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Schweizer LiteraturIm Tessin ist es unheimlich geworden

Eine leuchtende, kühne Sprache: In Gertrud Leuteneggers Roman «Späte Gäste» wird kein Motiv, keine bildliche Kostbarkeit vergeudet.

Gertrud Leutenegger stand 2014 mit ihrem Roman «Panischer Frühling» auf der Shortlist des Schweizer und des Deutschen Buchpreises.
Gertrud Leutenegger stand 2014 mit ihrem Roman «Panischer Frühling» auf der Shortlist des Schweizer und des Deutschen Buchpreises.
Foto: Ayse Yavas

Seit Jahrzehnten schreibt Gertrud Leutenegger Romane, die man als den jeweils vorherrschenden Tonarten und Themen gegenläufig bezeichnen kann. Selbst wenn sich Leuteneggers Erzählungen an allgemein fassbare Ereignisse koppeln – wie vor zwei Jahren «Panischer Frühling» an den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull –, bewegen sie sich immer auch fort von diesen Ereignissen, zurück zu einer Art Prosagesang, wie man ihn heute selten vernimmt.

Leuteneggers jüngster Roman «Späte Gäste» ist der von einem wilden Erinnerungsstrom unterspülte Monolog einer Frau, die in das Tessiner Dorf zurückkehrt, das sie vor vielen Jahren gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter verlassen hat. Auch den Mann, Orion, hat sie in dem Ort zurückgelassen, und nun ist der Mann tot, er liegt aufgebahrt in der abgeschlossenen Dorfkapelle.

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