 der letzte Sieg. Er gewann damals den Prolog in Lüttich/Belgien. Überdies ist es der 59. Etappensieg der Schweiz an der Tour de France.

«Ich hätte es nicht gedacht»

«Die knappen Ergebnisse der letzten Etappen haben mir Selbstvertrauen gegeben. Ich wusste, dass ich stark bin, sonst hätte ich nicht angegriffen», sagte der 22-Jährige im Siegerinterview. Dreimal auf dem Podium und nie gewonnen, das könne doch nicht sein, meinte er. Er habe heute einfach gewinnen müssen. Und: «Ich hätte nicht gedacht, dass ich bereits mit 22 Jahren eine Tour-de-France-Etappe gewinnen kann. Dass ich überhaupt hier starten durfte, ist unglaublich.»

Und das ist es wirklich: unglaublich. Aber Hirschis Sieg ist verdient. Insbesondere nach den zwei so knapp verpassten Etappensiegen an der diesjährigen Tour.

So war der Berner gut 40 Kilometer vor dem Ziel in einer sechsköpfigen Gruppe ausgerissen. Am Anstieg zum Suc au May, einem Berg der zweiten Kategorie, konnte sich Hirschi dann absetzen. Ein paar Radfahrer wie der Deutsche Maximilian Schachmann und der Spanier Marc Soler machten sich auf die Verfolgung, schafften es aber nicht und wurden stattdessen von der Gruppe um Superstar Julian Alaphilippe eingeholt. Und so kam es, dass dem Berner die Soloflucht gelang. Der 22-Jährige hielt alle auf Distanz und durfte nach einem zweiten Platz in Nizza und Rang drei in Laruns erstmals jubeln.

Marc Hirschi sagt: «Ich wusste, dass ich stark bin, sonst hätte ich nicht angegriffen.»
Marc Hirschi sagt: «Ich wusste, dass ich stark bin, sonst hätte ich nicht angegriffen.»
Foto: Keystone

Roglic weiter in Gelb

An der Spitze der Gesamtwertung blieb derweil alles beim Alten. Vuelta-Champion Primoz Roglic trägt auch nach der zwölften Etappe weiter das Gelbe Trikot und liegt 21 Sekunden vor Titelverteidiger Egan Bernal. Dritter ist 28 Sekunden zurück der Franzose Guillaume Martin.

Am Freitag sind die Top-Favoriten wieder gefordert, wenn auf der 13. Etappe über 191,5 Kilometer von Châtel-Guyon nach Puy Mary Cantal insgesamt sieben Bergwertungen im Zentralmassiv mit 4400 Höhenmetern warten. Das Ziel liegt ausserdem in 1589 Meter Höhe.