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AusflugstippIm Emmental ist schon Weihnachten

Bei Kambly in Trubschachen läuft die Adventsbäckerei auf Hochtouren. Backkurse und ein Corona-konformes Weihnachtsdörfli stimmen auf die Festtage ein.

Das Weihnachtsdorf in Trubschachen.
Das Weihnachtsdorf in Trubschachen.
Foto: pd

Das alte Rezeptbuch liegt auf der stattlichen Truhe mit den grossen Schubladen. Auf dem Tisch stehen Schüssel, Zutaten und Nudelholz bereit. Im Ofen lodert ein Feuer. Dann erwacht die Szenerie zum Leben. Die Mehlschublade öffnet und schliesst sich. Der Rührlöffel schwingt. Bretzeli bräunen über den knisternden Flammen. Die historische Küche ist mit vielen originalen Utensilien ausgestattet.

Eine Stimme aus dem Off berichtet über den der Liebe wegen zugezogenen Firmengründer Oscar Kambly. Vor über hundert Jahren machte der gebürtige Berner Oberländer mit dem Bretzeli-Rezept seiner Grossmutter Karriere und legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte.

Bei Kambly im bernischen Trubschachen gehts aber um mehr als Backen allein. Man will den Besuchern ein Erlebnis bieten. Und wer bekäme angesichts einer solchen Kulisse nicht Lust, selbst Hand anzulegen?

Die alte Kambly-Küche.
Die alte Kambly-Küche.
Foto: Jacqueline Vinzelberg

In der Kambly-Welt herrscht Weihnachtsstimmung. Es duftet nach Anis, Zimt und Lebkuchen. Die Freude in den Augen der Kinder, die zum Workshop angemeldet sind, ist unübersehbar. Behutsam und konzentriert bearbeiten die Kleinen den süssen Teig und stechen Guetsli aus.

Der Bau eines Lebkuchenhauses erfordert schon etwas mehr Anstrengung, aber auch das gelingt unter fachkundiger Anleitung. Bei der Dekoration der Fassade darf jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen. Und das Giessen der Samichläuse wird zur Geduldsprobe. Denn bis der Schokoladenmann ausgehärtet ist, dauert es seine Zeit.

Für weniger ambitionierte Hobbybäcker ist das Verzieren von Lebkuchenherzen schon aufregend genug. Selbst Erwachsene finden Spass bei derlei Aktivitäten. So mancher staunt über das Talent, das in ihm steckt. Die zweistündigen Workshops finden in der Vorweihnachtszeit an unterschiedlichen Terminen statt. Im weihnachtlichen Ambiente lassen sich die Maîtres Confiseurs über die Schulter blicken, während sie mit der Herstellung saisonaler Spezialitäten beschäftigt sind.

Kinder bei der Dekoarbeit im Weihnachtsdörfli.
Kinder bei der Dekoarbeit im Weihnachtsdörfli.
Foto: Sedrik Nemeth

Sie demonstrieren, worauf es bei handgemachten Pralinés und Macarons ankommt. Zwar darf man zurzeit im Kambly-Erlebnis wegen Corona nicht wie sonst nach Herzenslust degustieren. Doch die reichhaltige Auswahl an frischen handgemachten Desserts aus der Confiserie lässt im Café die fehlende Degustation rasch vergessen.

Dem Dorfmüller treu geblieben

Ein paar Hundert Meter weiter die Strasse runter hievt Beat Haldemann Mehlsäcke in den Paternosteraufzug, der über die drei Stockwerke der alten Dorfmühle führt. Der junge Müller leitet den Betrieb in fünfter Generation.

Er hat viel zu tun, denn er liefert das Mehl für die Produktion von Kambly. Im vergangenen Jahr waren es 3030 Tonnen. Haldemann gewinnt das Mehl aus Urdinkel und anderem Getreide, das die Bauern in der Gegend anbauen. Sein Urgrossvater besiegelte einst per Handschlag mit dem Firmengründer Oscar Kambly die Mehllieferungen der Mühle.

So ist es bis heute geblieben, ohne dass je Näheres in einem schriftlichen Vertrag fixiert wurde. Auch alle anderen Zutaten, die beim Biskuithersteller verarbeitet werden, bezieht man nach Möglichkeit von Schweizer Bauern und einheimischen Produzenten. Die Butter etwa kommt aus der Dorfkäserei. In der Region arbeitet man eng zusammen. Das zeigt sich auch am jährlichen Weihnachtsmarkt, den Kambly mit lokalen Produzenten ausrichtet. Corona-bedingt darf er dieses Jahr allerdings nur im Miniformat stattfinden.

Schönschreiber Tschanz erhält Aufträge aus aller Welt

Am 25. November werden im Weihnachtsdörfli die Lichter angezündet. In sechs feierlich geschmückten Chalets präsentieren Hersteller aus der Umgebung im wöchentlichen Wechsel selbst gemachte, lokale Köstlichkeiten und regionales Kunsthandwerk. Neben Süssem und Salzigem wie Weihnachtsguetsli oder Käsespezialitäten, Gewürzen und Teemischungen gehören unter anderem Körperöle, Düfte, Steinkunst oder Scherenschnitte zum bunten Sortiment.

Bis der Chlaus aus Schokolade getrocknet ist, dauert es.
Bis der Chlaus aus Schokolade getrocknet ist, dauert es.
Foto: pd

Auch Schönschreiber Fritz Tschanz ist wieder mit von der Partie, wie üblich im halbleinenen Hemd und mit Zipfelmütze. In der zweiten Woche wird er Stellung in einem der Chalets beziehen. Stahl- und Bambusfedern oder solche von Pfauen und Truthähnen führt er vor staunendem Publikum mit leichter Hand übers Büttenpapier. Tschanz stellt seine kalligrafischen Künste beim Schreiben von Glückwunsch- und Grusskarten, Einladungen oder Lesezeichen unter Beweis. Die Fertigkeit hat sich der ehemalige Bauer in jahrelangem Selbststudium erarbeitet. Mittlerweile erhält der Schönschreiber Aufträge aus aller Welt und gibt sein Know-how in Kursen weiter.

Spannung versprechen die Wildtierexkursionen für Familien, die auf dem Weihnachtsprogramm von Kambly stehen. Der Emmentaler Bauer Armin Kunz kennt sich aus mit der Natur und ihren Herausforderungen. Auf Spurensuche im Wald und beim Besuch einer Tierfutterstelle teilt er sein Wissen mit neugierigen Begleitern. Er berichtet, mit welchen Strategien Rehe und andere Wildtiere die für sie harte Winterzeit überstehen.

In Zusammenarbeit von Kambly und SonntagsZeitung.

4 Kommentare
    Marc Steinemann

    Kambly, ein Stück Emmental, ein Stück Schweiz. Tradition, lokal, frische Zutaten, wie auch in der Show gezwgt wird.

    Besonders beachtenswert bei Kambly find ich dan naber, dass in fast jedem Biscuit mit Schokolade Palmfett oder Palmöl drin ist.

    Und schon Betrug in meinen Augen ist das Kambly original Brützeli, laut Verpackung nach Originalrezept aber mit Kokosfett.

    Gewinnoptimierung ist das eine, aber die Marke mit Lokal anzupreisen und dann Kokosfett und Palfett/öl verarbeiten ganz etwas anderes.