Zum Hauptinhalt springen

«Ich habe nichts versäumt»

Das schönste Erlebnis, die wichtigste Lektion: Über 80-Jährige erinnern sich an ihre Jugend – und geben Tipps.

Reisen, Schulden, Toleranz: Das raten Bewohner zweier Zürcher Alterszentren der heutigen Jugend. (Video: Dominique Meienberg)

Yvonne Arzethauser

(88)

Was ist Ihre schönste Jugend-Erinnerung?

Die Landesausstellung von 1939 am See vorne. Und als General Henri Guisan die Stadt Zürich im gleichen Jahr besuchte: Wir standen mit Fähnchen in der Hand Spalier und durften ihm kurz Grüezi ­sagen.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie als junger Mensch gelernt haben?

Mein Vater wünschte sich, dass ich im Büro arbeite oder in einem Damen­modengeschäft. Beides wollte ich auf keinen Fall. Darum stellte ich mich so dumm an, dass sie mich schliesslich im Coop arbeiten liessen – dort, wo ich immer hin wollte.

Was haben Sie versäumt?

Nichts.

Arthur Klaus

(90)

Was ist Ihre schönste Jugend-Erinnerung?

Meine Jugend war insgesamt sehr schön, das Schönste kann ich gar nicht nennen ... Ich freute mich, als mein Bruder zur Welt kam – 14 Jahre nach mir. Allerdings musste ich ihn im Kinderwagen mitnehmen, als ich mit meinem Schulschatz spazieren ging. Das wusste dann das ganze Schulhaus.

Zum Inhalt

Was war die wichtigste Lektion, die Sie als junger Mensch gelernt haben?

Wissen Sie, damals war Krieg – da musste man nichts wollen. Was ich aber sicher gelernt habe: folgen. Sonst gab es Ohrfeigen oder irgendetwas anderes. Ich hatte eine strenge Erziehung, aber eine gute: Nie in meinem ganzen Leben wurde ich kriminell.

Was haben Sie versäumt?

Nach der Lehre zum Feinmechaniker, mit 20, wäre ich gern ins Welschland gegangen, um Französisch zu lernen. Meine Eltern erlaubten es nicht. Später versuchte ich es mit einem Sprachkurs, aber das ging zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.

Hedy Bellmont

(91)

Was ist Ihre schönste Jugend-Erinnerung?

Eine dreitägige Velotour mit meinem ­Vater über den Klausenpass, als ich 14 war. Ich fuhr mit dem Postauto hoch und wartete oben auf meinen Vater, der das Velo stiess. Weil wir nur zwei Velos hatten, durfte ich als Einzige von sechs Kindern mit.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie als junger Mensch gelernt haben?

Als Mädchen war man dafür bestimmt, den Haushalt zu führen, einen Beruf zu lernen war kein Thema. Damals war mir das egal, aber heute reut es mich.

Was haben Sie versäumt?

Wir wären so gerne an die Fasnacht ­gegangen, aber der Vater liess uns nicht. Ich weiss nicht, warum. Er konnte mit dem Verkleiden nichts anfangen. Später ging ich dann mit meinem Mann hin – als Vogelscheuche.

Ernst Risi

(84)

Was ist Ihre schönste Jugend-Erinnerung?

Ich konnte frei und selbstbestimmt ­leben, den Tag nach meinem Willen ­gestalten. Zwar musste ich meinen Lohn abgeben, erhielt aber jeden Monat ein fürstliches Sackgeld: 200 bis 300 Franken.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie als junger Mensch gelernt haben?

Organisieren. Und eine gewisse Standhaftigkeit, die mir mein Vater beibrachte.

Was haben Sie versäumt?

Als selbstständiger Käsermeister fehlten mir die Samstage und Sonntage, ich habe praktisch jedes Wochenende gearbeitet. Mit 25 zog ich dann in die Stadt und wechselte den Beruf. Da bekam ich plötzlich all die Freiheiten, von denen ich geträumt hatte – Ausgang etwa.

----------

Der Traum von der Jugend neigt sich langsam dem Ende zu. Es folgt ab nächstem Montag der Sommertraum vom Ruhm. Auch diesen möchten wir kommende Woche mit einer Wortwolke darstellen. Bitte senden Sie uns drei Stichworte, die Sie mit Ruhm verbinden, die für Sie persönlich untrennbar mit Ruhm verbunden sind an bellevue@tages-anzeiger.ch oder schreiben Sie sie in unsere Kommentarspalte.

Vielen Dank!

----------

Zum Inhalt

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch