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Neue Studie aus BernIn Zürichs Norden erkranken Kinder eher an Krebs

Das Risiko für Hintumore bei Mädchen und Knaben ist im Norden des Kantons und im Seeland erhöht. Weshalb? Die Forscher rätseln.

Die Universitaet in Bern, am Mittwoch, 11. Maerz 2009. Die Universitaet Bern wurde vor 175 Jahren, im Jahr 1834 gegruendet. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Die Universitaet in Bern, am Mittwoch, 11. Maerz 2009. Die Universitaet Bern wurde vor 175 Jahren, im Jahr 1834 gegruendet. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
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Jährlich erkranken in der Schweiz etwa 250 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an Krebs. Es ist in der Schweiz und anderen europäischen Ländern die zweithäufigste Todesursache im Kindesalter, wie die Forschungsgruppe unter der Leitung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern schreibt. Seit 1976 werden die Erkrankungen in der Schweiz im Kinderkrebsregister erfasst.

Ein geringer Anteil dieser Krebserkrankungen sei genetisch bedingt, schrieben die Forscher am Donnerstag. «Bei den meisten Erkrankungen bleibt die Ursache jedoch unklar». Umweltfaktoren wie etwa ionisierende Strahlung (natürliche Hintergrundstrahlung, medizinische diagnostische Strahlung), Luftverschmutzung, elektromagnetische Felder oder Pestizide stehen im Verdacht.

«Doch die Ergebnisse bisheriger Studien zu diesen Faktoren lassen noch keine eindeutigen Schlüsse zu», erklärt Ben Spycher vom ISPM, Letztautor der Studie. Sie wurde im «International Journal of Health Geographics» publiziert.

Erhöhte Expositionswerte in bestimmten Gebieten können zu lokal erhöhten Krebsrisiken führen. Modellrechnungen der Forschenden des ISPM und der Schweizerischen Pädiatrischen Onkologiegruppe (SPOG) haben nun in zwei Regionen der Schweiz einen leichten Anstieg des Risikos für Hirntumore festgestellt: im Norden des Kantons Zürich (Grenzgebiet mit Schaffhausen) und im Seeland.

Ursachen noch schleierhaft

Folgende Erklärungsvariablen wurden angewendet: Urbanisierungsgrad, sozio-ökonomische Position, verkehrsbedingte Luftverschmutzung und natürliche Hintegrundstrahlung. Diese konnten die räumliche Variabilität der Krebsrate insgesamt zu 72 Prozent erklären, zu 81 und 82 Prozent für Leukämien und Lymphome und zu 64 Prozent für Hirntumore. Warum Hirntumore aber gerade in den beiden identifizierten Gegenden erhöht auftreten, konnte mit diesen Variablen aber nicht eruiert werden.

«Wir schliessen daraus, dass die Suche nach Umweltrisikofaktoren von Hirntumoren intensiviert werden sollte», sagt Spycher. Roland Ammann, Ko-Autor der Studie an der Universitätsklinik für Kinderheilkunde am Inselspital Bern ergänzt: «Dabei sollten die verschiedenen Untergruppen von Hirntumoren auch gesondert betrachtet werden.»

Geografische Verteilung von Lymphom (oben) und Hirntumor (unten) bei Kindern. Die hellgrünen Stellen unten markieren die beiden Risikogebiete Nördliches Zürich und Seeland. (Pressebild)
Geografische Verteilung von Lymphom (oben) und Hirntumor (unten) bei Kindern. Die hellgrünen Stellen unten markieren die beiden Risikogebiete Nördliches Zürich und Seeland. (Pressebild)
zVg ISPM Bern

Entsprechende Untersuchungen der Gruppe sind am Laufen. «Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht sagen, was die beobachteten Unterschiede in der Schweiz erklären könnte, dies muss weiter untersucht werden», sagt Spycher.

Hirntumore variieren geografisch am meisten

Untersucht haben die Forscher die im Kindesalter am häufigsten vorkommenden Krebsarten, nämlich Leukämien, Lymphome und Tumore des zentralen Nervensystems (Hirntumore). Insgesamt umfasst die Analyse 5947 Krebserkrankungen, die im Zeitraum von 1985-2015 auftraten. Davon waren 1880 (32 Prozent) Leukämien, 772 (13 Prozent) Lymphome, und 1290 (22 Prozent) Tumore des Gehirns und des Rückenmarks.

Für alle Krebserkrankungen zusammen wich die geschätzte lokale Krebsrate vom Landesdurchschnitt je nach Ort um bis zu -17 Prozent nach unten und um bis zu +13 Prozent nach oben ab. Die räumliche Variation war kleiner für Leukämien (-4 bis +9 Prozent) und Lymphome (-10 bis +13 Prozent), jedoch grösser für Hirntumore (-18 bis +23 Prozent).

(SDA)