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Im Asyltestzentrum in Zürich taucht jeder Dritte unter

Von 360 Asylsuchenden fehlt jede Spur: Asylzentrum Juch in Zürich-Altstetten. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)
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Das Asyltestzentrum des Bundes in Zürich funktioniert planmässig: Dieses Fazit zieht das Staatssekretariat für Migration (SEM) nach zwei Jahren Probephase. Der Testbetrieb habe die Asylverfahren wie erhofft beschleunigt.

Allerdings: Vergleichsweise viele Asylsuchende reisen unkontrolliert ab, tauchen also unter. Dies, weil sie der frühzeitigen Rückkehr- und Chancenberatung wegen den Ausgang ihres Verfahrens besser und schneller abschätzen können, mutmasst das SEM. Im Test­betrieb liegt ihre Zahl mit 32,4 Prozent deutlich höher als im Regelbetrieb (9,9). Bis 31. August 2015, dem Ende der ­Evaluation, waren es 528 an der Zahl. 104 davon konnten in der Schweiz wieder aufgegriffen werden, 54 in Dublin-Staaten. Von den restlichen 370 Asyl­suchenden fehlt hingegen jede Spur. Das SEM kann nicht ausschliessen, dass vereinzelt Asylsuchende fortan als Sans-Papiers hier leben. «Bislang haben wir aber keine Anhaltspunkte, dass deutlich mehr Asylsuchende in Notstrukturen auftauchen», sagt SEM-Sprecher Martin Reichlin.

Verwirft das Stimmvolk am 5. Juni das Referendum der SVP gegen das Asylgesetz, werden weitere Bundeszentren nach Zürcher Modell entstehen. Somit dürfte ohne Gegenmassnahmen auch die Zahl der Untergetauchten weiter überproportional zu steigen. Verhindern wollen dies der Bund und die Kantone mit einem verbesserten Vollzug der Wegweisungen. Die Kantone, so Reichlin, hätten sich verpflichtet, 500 bis 700 zusätzliche Plätze für die sogenannte Administrativhaft zu schaffen.

CVP-Nationalrat Gerhard Pfister fordert die Kantone zusätzlich auf, abgewiesene Asylsuchende mit Sammelflügen der EU-Agentur Frontex auszuschaffen. Dies sei effizienter und deutlich billiger, als wenn sie die Flüge selber organisierten, so der designierte neue CVP-Präsident. Die Kantone dürfen dies seit vergangenem Herbst tun, machen davon aber kaum Gebrauch. Die SVP hingegen fordert, alle Zentren seien einzuzäunen. «Nur so lässt sich verhindern, dass die Asylsuchenden untertauchen», sagt Nationalrat Andreas Glarner.

Kritik übt die SVP am gesamten Testbetrieb. Dieser enthalte keine repräsentative Auswahl an Fällen und bezwecke einzig, «oberflächliche Argumente» für den 5. Juni zu liefern. Ihre Gegner hingegen – von der FDP bis zu den Grünen – halten die Asylgesetzrevision für nötig, um die Verfahren schneller, aber gleichwohl fair abwickeln zu können. Der Testbetrieb zeige, dass dies möglich sei.