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Verletzung regt Blüte anHummeln beissen Pflanzen zur Stimulation

Die Weibchen knabbern und kneifen, damit etwa Tomatenpflanzen früher blühen. Forscher vermuten, dass sie die Methode wegen des Klimawandels entwickelt haben.

Soll zum Blühen anregen: Hummeln fügen von ihnen bestäubten Pflanzen durch Knabbern und Kneifen kleine Verletzungen zu.
Soll zum Blühen anregen: Hummeln fügen von ihnen bestäubten Pflanzen durch Knabbern und Kneifen kleine Verletzungen zu.
Foto: Felipe Trueba/Keystone

Hummeln stechen zwar nicht, knabbern und kneifen tun sie aber sehr wohl. ETH-Forschende haben ein spezielles Verhalten entdeckt, mit dem die Hummeln die zeitliche Abstimmung zwischen ihnen und den von ihnen bestäubten Pflanzen verbessern.

In einer Studie, die im Fachmagazin «Science» veröffentlicht wurde, zeigen die Forschenden, dass Hummelarbeiterinnen mit ihren Mundwerkzeugen in die Blätter jener Pflanzen kneifen, die keine Blüten tragen. Der daraus entstandene Schaden regt bei den Pflanzen offensichtlich die Blütenproduktion an.

Nachahmungsversuch im Labor

Tomatenpflanzen, die dem Hummelverbiss ausgesetzt waren, blühen gemäss der Studie bis zu 30 Tage früher als üblich. Bei Senfpflanzen verschob sich der Blühzeitpunkt um zwei Wochen nach vorne.

Die Forschenden versuchten, die Verletzungen an den Blättern nachzuahmen. Und tatsächlich blühten sowohl Tomaten- als auch Senfpflanzen etwas früher. Allerdings war der Effekt nicht annähernd so stark wie wenn eine Hummel gekniffen hätte.

Die Forschenden vermuten deshalb, dass innerhalb der Pflanze ein chemisches Signal beteiligt sein könnte – oder dass die Blattschäden durch den Menschen nicht genau genug nachgeahmt werden können.

Kneifen gegen den Klimawandel

Gemäss ETH-Mitteilung haben Hummeln möglicherweise eine wirksame Methode entwickelt, um lokal Pollenmangel zu lindern. In der Natur gebe es auch andere Bestäuber, die von den Bemühungen der Hummeln profitieren könnten, etwa Honigbienen. Diese kneifen selber keine Blätter.

Die Forschenden vermuten, dass das Blätter-Kneifen mit dem Klimawandel zusammenhängt. Jahreszeitliche Anomalien würden zu Unsicherheiten führen und könnten die zeitliche Abstimmung zwischen Pflanzen und ihren Bestäubern stören.

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11 Kommentare
    Maciej Pietrzak

    Man müsste die Publikationen von den Basler Forschern an der UNI lesen, besonders die Werke von Prof. T. Boller, einen weltbekannten Spezialisten in diesem Gebiet. Ich wollte Gestern das erklären mit ein bisschen Erfahrung aus früheren Zeiten. Worum geht es hier? Das ist Ethylen. Das Phänomen seit Jahrzehnten bekannt. Wenn die Pflanzen beschädigt werden, produzieren sie das Gas Ethylen, als Signal für andere Pflanzen. Das bekannte Bericht über die Giraffen, die krank in einem geschlossenen Naturpark in Afrika, geworden sind. Die Bananen werden jetzt auch mit Hilfe von Ethylen gereift. Worum geht es. Die Pflanzen die unberührt wachsen können, haben vor allem vegetatives Wachstum. Die Pflanzen die angegriffen werden, durch Insekten, Pilze oder einfach verwundert, produzieren Ethylen, ein Signal-Bote für andere Pflanzen, „wir sind angegriffen“. Das ist auch ein Signal dass die Pflanzen vom vegetativen auf generatives Wachstum sich umstellen. Samen zu produzieren, bevor wir gefressen werden, und auf dieser Art und Weise das Nachkommen zu sichern. Die Hummeln haben bestimmt dieses Verhalten seit Millionen von Jahren eingeboren.