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Rekord an der Halbmarathon-WM«Ich werde mir jetzt zu Hause ein Höhenzimmer einrichten»

Mit ihrer Bestzeit von 1:08:38 Stunden war Fabienne Schlumpf an der WM die schnellste in Europa geborene Läuferin – und auf bestem Weg zum ersten Marathon.

Mit neuer Motivation zum nächsten Ziel: Fabienne Schlumpf will nach dem Halbmarathon nun den ersten Marathon bestreiten.
Mit neuer Motivation zum nächsten Ziel: Fabienne Schlumpf will nach dem Halbmarathon nun den ersten Marathon bestreiten.
Foto: Anna-Tia Buss 

Fabienne Schlumpf, wie läuft man ohne Uhr Schweizer Rekord?

(lacht) Gleich wie mit! Ich habe ein gutes Tempogefühl, ich kann gut einschätzen, wie schnell ich laufen kann, um es bis ins Ziel durchziehen zu können. Ich bin meine besten Rennen ohne Uhr gelaufen. Und wenn unterwegs eine Zwischenzeit eingeblendet ist, schaue ich weg. Wenn ich sähe, dass ich zu langsam unterwegs bin, kämen nur schlechte Gedanken auf. Und wenn ich zu schnell wäre? Würde ich bremsen? Nein!

Welches war Ihre WM-Taktik?

Ich wollte offensiv starten, ich wusste, dass eine Zeit um 1:09 Stunden möglich sein müsste. Es war der Plan, dass ich etwas versuche und mich nicht einfach einer Gruppe anhänge, die dann 1:10 oder mehr läuft.

Sie haben Ihre Bestzeit um mehr als eineinhalb Minuten verbessert, was bedeutet sie Ihnen?

Sehr viel! Sie tut sehr gut nach dem letzten Jahr, in dem ich dauernd verletzt war. Für mich ist es ein Superjahr, es macht mir unglaublich Freude, wieder so zu laufen. Es war nicht die ideale Strecke in Polen, aber sie war kurzweilig – und Peres Jepchirchir ist als Schnellste ja trotzdem Weltrekord gelaufen. Als wir von zu Hause aufbrachen und zum Flughafen fuhren, sagte ich zu Michi (Rüegg, Trainer und Lebenspartner), dass es lange her ist, dass wir an einen Wettkampf reisten. Ich freute mich enorm.

«Für mich ist es ein Superjahr. Es macht mir unglaublich Freude, wieder so zu laufen.»

Als Steeple-Läuferin waren Sie jeweils gut neun Minuten unterwegs, jetzt ist es eine Stunde mehr. Was bedeutet das physisch und mental?

Es war keine Umstellung mehr, ich bin ja vorher schon den einen oder anderen Halbmarathon gelaufen. Ich freue mich jetzt auf die neuen Erfahrungen auf der Marathondistanz.

Am Start waren mehr als ein Dutzend starke Afrikanerinnen, von denen Sie wussten, dass sie schneller sein würden. Wie stellten Sie sich darauf ein?

Wenn ich mir eine Taktik zurechtlege, kommt es nicht darauf an, woher die anderen kommen. An dieser WM sahen wir am Freitag, dass es ein Loch geben wird bei den Leistungen zwischen 67 und 70 Minuten. Und dass ich genau dort laufen werde, ohne wohl andere um mich zu haben. Und genau so ist es gekommen. Ich war gut darauf eingestellt.

Was denken Sie, wenn Sie allein unterwegs sind?

(lacht) Das habe ich mir vorher auch überlegt. Ich habe mir dann ein paar Dinge vorgenommen, es waren ja vier Runden, es ging einmal abwärts, einmal aufwärts, ich wollte mich auf all diese Veränderungen konzentrieren. Irgendwann habe ich auch eine Äthiopierin überholt – das beflügelt auch.

Haben Sie realisiert, dass es zu zwei Stürzen gekommen ist?

Nein, ich habe erst danach davon erfahren. Beim einen sind die Läuferinnen wohl zu nah aufeinander gelaufen.

Ja. Beim zweiten hatte man den Eindruck, dass der Grund auch in den Schuhen liegen könnte.

Ja, sie sind hoch, man muss aufpassen. Sie sind schon nicht für allzu viele Richtungswechsel gemacht.

Wie kompliziert war diese WM für die Athleten?

Die Corona-Regeln waren allen klar und wurden auch von allen respektiert, es war alles gut machbar: Covid-Test vor dem Abflug, Covid-Test vor dem Zimmerbezug im Hotel, Desinfizieren, Masken tragen, das alles hat nicht viel Energie gekostet, wir wussten das ja alles schon vorher. Das OK hat diese WM sehr gut umgesetzt.

Ihr Ziel ist der Olympia-Marathon in Sapporo im nächsten Sommer. Wie sieht die Planung aus?

Ich freue mich jetzt auf zwei Wochen Pause, die werde ich geniessen. Danach werde ich erholt und motiviert sein, um das Marathontraining in Angriff zu nehmen.

«Ich bin im Sommer schon 170 bis 180 Kilometer wöchentlich gelaufen. Vielleicht wird es nun noch ein wenig mehr.»

Werden Sie dafür die Laufumfänge nochmals steigern müssen?

Ich bin in diesem Sommer in St. Moritz schon 170 bis 180 Kilometer wöchentlich gelaufen. Vielleicht wird es noch ein wenig mehr, die Läufe werden aber sicher spezifischer auf Marathon ausgerichtet sein. Die langen Läufe noch ein wenig länger und gegen Schluss vielleicht auch schneller.

Es wird dunkler, kühler und nasser, St. Moritz wird dafür keine Option sein.

Nein, ich werde vorerst zu Hause trainieren, nach Weihnachten versuchen wir, nach Portugal zu gehen, doch danach sieht es ja momentan nicht aus. Ich werde mir jetzt zu Hause wieder das Höhenzimmer einrichten, vielleicht probieren wir auch, die ganze Wohnung quasi in Höhenlage zu versetzen.

Was heisst das konkret?

Es ist eine gute Alternative, wenn man nicht in der Höhe trainieren kann. Mittels Generatoren kann man die gewünschte Höhenlage simulieren, dann trainiere ich zwar nicht auf 2000 m, aber wenigstens wohne und schlafe ich dann unter diesen Bedingungen.