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Schulstart im Zeichen von Corona«Im Notfall müssen einzelne Klassen oder Schulhäuser geschlossen werden»

Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer LCH sagt, man habe Corona im Griff, soweit möglich. Wie Verbandspräsidentin Dagmar Rösler die Corona-Prävention im Alltag sieht.

Dagmar Rösler, Präsidentin des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Solothurn und seit dem Sommer 2019 auch Präsidentin des Schweizer Lehrerverbands.
Dagmar Rösler, Präsidentin des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Solothurn und seit dem Sommer 2019 auch Präsidentin des Schweizer Lehrerverbands.
Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Mit leuchtenden Augen und geschwellter Brust begingen die Erstklässlerinnen und Erstklässler am Montag vielerorts den ersten Schultag. Was war dieses Jahr anders wegen der Corona-Pandemie?

Was dieses Jahr anders ist: Die Eltern dürfen teilweise nicht ins Schulhaus am ersten Schultag ihres Kinds. Weil es aber schönes Wetter ist, konnten die Zeremonien bestimmt im Freien abgehalten werden. Die Erstklässler haben bestimmt den gleichen Stolz und die gleiche Freude wie die letztes Jahr. Kinder gewöhnen sich rasch an neue Gegebenheiten. Ich denke nicht, dass sich deswegen grosse Probleme ergaben.

Eine Genfer Virologin warnte zuletzt: Achtung, liebe Schulen: Wenn ihr die Prävention nicht in den Griff kriegt, fällt uns das Ganze bald auf die Füsse mit negativen Folgen auch für die Wirtschaft. Unterschätzt der Lehrerverband Corona?

Nein, wir unterschätzen nichts. Lehrerinnen und Lehrer setzen vielmehr die Vorgaben um, die ihnen von Experten vorgegeben werden, und ich denke, die Schulen haben die Sache im Griff – soweit das möglich ist. Wir wissen aber auch nicht, was auf uns zukommt. Es geht nun darum, wenn nötig, lokal richtig zu entscheiden. Im Notfall könnte dies die Schliessung einzelner Klassen oder einzelner Schulhäuser bedeuten. Eine flächendeckende Rückkehr zum Fernunterricht wollen wir vermeiden, weil es dabei zu viele Verlierer auf Schülerseite gibt. Jene in grösseren Familien beispielsweise, die nicht genügend Computer zu Hause haben.

Es gibt sicher da und dort Lehrer, die Angst haben.

Welches Verhalten bedeutet dies an den Schulen konkret?

Es werden die Fallzahlen beobachten werden müssen um dann bei Bedarf – zu reagieren.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse deuten daraufhin, dass Kinder das Virus doch stärker weitergeben könnten als bisher gedacht. Und die «New York Times» meldet, dass es in den USA in nur zwei Wochen 97000 Neuansteckungen unter Schülern gab. Verunsichert Sie das nicht?

Wenn es um neue Erkenntnisse geht, müssen Sie beim Bundesamt für Gesundheit nachfragen. Wir halten uns an die bisherige Annahme von offizieller Seite, wonach Schulen kein entscheidender Faktor bei den Übertragungen darstellen. Beruhigend scheint mir die Nachricht allerdings nicht.

Wie hat sich die Lage bei den vulnerablen Lehrpersonen entwickelt? Bleiben diese am ersten Schultag daheim?

Im Kanton Solothurn, wo ich unterrichte, ist es beispielsweise so, dass vulnerable Lehrpersonen in die Schule müssen. Sie sollen sich selbst schützen, und sie werden geschützt durch zusätzliche Massnahmen, die Gemeinden und Schulleitungen angeordnet haben. Es gibt sicher da und dort Lehrer, die Angst haben, auch davor, dass sie Nahestehende in der eigenen Familie anstecken könnten, die gesundheitlich vorbelastet sind. In der Mehrheit sehe ich landesweit aber jene, die Schule geben wollen und die sich im Schulhaus vor Ansteckung schützen.
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