Coca-Cola-Flasche

Ikone im Kühlschrank

Kein Alltagsobjekt hat es nach der Colaflasche geschafft, so oft geadelt und so schnell Teil der Popkultur zu werden.

Bei uns gibt es sie kaum mehr, in Frankreichs Supermärkten dagegen kann man Sechserpackungen im Retrodesign kaufen – jene mit dem Logo aus Glas oder in weisser, aufgedruckter Farbe. <nobr>Foto: Dominique Meienberg</nobr>

Bei uns gibt es sie kaum mehr, in Frankreichs Supermärkten dagegen kann man Sechserpackungen im Retrodesign kaufen – jene mit dem Logo aus Glas oder in weisser, aufgedruckter Farbe. Foto: Dominique Meienberg

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Dies ist nicht nur eine Flasche, es ist eine Ikone. Die perfekte Verpackung für Flüssiges, ungeschlagene Königin des Fooddesigns. Seit 100 Jahren ist die Konturflasche mit den Rundungen auf dem Markt, das damalige Briefing von Cola an die Glasfirmen lautete, «eine Flasche zu schaffen, die so einzigartig ist, dass man sie beim Berühren im Dunkeln – oder wenn sie zerbrochen am Boden liegt – erkennen kann».

Kein Alltagsobjekt hat es seither geschafft, so oft geadelt und so schnell Teil der Popkultur zu werden. Ob Andy Warhol oder Künstlerkollegen wie Robert Rauschenberg, Joseph Beuys oder Tom Wesselmann – alle haben mit der Sanduhrflasche Pop-Art-Ikonen erschaffen, die heute im Museum hängen. Und längst ist sie selbst ein Kunstobjekt: Modedesigner wie Karl Lagerfeld oder Jean-Paul Gaultier haben sie verschönert; vergangene Woche wurde bekannt, dass der neuste Wurf vom irischen Shootingstar J. W. Anderson stammen wird.

Allerdings nimmt auch er sich der Aluflasche für die Light-Version an, denn Kalorien und die Modeszene vertragen sich ja nicht so. Eine richtige Zucker-Cola aus der Flasche schmeckt trotzdem um Welten besser. Umso grösser die Freude, wenn man ­irgendwo eine solche entdeckt, noch dazu in einer Glasflasche. Bei uns gibt es sie kaum mehr, in Frankreichs Supermärkten dagegen kann man Sechserpackungen im Retrodesign kaufen – jene mit dem Logo aus Glas oder in weisser, aufgedruckter Farbe. Als Kind sammelte man sie in den Ferien – in Marokko etwa erschien der Schriftzug auf Arabisch! –, obschon sie den Heimweg nie überlebten: Zu Hause war der Koffer voller Scherben, die Flaschen konnten nicht voller Stolz und wie geplant ins Krimskramsregal gestellt werden.

Das hielt den Bruder aber nicht davon ab, sein Zimmer mit sämtlichen bruchsicheren Cola-Insignien (Decken, Kissen, Poster, limitierte Flaschen und Büchsen) zu füllen, die damals schwer en vogue waren. Höhepunkt der Sammlung war eine Glasflasche mit chinesischer Schrift. Bis er dann ­Winnetou entdeckte, das Zimmer mit Indianerbildern behängte und die ganze Cola-Kollektion sehr unsentimental im Brockenhaus und in der Altglassammlung entsorgte.

Das ist das Schicksal von Alltags­design: gut für den Moment, aber schnell vergessen. Selbst wenn es so perfekt ist wie die Colaflasche.

Erstellt: 19.07.2015, 17:41 Uhr

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