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Der FCZ in der Bredouille«Ich verstehe, dass wir Mitleid erzeugen»

Der nach einer Corona-Quarantäne gehandicapte FC Zürich ist gegen YB körperlich überfordert und verliert 0:5. Trainer Ludovic Magnin schlägt danach leise Töne an.

Die letzten Niederlagen hinterlassen bei Magnin ein komisches Gefühl: «Die Resultate tun verdammt weh, aber ich weiss nicht, was wir anders hätten machen können.»
Die letzten Niederlagen hinterlassen bei Magnin ein komisches Gefühl: «Die Resultate tun verdammt weh, aber ich weiss nicht, was wir anders hätten machen können.»
Keystone

Am Anfang ist es Ludovic Magnin noch ums Reklamieren. Vor dem Anpfiff macht der Trainer das, weil der FC Zürich seinen Match gegen YB nicht auf Sonntag verschieben darf und darum kein richtiges Training gehabt hat. Als eine Viertelstunde gespielt ist, versteht er nicht, wieso es kein Foul gegen Meschak Elia gibt: «He, Leute!», ruft er, «wir haben schon genug Nachteile! Da kann man auch mal Foul pfeifen!»

Acht Spieler, die gegen YB auflaufen, sind direkt aus ihrer Corona-Quarantäne auf den Platz gekommen. Am Samstagmorgen haben sie zusammen ein wenig Luft geschnuppert und ein paar stehende Bälle geübt. Ein wirkliches Training ist das nicht.

Das 0:5, das auch ein 0:9 sein könnte

Da ist dann schnell zu spüren, wie wenig geht bei diesem FCZ und gegen dieses YB. Da mag Goalie Yanick Brecher noch lange davon berichten, wie gut die Mannschaft gekämpft und aufgetreten sei, wie sehr sie sich aufgeopfert habe. Es reicht hinten und vorne nirgends. Und es reicht erst recht nicht, weil die Zürcher dem Gegner die ersten beiden Tore durch Miralem Sulejmani und Jean-Pierre Nsame noch schenken, als habe der solche Grosszügigkeit nötig.

«Zwei Fehler, ein Eckball, ein Penalty», zählt Magnin am Ende auf und schliesst die beiden schnellen Tore von Nsame nach der Pause in seine Analyse ein, «danach war die wenige Luft, die noch da war, weg.» Schon in der Pause haben einzelne aus seiner Mannschaft muskuläre Probleme gehabt. Hekuran Kryeziu, eigentlich ein laufstarker Spieler, gehört dazu, «nach zehn Tagen auf dem Sofa», wie er sagt, erstaunt ihn das nicht weiter.

0:5 verliert der FCZ, das liest sich hart. Die Realität ist, dass er gut und gern auch 0:8 oder 0:9 hätte verlieren können. Die Jungen in der Abwehr sind überfordert, Marchesano fällt früh verletzt aus, Schönbächler wird in der Pause ersetzt und erlöst. Der FCZ ist insgesamt so chancenlos, dass Magnin selbst sagt: «Ich verstehe, dass wir Mitleid erzeugen.» Vom Aufmucken gegen die Swiss Football League vor dem Spiel ist hinterher bei ihm nichts zu hören. «Hätte ein Tag Vorbereitung viel mehr gebracht?», wird er gefragt. «Ich glaube nicht», antwortet er.

Die Kampfansage von Hekuran Kryeziu

Der FCZ ist durch diesen Corona-Ausbruch in seinen Reihen in die Bredouille gekommen. Pech sei das gewesen, dass es sie so erwischt habe, sagt Sportchef Thomas Bickel. Sie hätten sich stets vorbildlich verhalten. Und die Spieler 24 Stunden am Tag unter Kontrolle zu halten, sei schlicht unmöglich: «Dafür haben wir nicht das Geld und nicht die Infrastruktur, um die Massnahmen so konsequent umzusetzen wie in Deutschland, Spanien oder England.»

Das 0:4 am letzten Dienstag in Basel mit einer besseren U-21-Auswahl und diese Niederlage gegen YB hinterlassen bei Magnin ein komisches Gefühl: «Die Resultate tun verdammt weh, aber ich weiss nicht, was wir anders hätten machen können.» Diese letzte Woche ist ein Dämpfer im Kampf um den vierten Europacup-Platz. «Wir stehen wieder auf», meldet aber Hekuran Kryeziu. Die Zeit drängt. 5 Spiele hat der FCZ bis zum 3. August noch auf dem Programm, 5 Spiele in 13 Tagen.