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Federer-Comeback im März«Ich musste untendurch. Nun möchte ich grosse Siege feiern»

Roger Federer kündigt an, dass er in Doha auf die Courts zurückkehrt. Und er beschreibt seine Rolle als Quarterback der Familie.

Federers Rückkehr auf die Tour: Als Nummer 5 der Welt und nach 13-monatiger Pause.
Federers Rückkehr auf die Tour: Als Nummer 5 der Welt und nach 13-monatiger Pause.
Foto: Ashley Vlotman (Getty Images)

Die Anzeichen hatten sich in den vergangenen Wochen verdichtet, in der Gerüchteküche brodelte es. Nun liess Roger Federer die Katze aus dem Sack. Nachdem er über ein Jahr, seit dem Halbfinal am Australian Open 2020, keine wettkampfmässige Tennispartie mehr gespielt hat, will er in der zweiten Märzwoche in Doha auf die ATP-Tour zurückkehren.

«Ich bin zufrieden, dass ich sagen darf, dass ich es in Doha wieder probieren werde», erklärte Federer am Montag in einer Trainingshalle am Zürichsee gegenüber SRF-Sportreporter Bernhard Schär. «Ich habe lange überlegt, aber Australien kam etwas zu früh für mich. Ich wollte auch lieber an einem kleineren Turnier zurückkommen, nicht am Australian Open. In Doha werden die Tribünen wahrscheinlich leer sein.»

Auch die weitere Saison skizzierte Federer schon ziemlich deutlich. «Abhängig davon, wie es in Doha gelaufen ist, spiele ich noch ein weiteres Turnier. Sonst gehe ich zurück in einen zusätzlichen Trainingsblock mit Tennis und Kondition.» Klar ist für ihn auch, dass er dieses Jahr wieder auf Sand antreten wird, allerdings alles als Vorbereitung auf seine wichtigste Saisonphase, die mit der Rasensaison beginnt. «Alles passiert im Hinblick auf Halle, Wimbledon, Olympia und das US Open. Das ist dann eigentlich der richtige Startschuss.»

Den Hauptgrund, dass er im fortgeschrittenen Alter – am 8. August wird er 40 – und nach zwei Knieoperationen noch einmal so viel tut für ein Comeback, erklärte er so: «Ich spiele fürs Leben gern Tennis, habe in der Reha viel gegeben, liess mich operieren, lief auf Krücken. Dann investierte ich viel ins konditionelle und tennistechnische Training.» Nun wolle er wieder Turniere spielen, die Trainingsplätze hinter sich lassen, ins Geschehen eingreifen und schauen, wie der Körper reagiert. «Das ist für mich schon speziell nach einem so langen Jahr.»

«Ich würde gerne nochmals grosse Siege feiern können, und dafür bin ich bereit, einen langen, harten Weg zu gehen»

Der Siegeshunger und die Motivation sind beim 20-fachen Grand-Slam-Sieger ungebrochen. «Ich musste in den letzten Monaten untendurch, aber ich machte es immer mit Freude und hatte auch ein super Team um mich herum. Das ist der richtige Moment, es nochmals zu probieren. Ich würde gerne nochmals grosse Siege feiern können, und dafür bin ich bereit, einen langen, harten Weg zu gehen.»

Das tennislose Jahr habe aber auch schöne Seiten gehabt. Er sei sozusagen der Quarterback seiner Familie gewesen, habe auch oft die Kinder herumgefahren. «Es war ein interessantes und angenehmes Jahr für mich, total ruhig, ohne Reisen. Ich musste oft zu Hause bleiben wegen der Pandemie. Ich hoffe, dass in diesem Jahr alles besser kommt. Sonst müssen wir halt schauen, wie das mit dem Reisen läuft. Wir müssten Tag für Tag nehmen, genau wie die anderen Leute auch.»

Und wie beurteilt er seinen Formstand? «Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber beinahe. Deshalb getraue ich mich auch zurück auf die Tour. Ich ziehe meine Sprints durch, spiele meine Trainingssätze. Ich fühle mich stark, besser als im November und Dezember, als noch viel mehr Unsicherheiten da waren.» Wichtig sei gewesen, dass es in den vergangenen sechs Monaten keine Rückschläge gegeben habe. «Es ging immer vorwärts, das war positiv. Ich habe das Knie forciert, das musste ich auch tun. Jetzt fühle ich mich zum ersten Mal wieder stark genug, um an einem Turnier teilzunehmen. Mit dem Stress und dem Adrenalin ist das schon eine ganz andere Welt.»

Dass Federer gerade Schär seine Comebackpläne verriet, hatte wohl auch einen sentimentalen Aspekt: Der im April 65-jährige Radiomann, ein früherer Lehrer und Reiseleiter, geht im Mai in Pension.

17 Kommentare
    Andres Sprecher

    Mich stört der schon lange anhaltende Federer-Hype: eine ganze Seite für einen älteren Herrn, der zweifellos viele Verdienste für den Schweizer Sport hat. Es wäre eben auch fair, etwas breiter zu informieren - also andere aufstrebende SportlerInnen zu berücksichtigen. Etwas grob ausgedrückt: Federer ist schon ok, aber auch ziemlich langweilig...