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Interview mit Thomas Meyer«Ich sagte: ‹Ja, ich bin ein Jude… und du bist ein Arschloch.›»

Der Schriftsteller musste entdecken, dass sogar Freunde und Bekannte von ihm antisemitisch denken. Über seine Erfahrungen hat er nun ein Buch geschrieben.

Beschäftigt sich mit der unbewussten Judenfeindlichkeit: Autor Thomas Meyer.
Beschäftigt sich mit der unbewussten Judenfeindlichkeit: Autor Thomas Meyer.
Joan Minder

Wann haben Sie zuletzt Antisemitismus erlebt?

Gerade eben, vor ein paar Minuten, in meiner Mailbox. Ein Mann reagierte auf ein Interview von mir. Er schrieb mir: Von all den Chefs, die er in seinem Arbeitsleben gehabt habe, sei einer richtig schlecht gewesen. Der habe den Lohn nicht gezahlt und so weiter. Und dieser Chef sei ein Jude gewesen. Ich solle das doch bitte berücksichtigen, wenn ich die Juden zu Heiligen stilisieren möchte.

Was Sie gar nicht tun.

Der Mann versucht, mich mit einer vermeintlich sachlichen Argumentation zu diskreditieren, und würde höchstwahrscheinlich empört reagieren, wenn ich ihn als Antisemiten bezeichnen würde. So reagieren ja die meisten, wenn man sie auf ihren Antisemitismus anspricht. Dass jemand in sich geht und zugibt: «Ja, da hatte ich tatsächlich einen antisemitischen Gedanken» – das kommt nur sehr, sehr selten vor. Von den Hunderten antisemitischen Erlebnissen, die ich hatte, nahmen etwa fünf eine solche erfreuliche Wendung. Ansonsten haben sich die Leute der Einsicht verweigert.

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