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Fast 6000 Entlassungen befürchtetHoteliers hätten gern 500 Millionen Franken Härtefallhilfe

Stimmt diese Woche das Parlament zu, stellt der Staat eine Milliarde an zusätzlichen Corona-Hilfen zur Verfügung. Die Hoteliers melden schon mal ihre Ansprüche an.

Der finanzielle Ausblick für die Stadthotellerie ist düster: Blick aus dem Hotel Storchen in Zürich, Anfang 2017.
Der finanzielle Ausblick für die Stadthotellerie ist düster: Blick aus dem Hotel Storchen in Zürich, Anfang 2017.
Tages-Anzeiger/Urs Jaudas

Die Hotels, insbesondere jene in den Städten, gehören zu den von Corona am stärksten betroffenen Branchen. Zwischen Mai und September brachen die Logiernächtezahlen gegenüber 2019 gesamtschweizerisch um ein Viertel ein, in den Regionen Bern, Zürich, Basel und Genf sogar um 63 Prozent. Für die Zentren dürfte der Winter sogar noch schlechter ausfallen als der Sommer. Aber auch die Berghotels zittern: Je nach politischer und epidemiologischer Entwicklung kommen keine Ausländer. Ja, vielleicht bleiben sogar viele Schweizer zu Hause, wenn der Bundesrat die Skigebiete in ihren Kapazitäten beschränkt, wie es zurzeit zumindest zur Debatte steht.

«Die Lage spitzt sich gerade gewaltig zu», warnt Nicole Brändle Schlegel, Leiterin der Abteilung Politik beim Verband Hotelleriesuisse. Sie fordert nun Unterstützung von der Politik. Ab Mittwoch behandelt das Parlament den Vorschlag des Bundesrats zu den Härtefallhilfen: Total sollen die Kantone mit finanzieller Unterstützung des Bundes bis zu einer Milliarde Franken an A-fonds-perdu-Beiträgen und Darlehen für Unternehmen bereitstellen, die unverschuldet in die Krise geraten sind.

Laut einer Umfrage von Hotelleriesuisse unter rund 500 Mitgliederbetrieben, deren Resultate dieser Zeitung vorliegen, würden zwei Drittel von ihnen diese Härtefallhilfen begrüssen, sprich dann wohl auch beantragen. «Total würden sich diese Ansprüche auf 500 Millionen Franken summieren», sagt Brändle Schlegel. Damit würde die Hälfte der in Aussicht gestellten Milliarde an eine einzige Branche gehen. «Wir sind uns bewusst, dass die politischen Realitäten es nicht zulassen werden, dass die Hälfte der Härtefallhilfen an die Hotellerie geht», sagt Brändle Schlegel. «Wir denken darum, dass eine Milliarde nicht ausreicht, um die gerechtfertigten Ansprüche aller Branchen zu befriedigen.» Finanzminister Ueli Maurer hat bereits eine Erhöhung in Aussicht gestellt, wenn auch erst für das neue Jahr.

Sie fordern nicht nur Geld

In der Verbandsumfrage bekräftigte eine Mehrheit der Unternehmen weiter, dass sie sich über Anpassungen der Bedingungen des Covid-19-Kredits freuen würden. Sie wünschen sich eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist von fünf auf acht Jahre oder einen Schuldenerlass für Härtefälle. Am wichtigsten wäre für sie jedoch eine Garantie auf einen Nullzins: Nach aktueller Regelung könnte der Zins der Hilfskredite steigen, sollte dies auch jener am Finanzmarkt tun. Auch hier würde ein Entgegenkommen die öffentliche Hand Geld kosten, schliesslich müsste der Bund die kreditgebenden Banken für den Zinsausfall entschädigen.

Allerdings fordern die Hoteliers nicht nur mehr finanzielle Unterstützung vom Staat, sie handeln auch selbst, um ihr Überleben zu sichern: Mehr als jedes dritte Hotel plant, in den nächsten sechs Monaten Mitarbeiter zu entlassen; in der Stadt ist es sogar mehr als jedes zweite. Laut einer Hochrechnung des Verbands fallen damit zusätzlich zu den 6000 Stellen, die die Corona-Krise in der Hotellerie bisher schon gefordert hat, 5800 Jobs weg.

12 Kommentare
    Benedikt Jorns

    Sobald ein Staat mehr ausgibt als er einnimmt, verliert seine Währung an Wert. Während über viele Jahre die EU-Länder und die USA ständig Defizite hatten, war unser Staatshaushalt ausgeglichen. Der Euro und der Dollar verloren so gegenüber dem Schweizerfranken stets an Wert und unser Export geriet stark unter Preisdruck. Viele unserer Produkte konnten nicht mehr konkurrenzfähig angeboten werden.

    Wegen Corona haben sich nun auch unser Staat und die Kantone stark verschuldet. Sofort stieg der Eurokurs ein wenig von 1,05 auf 1,08. Doch wenn wir unseren Export langfristig fördern wollen, macht es gar nichts, wenn der Eurokurs noch ein bisschen mehr steigt.

    Staatsdefizite dürfen niemals mit Defiziten von Unternehmen verglichen werden. Unser Finanzminister Ueli Maurer darf gegenüber durch Corona ins Minus geratene Unternehmen und deren Mitarbeiter ruhig etwas grosszügiger werden. Es macht gar nichts, wenn unser Schweizerfranken weiterhin ein bisschen an Wert verliert.