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Waldverlust bis 2050 enorm«Illegale Holzfäller machen kein Homeoffice»

Auf 150’000’000’000’000 Billionen Dollar schätzt eine Beratungsfirma den Wert der Wälder weltweit. Doch die Corona-Krise habe diesen massiv zugesetzt.

Um den Gesamtwert der Wälder heute zu erhalten oder sogar zu stärken, müssten fast utopisch anmutenden Massnahmen ergriffen werden: Blick über den Sihlwald.
Um den Gesamtwert der Wälder heute zu erhalten oder sogar zu stärken, müssten fast utopisch anmutenden Massnahmen ergriffen werden: Blick über den Sihlwald.
Foto: Manuela Matt

Das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) hat sich zum Ziel genommen, den Wert des globalen Waldbestands in US-Dollar auszudrücken – und gleichzeitig vor einer Wertminderung zu warnen. 150 Billionen Dollar (143 Billionen Franken) wäre der Preis.

Bis zu 90 Prozent davon «verdienen» die Wälder schon nur aufgrund ihrer Fähigkeit zur Klimaregulation. Der gewaltige «Wälder-Wert» ergibt sich auch aus der fast vier Milliarden Hektar umspannenden Fläche weltweit.

Fünf Nationen besitzen dabei aber mehr als die Hälfte der Waldfläche: Russland liegt mit 20 Prozent vor Brasilien (zwölf) , Kanada (neun), USA (acht) und China (fünf Prozent). Torsten Kurth , Geschäftsführer bei BCG-Deutschland und Mitautor des aktuelle publizierten Berichts bezeichnete die Quantifizierung der Wälder als eine «objektive Messung», die einen Beitrag leisten könne, den emotional geprägten Dialog über den Schutz der Wälder auf eine faktenorientierte Basis zu verlagern.

«Es ist entscheidend, jetzt entschlossen zu handeln, um die Zerstörung des Waldwertes zu stoppen – insbesondere angesichts der Rolle, die Wälder als mächtige Waffe im Kampf gegen den Klimawandel spielen», lautet das Statement des Biochemikers.

Bis 2050 könnte ein Drittel weg sein

Der Raubbau an den Wäldern durch Landnutzungsänderungen und der Klimawandel bedrohen den Bestand erheblich: Der Anteil dieser beiden Aspekte an der gesamten Wertminderung des «Rohstoffs» soll bis 2050 mit 27 von insgesamt 30 Prozent den Grossteil der Verluste von über 800 Millionen Hektar ausmachen. Die verschwinden laut Analyse des Beratungsgesellschaft, wenn jetzt nichts unternommen werde.

Die Coronakrise habe den Waldverlust verschärft, hiess es weiter. Diese Aussage zeigten jüngst auch Medienberichte auf, wonach die Zerstörung im Amazonas-Gebiet im Schatten der Pandemie dramatisch zugenommen habe. «Illegale Holzfäller machen kein Home-Office», sagte Romulo Batista von Greenpeace in diesem Kontext.

Mit der raschen Entwaldung und Degradation mindert sich auch die Fähigkeit der Wälder, CO2 aufzunehmen und zu speichern, was Klimawandel und Erdewärmung wiederum weiter vorantreibt.

10% Wertverlust nicht zu verhindern

Fünf Hauptbedrohungen wurden in der Analyse ausgemacht. Neben genannter Landnutzungsänderungen und steigenden globalen Temperaturen sind die weiteren drei Schädiger: nicht nachhaltige Schlägerung, so genannte abiotische Störungen wie Waldbrände, und erst ganz am Schluss natürliche, also biotische Störungen wie die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten.

Um das Ausmass der Schädigung möglichst zu begrenzen riet BCG Regierungen, NGOs, Privatsektor und Verbraucher Massnahmen zu ergreifen, die von der Wiederherstellung von Wäldern, über die Reduktion von Fleischkonsum bis hin zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf weniger als zwei Grad reichen – was sich mit den Pariser Klimazielen deckt. Die vollkommene Rettung ist auch bei Einhaltung dieser Punkte aber nicht in Sicht, sondern trotzdem wäre hier ein Wertverlust von zehn Prozent gegeben.

Um den Gesamtwert der Wälder heute zu erhalten oder sogar zu stärken, müssten fast utopisch anmutenden Massnahmen ergriffen werden: Etwa auch die nur zum Teil kommerziell genutzten Wälder mit einer Fläche von über 2,7 Milliarden Hektar müssten dann nachhaltig bewirtschaftet und aufgeforstet sowie neue Wälder angepflanzt werden – und zwar auf einer Fläche, die grösser als Australien ist.

BCG-Studie «The Staggering Value of Forests-and How to Save Them»

SDA

5 Kommentare
    Martin Maletinsky

    Internationaler Waldschutz - das wäre ein sinnvolles Betätigungsfeld für unsere ökologisch bewegten Parlamentarier.

    Da würde ich die 12 Rappen Benzinaufschlag und 120 Franken Flugticketabgabe sogar gerne bezahlen, wenn das Geld in Massnahmen zum Schutz von Wäldern fliessen würde (und auch die CO2-Besorgten sollten da eigentlich am gleichen Strick ziehen, sind doch Wälder unter anderem auch höchst effiziente CO2-Senken, wie auch im Artikel zu lesen ist).