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Einsatz im Zürcher Kreis 4Zwei Asylbewerber
aus Fenster gestürzt

Im Zürcher Notspital, in dem wegen eines Corona-Ausbruchs 36 abgewiesene Asylbewerber eingesperrt sind, ist es zu chaotischen Szenen gekommen.

Der Grosseinsatz an der Lagerstrasse 119.
Der Grosseinsatz an der Lagerstrasse 119.
Foto: «20 Minuten»

Am Mittwochmorgen sind im ehemaligen Pflegezentrum Erlenhof an der Zürcher Lagerstrasse zwei Personen aus einem Fenster gestürzt. Die kantonale Sicherheitsdirektion schreibt in einer Mitteilung, dass es sich bei den Verletzten um zwei abgewiesene Asylbewerber handelt. Sie seien offenbar aus dem Fenster geklettert und hätten sich beim Sprung verletzt.

Im ehemaligen Pflegezentrum, das zu Beginn der Pandemie vom Kanton zum Notspital umfunktioniert wurde, sind seit letztem Freitag 36 abgewiesene Asylbewerber untergebracht. Sie lebten davor in der Notunterkunft Urdorf, wo es zu mehreren Corona-Infektionen gekommen ist (lesen Sie hier mehr). In Urdorf werden straffällige Männer untergebracht oder solche, die «aus disziplinarischen Gründen nicht in anderen Unterkünften bleiben können», wie die Sicherheitsdirektion schreibt.

Schon am Montagnachmittag war es an der Lagerstrasse zu einem Einsatz gekommen, wie die Stadtpolizei gegenüber dem «Tages-Anzeiger» bestätigte. Dies, weil offenbar mehrere der eingesperrten Asylbewerber gegen die Umstände ihrer Unterbringung protestierten.

Zur anhaltenden Polizeipräsenz vor dem Notspital äussert sich die Sicherheitsdirektion in ihrer Mitteilung wei folgt: Eine starke Präsenz sei nötig, «damit sich straffällige Asylbewerber an Schutzmassnahmen halten». Sie weist darauf hin, dass sich in der Schweiz jeder an die Quarantänebestimmungen halten müsse. Die Männer im Erlenhof würden mit ihrem Verhalten sich selbst und andere in Gefahr bringen «und im schlimmsten Fall» auch Unbeteiligte anstecken, schreibt die kantonale Sicherheitsdirektion.

Virusherd in Kauf genommen?

Kritik an den Behörden kam gestern vom Bündnis «Wo Unrecht zu Recht wird», das Repression gegenüber abgewiesenen Asylsuchenden anprangert. Die Sicherheitsdirektion sei verantwortlich für das, was jetzt im Zürcher Notspital passiere. Sie habe «mutwillig in Kauf genommen, dass sich Menschen im Bunker in Urdorf mit Corona anstecken». Man habe schon im März kritisiert, dass die Corona-Schutzmassnahmen dort nicht umgesetzt werden können.

aho